13.09.2007 · Rundgang in Zeiten des Klimawandels: Den Oberklasse-Mercedes lässt sich die Kanzlerin erklären - um dann in einem Smart Platz zu nehmen. Und am Stand von Porsche belässt es Merkel dabei, sich einen Motor anzusehen.
Von Manfred KöhlerSie ist an den Ort ihres Triumphs zurückgekehrt. Zwei Jahre her ist es nun, als mitten in die Internationale Automobil-Ausstellung die Bundestagswahl fiel. Drei Tage vor der Wahl, am Donnerstag, hatte noch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die Schau eröffnet. Am Samstag und am Montag abermals aber war dann Angela Merkel, seine Herausforderin von der CDU, gekommen – das erste Mal kampfeslustig, das zweite Mal von dem dramatischen Wahlabend erschöpft, aber mit kräftigem Applaus empfangen und mit dem generösen Versprechen, die Automobilindustrie werde ihr keine Knüppel zwischen die Beine werfen, alles in allem von einer Welle der Sympathie der Manager getragen.
Da hatten diese allerdings auch noch nicht gewusst, dass es die CDU-Politikerin ernst meint mit ihrer Umweltpolitik. Am Donnerstag im Congress Center der Messe Frankfurt: Als Merkel erstmals als Bundeskanzlerin bei der hochoffiziellen Eröffnung der schon seit Tagen zugänglichen IAA sprechen darf, geht es um fast nichts anderes mehr als Klimawandel und Kohlendioxid.
Merkel sitzt im schnittigen „Flextreme“ Probe
Ihre Forderung an die Industrie, an jeder Stelle des Autos zu prüfen, wie sich dessen Ausstoß weiter verringern ließe, und sei es durch eine automatische Reifendruckkontrolle, garniert sie mit anerkennenden Worten über die Leistungsfähigkeit der Branche. Beim Rundgang über das Gelände, der angesichts des straffen Tempos mit dem eines gewöhnlichen Besuchers wenig gemein hat, sucht sie vor allem nach umweltfreundlichen Modellen.
Bei Opel nimmt Merkel in dem schnittigen „Flextreme“ Platz, der Traumwerte von 1,5 Litern Diesel auf 100 Kilometern und 40 Gramm Kohlendioxid auf einem Kilometer aufweist, aber wie so viele andere dieser sparsamen Autos noch lange nicht im Handel ist. Bei Daimler lässt sich die Bundeskanzlerin zwar die Fahrzeuge der Oberklasse erklären, probiert aber einen Smart aus. Bei Porsche wahrt sie zu allen Modellen Distanz und guckt sich nur einen Motor länger an. Es würde sich halt im Moment nicht gut machen, ginge das Bild einer deutschen Regierungschefin in einer Spritschleuder um die Welt.
Der Verband der Automobilindustrie, Ausrichter der IAA, hat sich längst der Rhetorik der Politiker angepasst, wozu maßgeblich Matthias Wissmann als Präsident mit seiner Erfahrung beigetragen hat. Merkel und Wissmann saßen einst im selben Kabinett, sie als Umwelt-, er als Verkehrsminister. Auch Wissmann versteht sich darauf, knallharte Forderungen in Watte zu verpacken.
Petra Roth sucht nach der Erotik der Formen
Von der Bundeskanzlerin, die in Europa viel vorangebracht habe, spricht er, von der Bundeskanzlerin, die ein Ohr für die Automobilindustrie habe – und davon, dass es bei der Einführung eines „Verbrauchslabels“ über die Umweltqualität eines Autos, wie es das heute schon bei Kühlschränken und Geschirrspülern gibt, nicht soweit komme möge, dass alle Fahrzeuge über einen Kamm geschoren werden. Klar: Dann wären wohl alle Autos der Oberklasse als Umweltsünder gebrandmarkt und bekämen einen roten Punkt oder sonstwas Abschreckendes aufs Preisschild. Wird nach Fahrzeugsegmenten unterschieden, wäre das anders.
Mit solchen Feinheiten beschäftigt sich die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (auch CDU) nicht. Sie spricht von der Faszination Auto, von den Erfolgen der schwarz-grünen Koalition im Römer beim Klimaschutz und davon, dass die IAA unbedingt zu Frankfurt gehöre. Zuvor hatte auch Wissmann schon allerhand lobende Worte für die Stadt gefunden – nur ausgesprochen nüchterne Zeitgenossen werden bei sich gedacht haben, solange der Verband nicht mit der Messegesellschaft über eine Verlängerung des Vertrags zu verhandeln habe, seien solche Äußerungen halt billig zu haben.
Es ist dann aber die Oberbürgermeisterin, die bei der feierlichen Eröffnung als einzige in Erinnerung ruft, dass es beim Auto nicht bloß um Umweltschutz gehe. „Keiner kann sich doch frei von der erotischen Ausstrahlung der Formgebung machen“, hält Petra Roth fest, und wer will einer lebenserfahrenen Frau da widersprechen?
Das war nicht besonders patriotisch
Claus Behrens (chipin)
- 13.09.2007, 23:29 Uhr
Ach was,
R Rossi (suchtdasglueck)
- 14.09.2007, 00:42 Uhr
Herr C.Behrens!
Henriette Kaschulke (Wissibesser)
- 14.09.2007, 01:36 Uhr
Merkels ELCHTEST für den Smart
A. Malliki (a.malliki)
- 14.09.2007, 02:58 Uhr
immer langsam Herr Behrens
Heiko Schlösser (xx5000)
- 14.09.2007, 09:45 Uhr