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IAA Männerträume werden wahr

16.09.2007 ·  Auf der IAA wird schon jetzt von einem Besucherrekord gesprochen. Am ersten Publikumswochenende sind die schönen, teuren und schnellen Autos besonders gefragt.

Von Julia Roebke
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Endlich kann Mirco mit der Digitalkamera knipsen. Der Junge mit dem sperrigem Rucksack auf dem Rücken hat geduldig in der Menschenmasse in Halle 6 gewartet und dann im rechten Moment die Ellenbogen eingesetzt. Jetzt steht er in der ersten Reihe und ist seinem Traumauto, dem Ferrari F430 Scuderia, ganz nahe. „510 PS“, murmelt er, und wie in Trance drückt er unablässig den Auslöser seiner Kamera. Der Vater wartet geduldig, selbst fasziniert von dem Sportflitzer. „Komm wir gehen jetzt mal rüber zu Lancia“, sagt er dann. „Da ist mehr Platz.“ Die Gäste der 62. Internationalen Automobil-Ausstellung haben am ersten Publikumswochenende klare Favoriten. Ferrari ist einer.

Schon jetzt spricht man vom Besucherrekord. Die Veranstalter rechnen in diesem Jahr mit bis zu einer Million Autoliebhaber, doch wirklich dicht gedrängt stehen die Menschen nur an wenigen, ausgewählten Plätzen des insgesamt mehr als 225.000 Quadratmeter großen Ausstellungsgeländes. Nicht die neue, schadstoffarme Weltpremiere eines Kleinwagens oder die umweltfreundliche Antriebstechnik ziehen die meist männlichen Besucher in ihren Bann, sondern die schnellen, eleganten und vor allem die teuren Autos. Da blitzen die Augen.

„Wir wollen die richtigen Flitzer sehen“

In Halle drei zum Beispiel, wo James Bonds Dienstwagen Aston Martin DBS den Kutschen anderer Hersteller deutlich die Show stiehlt. Kinofans kennen den rassigen Wagen schon längst aus dem jüngsten Teil der Agentenserie, jetzt präsentiert der englische Hersteller die Straßenversion mit einer Maximalgeschwindigkeit von 302 Kilometern die Stunde. „Nach dem CO2-Wert werden wir eher selten gefragt“, sagt der Kundenberater. Das edle Interieur mit verstellbaren Sportsitzen und einem Satelliten-Navigationssystem für Geheimeinsätze dürfen sich die Autofans jedoch nicht aus der Nähe betrachten. Der Sportwagen ist mit einer Sperre aus Glas umgeben – anfassen und streicheln dürfen nur Auserwählte den Flitzer.

Video: IAA öffnet die Tore für das Publikum

Wenn der Sohn fragt, warum nur die Männer mit Anzug in diesem Auto Platz nehmen könnten, gerät so mancher Vater in Erklärungsnot. Wer Kunde sei oder bei einem Händler Kaufabsichten geäußert habe, dürfe schon mal in den Rennwagen steigen, heißt es auf Nachfrage bei Aston Martin. Die wahren Fans machen Fotos, bitten um einen Hochglanzprospekt für ihre Sammlung und ziehen weiter.

Den Opel Corsa könne er sich auch daheim beim Händler anschauen, sagt ein Familienvater aus Mainz. „Wir wollen die richtigen Flitzer sehen und dann mal im Mercedes-Geländewagen sitzen.“ Dafür sei die IAA genau richtig. Der Sohn nickt begeistert, doch die Tochter hat nach mehreren Stunden Autoshow genug. Sie bleibt in der gähnend leeren „Biofuel Bar“ in Halle 4 zurück und nimmt ihr Buch aus der Tasche. Die dort angebotenen, exotischen Fruchtsäfte findet sie interessant, das Infomaterial über alternative Kraftstoffe weniger.

Traumauto als Modell

In die nebenan gelegene Lounge der Frauenzeitschrift Brigitte haben sich all jene zurückgezogen, die ein bisschen Abstand vom Autorummel brauchen. Hier sitzen meist Frauen in grauen Ledersesseln oder auf runden Sitzelementen, lesen die ausgelegten Zeitschriften oder diskutieren über die Kleidung der Hostessen. „Wie er auf einmal so nett war zu dieser Tussi von Toyota“, beschwert sich eine junge Frau bei ihrer Freundin. Diese beschwichtigt und regt an, mal kurz bei der Make-up-Beratung Station zu machen.

Bei Sonnenschein und T-Shirt-Temperaturen sind am Wochenende die Angebote im Rahmenprogramm der Automobil-Ausstellung besonders gefragt. Vor dem Zelt der Geländewagen-Teststrecke hat sich eine lange Schlange gebildet. Mehr als eine Stunde lang warten viele Besucher, bis sie als Beifahrer in einen der Geländewagen steigen dürfen. „Einfach genial“, so das Fazit eines Jugendlichen, der sich auf der Buckelpiste im Auto festhalten musste. „So einen SUV hätte ich auch gerne, wenn der Führerschein mal da ist.“

Gegen Abend ist dann auch im ersten Stock der Halle 1 ein bisschen mehr los. „Als Souvenir nehmen sich die Leute gerne noch ihr Traumauto als Modell mit“, sagt der Verkäufer bei Mini Cars Kuno. Die Racing-Versionen von Porsche, Audi und Mercedes seien besonders gefragt. „100 Euro für das Modell statt 100.000 Euro für das Original.“ Die meisten neuen Umweltautos sind allerdings noch nicht im Kleinformat zu erwerben.

Die Internationale Automobil-Ausstellung ist noch bis zum Sonntag jeden Tag von 9 bis 19 Uhr geöffnet.

Quelle: F.A.Z.
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