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Automobilmesse Kia erwägt Allianz mit Karmann

10.09.2007 ·  Der Autobauer Kia hat es in Europa schwer gegen alteingesessene Platzhirsche wie VW oder Renault. Dagegen könnte der traditionsreiche Name „Karmann“ helfen. Die massive Unterauslastung bei dem Zulieferer aus Osnabrück ist damit nicht behoben.

Von Johannes Ritter
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Die asiatischen Autohersteller greifen an. Sie wollen ihre Position in Europa ausbauen und setzen dabei auf den Aufbau eigener Produktionsstätten hinter dem früheren Eisernen Vorhang. Die koreanische Kia Motors zum Beispiel baut das Kompaktauto „Cee'd“ in einem neuen, eine Milliarde Euro teuren Werk in der Slowakei. Der „Cee'd“ wurde eigens für den europäischen Markt entworfen. Dennoch werden es die Koreaner schwer haben gegen alteingesessene Platzhirsche wie VW oder Renault. Nun soll das blasse Image aufpoliert werden: „Wir wollen die Strahlkraft der Marke Kia erhöhen“, sagt Kia-Designchef Peter Schreyer. Der frühere Designer von VW und Audi will emotionale Autos bauen. Ein Anfang wäre ein Cabrio, das auf dem „Cee'd“-Sportmodell basiert und maßgeblich von dem Osnabrücker Zulieferer Karmann entwickelt wurde. Bislang existiert nur ein Showcar. Aber es ist denkbar, dass er schon bald gebaut wird, und zwar von Karmann selbst.

„Wir sprechen mit Karmann über eine Zusammenarbeit“, sagt Schreyer. Das Projekt sei aber noch in einer frühen Phase. Und falls sich die Konzernführung in Korea grundsätzlich für den Bau eines Cabrios entscheide, werde man auch zu anderen Spezialanbietern Kontakt aufnehmen. Trotz dieser Einschränkung rechnet sich Karmann im Ernstfall gute Chancen aus, den Auftrag für den Bau dieser Kleinserie zu ergattern: „Wir sind optimistisch, denn wir können Kia viel bieten“, sagt Karmann-Chef Peter Harbig. Dabei gehe es nicht nur um innovative Elemente in der Dachkonstruktion und die Geschwindigkeit der Produktion. Wenn der traditionsreiche Name „Karmann“ am Heck eines offenen Kia-Fahrzeugs stehe, stärke das die Marke Kia und deren Wahrnehmung im Markt.

Karmann auf neue Aufträge angewiesen

„Außerdem können wir einen sehr lukrativen und wettbewerbsfähigen Preis bieten“, beteuert Harbig mit Blick auf die Kostensenkungsprogramme der vergangenen Jahre, die vor allem den Fahrzeugbau am Stammsitz in Osnabrück betrafen. Hier ist das Familienunternehmen, das einst den legendären „Karmann-Ghia“ hervorbrachte, dringend auf neue Aufträge angewiesen. Aktuell laufen in Osnabrück noch der Mercedes CLK, der Audi A4 Cabrio und der Chrysler Crossfire vom Band. Dabei wird es nicht bleiben: Mercedes und Audi werden die Nachfolgemodelle in ihren eigenen Werken bauen. Und die Stückzahlen beim Crossfire, der deutlich unterhalb der Absatzerwartungen geblieben ist, fallen kaum noch ins Gewicht.

Harbig räumt ein, dass ein einziger neuer Auftrag (etwa der von Kia) nicht ausreicht, um das drohende Problem der massiven Unterauslastung zu entschärfen. „Aber es wäre für uns ein wichtiger Baustein in einem Markt, dessen Entwicklung im Augenblick nicht vorhersehbar ist. In den aktuellen Modellplanungen der Autohersteller gibt es keine Fahrzeuge, die an externe Anbieter vergeben werden sollen.“ Gleichwohl spreche man mit verschiedenen internationalen Autobauern über gemeinsame Projekte, ergänzt Harbig, ohne Namen nennen zu wollen.

Weitere Kapazitätseinschnitte erforderlich

Riesige Hoffnungen scheint sich der Karmann-Chef kurzfristig nicht zu machen. Denn er glaubt, dass der Trend der Autohersteller zur verstärkten Nutzung der eigenen Kapazitäten (Insourcing) noch bis 2011 oder 2012 anhält. Genau so lange liefen die meisten Beschäftigungsgarantien. Die weithin umgesetzte Plattformstrategie erlaube es den großen Herstellern, auch kleinere Modellreihen, die auf dem Gerüst von Volumenfahrzeugen beruhen, kostengünstig auf den eigenen Anlagen zu bauen. Chancen sieht Harbig daher vor allem bei Nischenfahrzeugen, von denen im Jahr nur 10.000 bis 15.000 verkauft werden können. Folglich sind offenbar weitere Kapazitätseinschnitte im Karmann-Fahrzeugbau erforderlich: „Wir müssen unser Fahrzeugwerk so umbauen, dass wir bei einer Jahresproduktion von 40.000 Autos profitabel arbeiten.“ 2006 hat Karmann 48.000 Einheiten gebaut, 2004 waren es noch 94.000.

Einen Ausgleich für diesen Abschwung beschert das Geschäft mit Dachsystemen, das seinen Umsatz bis 2011 auf 500 Millionen Euro verdoppeln soll. Trotzdem rechnet Harbig in diesem Jahr mit einem Rückgang des Gruppenumsatzes um fast 12 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Karmann werde aber nicht in die Verlustzone rutschen: „Wir rechnen mit einem ausgeglichenen Ergebnis.“

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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