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Vogelgrippe Kam das Virus aus Osteuropa?

19.02.2006 ·  Im Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit werden die an H5N1 verendeten Tiere aus Rügen untersucht. Der Präsident des Instituts, Thomas Mettenleiter, über Zugvögel, kranke Tiere auf Rügen und Schnelltests.

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Der Präsident Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, Thomas Mettenleiter, über Zugvögel, kranke Tiere auf Rügen und Schnelltests.

Herr Mettenleiter, Sie sind Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit und damit dem nationalen Referenzlabor für den Nachweis des Vogelgrippe-Virus. Wie viele Tiere sind bei Ihnen bislang untersucht worden?

Bis jetzt wurden mehrere hundert Tiere untersucht. Bei 41 Wildvögeln wurde das H5N1-Virus festgestellt. In den drei bisher genauer untersuchten Fällen, bei zwei Schwänen und einem Habicht, wurde das hochpathogene H5N1-Virus vom Typ Asia durch molekularbiologische Untersuchungen bestätigt. Am Freitag wurden neunzig tot aufgefundene Wildvögel aus dem Nordwesten der Insel Rügen in unser Institut gebracht. Wir erhalten in den nächsten Tagen kontinuierlich weitere Wildvögel, inzwischen auch aus anderen Teilen Rügens.

Sind die Vögel mit dem Virus auch am Virus verendet?

Das ist zumindest bei den meisten der untersuchten Tiere anzunehmen, da sie in einer allgemein guten körperlichen Verfassung waren und noch genügend Fettreserven hatten.

Wird der gesamte Kadaver an das Institut geschickt oder nur Proben?

Derzeit erhalten wir die ganzen Tiere. Zunächst wird die genaue Vogelart bestimmt. Dann werden Proben entnommen. Hierzu gehören Rachen- und Kloakentupfer, also Kot, sowie Organproben. Diese werden aufbereitet und anschließend mittels molekularbiologischer Verfahren untersucht. Die ersten Schnelltests ergeben nach wenigen Stunden, ob die Tiere mit Influenzaviren vom Typ H5N1 infiziert sind. Bei positivem Ergebnis folgen weitere Tests, ob es sich um die hochpathogene Variante und den Typ Asia handelt. Das dauert ein bis zwei Tage.

Warum dauern Schnelltests so lange?

Der Schnelltest ist extrem kurz und dauert nur ein bis zwei Stunden. Der Transport der Wildvögel und die Aufbereitung der Proben nimmt den größeren Teil der Zeit in Anspruch. Immerhin sind wir so effizient, daß wir an einem Tag schon die Diagnose H5N1-infiziert oder nicht stellen können. Dies gelingt nur mit Hilfe modernster Analyseverfahren.

Woher ist das Virus nach Rügen gekommen?

Informationen über das Vorkommen und die Zugaktivitäten von Singschwänen, die uns Ornithologen zur Verfügung gestellt haben, lassen eine Einschleppung auf dem Weg über Osteuropa möglich erscheinen. Singschwäne brüten in zwei überlappenden Populationen in weiten Teilen Rußlands bis nach Asien. Die östliche Population überwintert am Schwarzen Meer und auf dem Balkan bis nach Slowenien und Österreich. Die westliche Gruppe zieht Richtung Ost- und Nordsee. Insgesamt vier der H5N1-infizierten Tiere waren Singschwäne. Eines davon war im Sommer vergangenen Jahres in Lettland beringt worden und am 25. Januar erstmals an der Wittower Fähre beobachtet worden. Aus all dem kann man die Hypothese ableiten, daß Singschwäne das Virus in die lokale Wildvogelpopulation eingetragen haben.

Bis jetzt ist das aber nur eine Vermutung. Müßte Rügen unter Quarantäne gestellt werden?

Nein. Auf Rügen sind bereits alle notwendigen Maßnahmen in Kraft. Hierzu gehören die Aufstallungen, das Einrichten von Schutzzonen, die Untersuchung von Nutzgeflügel und die Analyse von Wildvögeln.

Die Fragen stellte Frank Pergande.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.02.2006, Nr. 7 / Seite 4
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