29.03.2005 · Diesmal hat ein schweres Seebeben keinen Tsunami im Indischen Ozean ausgelöst. Warum? Es kommt auf die Verschiebung des Meeresbodens an, sagt der Potsdamer Geologe Zschau.
Das Ausbleiben eines großen Tsunamis nach dem neuen Beben im Indischen Ozean hängt nach Einschätzung des Potsdamer Geoforschers Jochen Zschau vor allem mit der Art des Bebens zusammen. „Es kann keine erhebliche Aufwärtsbewegung des Meeresbodens stattgefunden haben“, sagte der Erdbebenexperte vom Geoforschungszentrum (GFZ) Potsdam am Dienstag nach dem abermaligen Seebeben vor der Insel Nias.
Die Stärke eines Bebens sei nur eine der Voraussetzungen für die Entstehung von Tsunamis. „Es muß auch eine Vertikalverschiebung nach oben oder nach unten geben, so daß die Wassersäule darüber entweder ruckartig komprimiert oder gedehnt wird“, erläuterte Zschau. Bei dem aktuellen Beben habe es vermutlich vor allem horizontale und nur sehr geringe vertikale Verschiebungen gegeben. „Ich denke, daß das schon im Meterbereich sein müßte, um einen kräftigen Tsunami zu erzeugen“, sagte Zschau.
Wie stark sind die Bewegungen am Meeresgrund
Für die Stärke eines Tsunamis sei zudem die Tiefe des Erdbebenherdes entscheidend. „Es kommt darauf an, wie stark die Bewegungen am Meeresboden sind, und das hängt natürlich davon ab, wie weit weg der Herd selbst ist“, sagte der Wissenschaftler. Liege der Herd relativ dicht unter dem Meeresgrund, sei die Gefahr eines Tsunamis groß. Dies sei auch bei dem aktuellen Beben der Fall gewesen. „Man hätte auch mit einem Tsunami rechnen können“, sagte Zschau. Das GFZ ist maßgeblich am Aufbau des geplanten Tsunami-Frühwarnsystems für den Indischen Ozean beteiligt.