15.09.2005 · Einerseits haben die deutschen Raumfahrtunternehmen und -institute begründete Furcht, im internationalen Wettbewerb zurückzufallen, andererseits habe sie große Pläne:
Die führenden deutschen Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Bereich der Raumfahrt zieht es auf den Mond. Sie haben am Donnerstag in Bremen den Bau einer europäischen Forschungsstation auf der Rückseite des Erdtrabanten gefordert, damit Europa im Weltall den Wettbewerb mit anderen Nationen nicht verliert.
Etwa 2015 solle ein großes Langwellen-Radioteleskop zur Erforschung von bislang völlig unbekannten Seiten des Universums errichtet werden. Dies könnte der erste Schritt hin zu einer bemannten europäischen Mission auf den Mond und zum Bau einer bewohnten Station sein, hieß es bei einem Symposium der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR).
Deutsche Raumfahrt verliert den Anschluß
Die Unternehmen EADS Space Transportation und OHB-System AG sowie der Astronaut Ernst Messerschmidt riefen die Bundesregierung zur Unterstützung auf und verlangten mehr Mittel für die Raumfahrt. Im Etat des Bundesforschungsministeriums sei der Anteil der Ausgaben für Raumfahrt von zwanzig auf elf Prozent zurück gegangen, sagte Messerschmidt. „Wir müssen diesen Prozeß stoppen.“ Staaten wie Japan erhöhten massiv ihre Raumfahrtetats, berichtete OHB-Geschäftsführer Manfred Fuchs. „Die laufen uns weg. Wir müssen unser nationales Budget erhöhen, sonst spielen wir keine Rolle.“
Der Präsident von EADS Space Transportation, Evert Dudok, betonte, der Bau des Teleskops brächte einen „Quantensprung für die Radioastronomie“. Nach einer ersten Schätzung koste das Projekt etwa eine Milliarde Euro. Es müßte von der Europäischen Weltraumagentur Esa finanziert werden. Beginnen könne es als deutsch-holländisches Projekt.
„Der Mond ist der erste Schritt“
Heino Falcke vom holländischen Institut Astron erläuterte, mit Hilfe eines solchen Teleskops ließe sich „ein neues Fenster in der Astronomie aufmachen“. Langwellen seien vom Universum schon produziert worden, als es noch keine Sterne gab. „Dieses frühe, uns dunkle Universum hat noch keiner gesehen. Das wollen wir entdecken.“
Alle Technologien für das Teleskop und seine Errichtung seien bereits vorhanden, betonten Dudok und Falcke. So könnten die Einzelteile mit einer Ariane 5 Rakete auf den Mond gebracht werden. Europa könnte damit einen eigenständigen Beitrag zur Erforschung des Weltalls leisten. „Ich finde, das wäre ein sehr sexy Beitrag“, sagte Dudok. „Am Ende geht es um bemannte Mondlandungen. Da muß man dabei sein“, betonte Fuchs. Falsch wäre es, das Interesse vorrangig auf den Mars zu richten. „Der Mond ist der erste Schritt.“