08.10.2007 · Die Medizin-Nobelpreise gehen in diesem Jahr an die Amerikaner Mario Capecchi und Oliver Smithies sowie den Briten Martin Evans. Sie erhalten die Auszeichnung für eine Technik zum Ausschalten von Genen.
Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die beiden Amerikaner Mario R. Capecchi und Oliver Smithies sowie an den Briten Martin J. Evans. Das gab das Nobelpreiskomitee am Montag in Stockholm bekannt. Die drei Forscher werden für „bahnbrechende Entdeckungen“ im Bereich embryonaler Stammzellen und der DNA-Rekombination bei Säugetieren ausgezeichnet.
Ihre wissenschaftlichen Erkenntnissen sind Grundlage des sogenannten Gen-Targetings bei Mäusen. „Dies sind wahrhaft fantastische Entdeckungen von riesiger Bedeutung für die Menschheit“, sagte Christer Bergholtz, Mitglied des Nobelkomitees.
Mutationen in jedem beliebigen Gen
Mit dieser Technik können Mäuse mit Mutationen in jedem beliebigen Gen gezüchtet werden. Das erlaubt Wissenschaftlern Rückschlüsse auf Krankheiten beim Menschen. Sowohl die Entwicklung von Herzkrankheiten als auch Diabetes oder Krebsleiden können mit der Gentechnik besser verstanden werden.
Das Nobelpreiskomitee erklärte, dass die Errungenschaften der Wissenschaftler dabei geholfen hätten, „zahlreiche Gene der embryonalen Entwicklung, der Physiologie von Erwachsenen, des Alterns und von Krankheiten“ besser zu verstehen.
Amerikanischer Italiener
Der 70 Jahre alte Capecchi stammt aus Italien und ließ sich in die Vereinigten Staaten einbürgern. Er habe mit seiner Arbeit „Licht in die Ursachen einiger angeborener menschlicher Krankheiten gebracht“, hieß es.
Der 66 Jahre alte Amerikaner Evans habe Modelle entwickelt, um das das Gen-Targeting bei Mäusen einzusetzen - mit Hilfe sogenannter „Knockout-Mäuse“.
Der 82 Jahre alte Brite Smithies wendete die Technik vor allem auf die Untersuchung erblicher Krankheiten an.
Zehn Millionen Kronen
Der Nobelpreis ist mit zehn Millionen Kronen (1,09 Millionen Euro) dotiert. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an die amerikanischen Wissenschaftler Andrew Fire und Craig Mello für ihre Entdeckung der so genannten RNA-Interferenz, die in einem Organismus für das Ausschalten einzelner Gene verantwortlich ist.
Die Ehrung für die medizinische Forschung ist eine von fünf, mit denen der 1896 gestorbene Preisstifter Alfred Nobel Einsätze zugunsten der Menschheit über seinen Tod hinaus fördern wollte. Bis zum 12. Oktober werden auch die Preisempfänger für Physik, Chemie, Literatur und Frieden bekannt gegeben. Am 15. Oktober wird der Träger des erst später gestifteten Wirtschaftsnobelpreises bestimmt; diese Auszeichnung wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank im Einvernehmen mit der Nobel-Stiftung geschaffen. Die Preisverleihung erfolgt alljährlich am 10. Dezember, Nobels Todestag.
Die Medizin-Nobelpreisträger seit 1997
Der Medizin-Nobelpreis wird seit 1901 verliehen. Die erste Auszeichnung ging damals an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung der Serumtherapie gegen Diphtherie. Die Preisträger der vergangenen zehn Jahre waren:
2006: Die amerikanischen Forscher Andrew Z. Fire und Craig C. Mello für eine Technik, mit der sich Gene gezielt stumm schalten lassen.
2005: Barry J. Marshall und J. Robin Warren (beide Australien) für die Entdeckung des Magenkeims Helicobacter pylori und dessen Rolle bei der Entstehung von Magengeschwüren.
2004: Richard Axel und Linda Buck (beide Vereinigte Staaten) für die detailgenaue Enträtselung des Geruchssinns.
2003: Paul C. Lauterbur (Vereinigte Staaten) und Sir Peter Mansfield (Großbritannien) für ihre wesentlichen Beiträge zur Anwendung der Kernspintomographie in der Medizin als neuartiges und schonendes Diagnoseverfahren.
2002: Sydney Brenner (Großbritannien), H. Robert Horvitz (Vereinigte Staaten) und John E. Sulston (Großbritannien) für die Erforschung des programmierten Zelltods (Apoptose) als Grundlage zum Verständnis von Krebs, Aids und anderen Krankheiten.
2001: Leland H. Hartwell (Vereinigte Staaten), Sir Paul M. Nurse (Großbritannien) und R. Timothy Hunt (Großbritannien) für Erkenntnisse über die Zellteilung, die neue Wege in der Krebstherapie ermöglichen.
2000: Arvid Carlsson (Schweden), Paul Greengard (Vereinigte Staaten) und Eric Kandel (Vereinigte Staaten) für ihre Entdeckungen zur Signalübertragung im Nervensystem.
1999: Günter Blobel (Vereinigte Staaten) für seine Arbeiten über den Transport von Proteinen in der Zelle.
1998: Robert F. Furchgott (Vereinigte Staaten), Louis J. Ignarro (Vereinigte Staaten) und Ferid Murad (Vereinigte Staaten) für ihre Arbeiten über die Rolle von Stickoxid als Signalstoff im Herz-Kreislauf-System.
1997: Stanley B. Prusiner (Vereinigte Staaten) für die Entdeckung der Prionen als neue Klasse von Krankheitserregern etwa für den Rinderwahnsinn BSE und die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.