01.11.2007 · Der typische Herbstcharakter schlägt durch, um den Zenit gruppieren sich die Sternbilder Kassiopeia, Perseus, Andromeda und das großen Pegasusviereck. Mit etwas Glück lässt sich der Andromedanebel sichten. Der Sternenhimmel im November.
Von Harald MarxDie Mittagshöhe der Sonne nimmt im November nochmals stark ab und erreicht am Monatsende nur noch achtzehneinhalb Grad über dem Südhorizont. Dies sind lediglich zwei Grad mehr als zur Zeit der Wintersonnenwende. Dadurch schrumpft der Tagbogen der Sonne und damit verbunden die Länge des lichten Tags erheblich.
Die kurzen Tage bieten die Möglichkeit, den Sternhimmel ausgiebig zu beobachten. Einschränkungen gibt es während der Vollmondphase, wenn das Mondlicht den Nachthimmel aufhellt. Dies ist vor allem in den Monaten November bis Februar der Fall, wenn der Vollmond in den Regionen der Ekliptik steht, welche die Sonne im Sommer einnimmt.
Kassiopeia, Perseus, Andromeda - es ist Herbst
Der Sternhimmel zeigt seinen typischen Herbstcharakter. Um den Zenit gruppieren sich nun mit Kassiopeia, Perseus, Andromeda und dem großen Pegasusviereck die auffallendsten Herbststernbilder. Diese enthalten zwar nicht so viele helle Sterne wie die Bilder des Sommers oder gar des Winters, weisen aber einige schon mit bloßem Auge sichtbare Himmelsobjekte auf.
Hervorzuheben ist der große Andromedanebel und der Doppelsternhaufen h und Chi im Perseus. Dazu gezählt werden können auch die Kugelsternhaufen M2 im Wassermann und M15 im Pegasus sowie die beiden offenen Sternhaufen Plejaden und Hyaden im Stier, auch wenn Letztere zum Wintersternhimmel gezählt werden müssen.
Andromedanebel mit bloßem Auge zu sichten
Der Andromedanebel, im Katalog des französischen Astronomen Charles Messier unter der Nummer 31 verzeichnet, ist eine Spiralgalaxie, die, was Größe und Form anbelangt, große Ähnlichkeit mit unserer Milchstraße aufweist. Obwohl fast drei Millionen Lichtjahre von uns entfernt, kann es in mondlosen Nächten gelingen, den Andromedanebel als kleines blasses Lichtfleckchen schon mit bloßem Auge zu sichten.
Auch der Doppelsternhaufen h und Chi im Perseus kann als kleiner Doppelnebel mit freiem Auge erspäht werden. Im Fernglas können beide Sternhaufen in Einzelsterne aufgelöst werden. Die Sternhaufen sind etwa gleich weit, nämlich 7000 Lichtjahre, von uns entfernt und bilden die Kerne der viel größeren Perseus-I-Assoziation.
Sternassoziationen zerstreuen sich
Während die Sterne in Sternhaufen gravitativ aneinander gebunden sind, neigen die einzelnen Mitgliedssterne einer Sternassoziation dazu, sich im Laufe der Zeit, das heißt in einem Zeitraum von einigen Millionen Jahren, zu zerstreuen. Ein schönes Beispiel für eine Sternassoziation ist der sogenannte Alpha-Persei-Haufe. Betrachtet man den Hauptstern des Perseus, Algenib, mit einem Fernglas, so fällt südöstlich von ihm eine lockere Ansammlung von etwa 50 Himmelsobjekten auf.
Es ist dies die Perseus-III-Assoziation, deren hellstes Mitglied der Stern Algenib ist. Algenib, auch unter dem Namen Mirfak bekannt, ist ein gelblicher Überriesenstern, der unsere Sonne um das Zehntausendfache an Leuchtkraft übertrifft und gut 600 Lichtjahre von uns entfernt ist.
Komplizierte Tierkreisbilder nicht leicht zu erfassen
Unauffällige Sternkonstellationen, die dem Herbsthimmel zuzurechnen sind, befinden sich jetzt in der horizontnahen Region von Südwest bis Südost. Während am Südwesthorizont die Sterne des Steinbocks und des Südlichen Fischs mit Ausnahme von Fomalhaut kaum noch erkannt werden können, stehen die Tierkreisbilder Wassermann, Fische und Widder sowie der Walfisch noch nahezu in Höchststellung.
Allerdings sind ihre teilweise recht komplizierten Konturen nicht leicht zu erfassen, zumal sie fast ausschließlich aus schwächeren Sternen bestehen. Ganz tief am Südhorizont ist das erst 1752 von dem Abbé Nicolas-Louis de Lacaille eingeführte Sternbild Bildhauerwerkstatt wohl nur bei besten Sichtbedingungen aufzuspüren.
Der Große Wagen durchläuft seine tiefste Stellung
Der Blick an den westlichen Untergangshimmel zeigt, dass das große Sommerdreieck, bestehend aus Wega, Deneb und Atair, zwar schon recht tief zum Westhorizont hin abgesunken ist, aber immer noch vollständig sichtbar ist. Im Osten sind dagegen schon die ersten Wintersternbilder aufgetaucht. Stier, Fuhrmann und die Zwillingssterne haben sich über die Horizontlinie geschoben, von Orion fehlt jedoch noch sein südöstlichster Fußstern Saiph.
Der Große Wagen durchläuft eben seine tiefste Stellung im Norden, ist aber immer noch dank seiner hellen Sterne und markanten Konturen eine ins Auge fallende Konstellation. Dagegen ist der Herkules, der im Nordwesten seinem Untergang entgegenstrebt, nur noch schwer auszumachen.
Der Mars wird immer heller
Während Jupiter nach der ersten Novemberhälfte im Südwesten in den Strahlen der Sonne verschwindet, ist der rote Planet Mars fast die gesamte Nacht über sichtbar. Die Helligkeit des nahezu bewegungslos in den Zwillingen stehenden Mars nimmt im November stark zu. Der äußere Nachbarplanet der Erde leuchtet heller als alle Fixsterne mit Ausnahme von Sirius.
Die teleskopischen Wandelsterne Uranus und Neptun können nur noch in der ersten Nachthälfte aufgesucht werden. Uranus hält sich im Tierkreisbild Wassermann und Neptun im Steinbock auf. Merkur und Venus sind Objekte des Morgenhimmels. Nach den ersten drei Novembertagen kann der Merkur zwei Wochen lang gut vom Beginn der Morgendämmerung an in der Nähe des Südosthorizonts aufgespürt werden.
Der Meteorstrom der Leoniden ist aktiv
Die Venus ist weiterhin hell strahlender Morgenstern. Etwa vier Stunden lang, bis zum Aufgang der Sonne, kann die sich langsam ostwärts im Tierkreisbild Jungfrau bewegende Venus beobachtet werden. Die Aufgänge von Saturn erfolgen gegen Monatsende vor Mitternacht. Dem gemächlich im Löwen ostwärts ziehenden Ringplaneten stattet der Mond in den Morgenstunden des 4. November einen Besuch ab.
Im November ist der Meteorstrom der Leoniden aktiv. Die Leonidenmeteore sind Zerfallsprodukte des periodischen Kometen 55P/Tempel-Tuttle, der in 33 Jahren die Sonne auf einer elliptischen Bahn umkreist. Das in der Hauptsache aus Staubteilchen bestehende Auswurfmaterial des Schweifsterns hat sich über seine gesamte Bahn ausgebreitet. Die Erde durchquert die Hinterlassenschaft von Tempel-Tuttle zwischen dem 15. und dem 20. November, wobei dann mit erhöhtem Sternschnuppenfall gerechnet werden kann. Die Meteore scheinen aus dem Sternbild Löwe (lateinisch Leo) zu kommen, was zum Namen Leoniden geführt hat.
Komet sichtbar!
Florian Schaaf (florianschaaf)
- 01.11.2007, 12:26 Uhr