06.07.2005 · Nach dem großen Erfolg für die Erforschung des Kometen Temple1 ist das Schicksal von Deep Impact ungewiß. Eine Anschlußmission könnte scheitern, wenn die Nasa sie nicht finanziert.
Von Günter PaulAls am Montag morgen der 370 Kilometer schwere "Rammbock" der amerikanischen Raumsonde Deep Impact mit hoher Geschwindigkeit auf dem Kern des Kometen Tempel1 einschlug, wurde eine Wolke aus Gas und Staub freigesetzt, deren gewaltige Helligkeit die Wissenschaftler überrascht hat.
Zunächst glaubten einige Forscher, bei dem Ereignis seien so hohe Temperaturen entstanden, daß der Staub angefangen hätte zu glühen. Tatsächlich dürfte die Temperatur nicht über allenfalls 2000 Grad gestiegen sein. Bei dem Licht handelte es sich um von dem Staub reflektierte Sonnenstrahlung.
Krater ist noch nicht gefunden
Wieviel Gas und Staub aus dem Krater geschleudert wurde, konnte bislang noch nicht ermittelt werden. Auskünfte darüber könnte die Größe des Kraters liefern. Dieser wurde aber noch nicht entdeckt. Das Licht war so grell, daß Einzelheiten in der Wolke kaum auszumachen sind, und die Verhältnisse änderten sich auch nicht in der Zeit, in der sich die Sonde noch so nah an dem Kometenkern befand, daß der Krater hätte beobachtet werden können.
Die amerikanischen Forscher glauben, auf einigen wenigen Fotos in der leuchtenden Wolke zumindest einen Hinweis auf den Krater gefunden zu haben. Es ist aber fraglich, ob sie daraus - selbst mit bester Bildverarbeitungstechnik - verwertbare Daten enthalten.
Komet enthält auch Wasser
Anhand der Größe der Wolke und der beobachteten Variationen wird sich die Menge des freigesetzten Gases und Staubes in einigen Tagen wenigstens abschätzen lassen. Anfangs hat sich die Wolke, die mit Fernrohren weiterhin zu sehen ist, den Messungen zufolge mit einer Geschwindigkeit von 300 bis 700 Metern pro Sekunde ausgedehnt.
Die Helligkeit stieg ungefähr eine halbe Stunde lang mehr oder weniger konstant an. Jetzt warten die Forscher ab, daß sich der Anteil an Gaspartikeln und derjenige an kleineren und größeren Staubkörnern am unterschiedlich schnellen Wegdriften voneinander "trennen" lassen. Dann können die Forscher daraus die Gesamtmasse bestimmen.
Aus den Spektren, die unter anderem von der europäischen Raumsonde Rosetta geliefert wurden, haben die Forscher mittlerweile erste Informationen über das Kometenmaterial gewonnen. Teilweise bestätigen sie, was die Messungen vor der Erzeugung des Kraters bereits erkennen ließen, zum Beispiel die Anwesenheit von Wasser.
Anschlußmission könnte am Geld scheitern
Von Bedeutung sein dürften insbesondere die deutlichen Hinweise auf Silikate und somit auf Staub, die in den Spektren der ersten zwanzig Stunden zu erkennen sind. Sollte sich bestätigen, daß solche Hinweise in später gewonnenen Spektren nicht mehr auftauchen, wäre das das erste Signal aus dem Innern eines Kometenkerns.
Im Innern wäre dann mehr Staub als an der Oberfläche anzutreffen. Vielleicht wäre das auch der Grund dafür, daß die Wolke so hell geleuchtet hat. Derzeit versuchen die Forscher, die Informationen aus den Spektren zu einem widerspruchsfreien Bild vom Innern des Kometen zu vereinen.
Von großem Interesse ist nun auch, ob der Krater mit dem aufgewühlten Boden eine aktive Zone bleibt, in der immer mal wieder Gas und Staub freigesetzt wird. Von der Nasa erhoffen sich die Wissenschaftler eine Anschlußmission von Deep Impact. Die Sonde könnte jetzt auf eine Bahn zu dem Kometen Boethin gelenkt werden, bei dem sie in gut drei Jahren ankäme. Die Bahnkorrektur müßte allerdings recht bald erfolgen. Die Nasa scheint allerdings sparen zu wollen.