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Seebeben Tsunami-Helfer klagen über Chaos

18.03.2005 ·  Die Menge an Spenden und Hilfsgeldern nach der Flutwelle läßt sich etwa auf Sri Lanka kaum noch bewältigen. „Es wird zu ganz großen Enttäuschungen in der deutschen Bevölkerung kommen“, befürchten Koordinatoren.

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Der großen Hilfsaktion nach der Tsunami-Flutwelle drohen durch Mißmanagement und politische Fehler ernsthafte Beeinträchtigungen. Die große Menge an Spenden und Hilfsgeldern läßt sich etwa auf Sri Lanka kaum noch bewältigen. "Die Situation ist absolut chaotisch", sagt ein westlicher Botschafter in der Hauptstadt Colombo.

"Es ist schwierig, es gibt eine ganze Menge von Hürden", heißt es bei der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) in Sri Lanka. "Wir tun hier unser Bestes, aber es wird in ein paar Wochen zu ganz großen Enttäuschungen in der deutschen Bevölkerung kommen", sagt ein Koordinator, der ungenannt bleiben will, weil er an führender Stelle die Hilfe aus Deutschland vor Ort organisiert.

Die Schwierigkeiten wachsen täglich

Zuviel Geld, die falschen Hilfsgüter, politische Fehler, mangelnde Strategien, Überforderung der betroffenen Entwicklungsländer und der zunehmende Neid unter den Opfern lassen die Schwierigkeiten Tag für Tag wachsen. Allein im Hafen von Colombo stehen rund einhundert Container mit Hilfsgütern aus dem Westen und können nicht ins Land kommen, weil die Behörden inzwischen Einfuhrzoll verlangen.

"Die nun überbordende Hilfe ist gut gemeint, droht aber auf Dauer die über Jahre mühsam gestärkten Selbsthilfekräfte des Landes zu schwächen", befürchtet Roland F. Steurer, der die deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) von Colombo aus leitet. Knapp drei Monate nach der Katastrophe sind die Organisatoren der Hilfe in Sri Lanka desillusioniert. "Vor der tödlichen Welle waren 28 Hilfsorganisationen auf Sri Lanka registriert. Nun ist deren Zahl auf mehr als 1000 angeschwollen", sagt ein europäischer Botschafter.

Verärgerung über das Vorpreschen Schröders

Inzwischen steigt unter den deutschen Beamten in den betroffenen Ländern die Verärgerung über das Vorpreschen von Bundeskanzler Schröder: Der hatte wenige Tage nach der Katastrophe eine Partnerschaftsinitiative ins Leben gerufen. In Colombo müssen zum Beispiel fünf Mitarbeiter an der deutschen Botschaft nun pro Woche mehr als 150 Anträge auf Hilfszahlungen sichten und bewerten - eine Aufgabe, die auf keinen Fall mit der gebotenen Sorgfalt zu bewältigen sei, heißt es dort. "Da wird auf politischer Ebene etwas losgetreten, was sich in der Praxis nicht umsetzen läßt. Wir werden die Menschen doppelt enttäuschen: die wirklich Hilfsbedürftigen vor Ort und die wohlmeinenden Spender in der Heimat."

Überfordert sind auch die Institutionen der Entwicklungsländer. "Einerseits gibt es kein koordiniertes Vorgehen, andererseits wollen die Geber im Westen möglichst sofort Erfolgsmeldungen für ihren finanziellen Einsatz bekommen - was auch in Deutschland nach einer solchen Katastrophe nicht zu leisten wäre", sagt der Manager einer Hilfsorganisation.

Quelle: F.A.Z., 18.03.2005, Nr. 65 / Seite 1
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