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Tsunami Empörte Helfer bangen um Verbleib in Aceh

16.03.2005 ·  Während die Bundeswehr ihre Arbeit in der indonesischen Katastrophenprovinz Aceh regulär beendet, müssen auch Hilfsorganisationen ihre Arbeit möglicherweise aufgeben. Jakarta führe Millionen deutscher Spender an der Nase herum, sagt Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck.

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Nach zehn Wochen im Einsatz beendet das Bundeswehrkontingent in der indonesischen Katastrophenprovinz Aceh seine Arbeit. Der Verbindungsoffizier an der Vertretung des Auswärtigen Amtes in Banda Aceh, Hasenpusch, bestätigte, daß das Zentralkrankenhaus in Banda Aceh an diesem Donnerstag in einer Zeremonie an die Indonesier übergeben wird. Am folgenden Tag würden dann die entsandten Soldaten und Bundeswehrärzte nach Hause fliegen. Am gleichen Tag soll auch das Versorgungsschiff „Berlin“ Anker lichten.

Hasenpusch begründete den Abzug mit den Worten, daß die Nothilfemaßnahmen abgeschlossen seien. Bis zum 26. März - dem Tag, für den Indonesien den Beginn der „Wiederaufbauphase“ ausgerufen hat - würden auch alle anderen Militäreinheiten aus der Region abziehen. Nur die Streitkräfte des Nachbarlandes Malaysia hätten eine Sondergenehmigung bis August.

Nervosität und Empörung

Das indonesische Militär, das den multilateralen Militäreinsatz koordiniert hat, kündigte bereits im Februar an, sich am 26. März aus den Nothilfemaßnahmen zurückzuziehen. Allerdings bleiben die regulären Truppen in der Unruheprovinz stationiert.

Nervosität und Empörung riefen Neuregelungen Jakartas für den Verbleib der Hilfsorganisationen hervor. Die indonesische Regierung sicherte zwar den in Land registrierten Organisationen wie den Vereinten Nationen oder der deutschen „Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit“ zu, ihre Arbeit ohne Zeitbegrenzung fortsetzen zu dürfen, änderte aber die Bestimmungen für kleinere Nichtregierungsorganisationen. Nach den neuen Richtlinien müssen letztere am 26. März das Land verlassen, sofern sie bis dahin kein offizielles Arbeitsvisum vorlegen können.

Rupert Neudeck: „Ein Skandal“

Nachdem Jakarta die vormals isolierte Provinz für Tsunami-Hilfsoperationen geöffnet hatte, waren viele Helfer mit einem einfachen Touristenvisum eingereist. Die Behörden hatten diese 30-Tage-Visa um jeweils um zwei Wochen verlängert. Diese Kulanzregelung läuft nun aus, was manche Helfer befürchten läßt, ihre Arbeit nicht nur unterbrechen, sondern möglicherweise beenden zu müssen. Der deutsche NGO-Veteran Rupert Neudeck, der mit seiner Organisation „Grünhelme“ Häuser in Pulau Kayu baut, sprach gegenüber der F.A.Z. von einem „Skandal“. Jakarta führe Millionen deutscher Spender an der Nase herum.

In der indonesischen Hauptstadt wird hingegen darauf aufmerksam gemacht, daß die zum Teil wildwüchsige Arbeit von rund 200 Hilfsorganisationen dem koordinierten Wiederaufbauprozeß nicht immer diene. „Wir müssen alle NGOs kennen, ihren Beitrag und ihr Budget und wie lange sie vorhaben, zu bleiben, um ihre humanitären Projekte in Aceh zu verwirklichen“, sagte der zuständige Sozialminister Shihab am Montag. Die offiziell beantragten Projekte würden dann in Zusammenarbeit mit den UN und den Geberstaaten koordiniert und, wo sinnvoll, mit bereits bestehenden Vorhaben zusammengelegt.

Milliarden für den Wiederaufbau

Insgesamt beziffert die indonesische Regierung die Kosten für den Wiederaufbau mit 3,5 Milliarden Euro. Ein Großteil der Summe soll in die Wiederherstellung der Infrastruktur sowie in neue Häuser für die 400.000 Obachlosen fließen. Deutschland hat bislang rund 60 Millionen Euro für Nothilfemaßnahmen ausgegeben - hauptsächlich im Rahmen von UN-Maßnahmen.

Insgesamt hatte die Bundesregierung 500 Millionen Euro für die asiatische Katastrophenregion zugesagt, die nach Einschätzung von Diplomaten überwiegen Richtung Indonesien fließen dürften, das vom Tsunami mit Abstand am härtesten getroffen wurde. Der bisherige Abfluß deutscher Privatspenden, die bei 400 Millionen Euro liegen sollen, wird von Fachleuten als gering eingeschätzt.

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