04.01.2005 · Die französische Hilfsorganisation steht einer überwältigen Welle der Hilfsbereitschaft gegenüber. Da das Spendenaufkommen höher als der Bedarf ist, stellt sie ihre Sammelaktion ein.
Die internationale Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ (Médecins sans frontières, MSF) mit Sitz in Paris hat die Spendensammlung für die Opfer der Flutwelle in Asien vorerst eingestellt. „Es ist das erste Mal, daß wir eine solche Entscheidung treffen. Aber es ist eine Frage der Ehrlichkeit unseren Spendern gegenüber“, sagte Pierre Salignon, der Generaldirektor der Hilfsorganisation, am Dienstag in Paris.
Das Spendenaufkommen sei mit insgesamt mehr als 40 Millionen Euro aus den 18 Ländersektionen von „Ärzte ohne Grenzen“ so hoch, daß es den Bedarf für die Hilfsarbeit von MSF in der Krisenregion überschreite. Salignon bezeichnete die Spendenbereitschaft als „überwältigend“.
Die Franzosen etwa hätten innerhalb von einer Woche vier Millionen Euro gespendet, während nach dem Erdbeben von Bam (Iran) im Vergleich innerhalb von zwei Wochen 600 000 Euro Spenden gesammelt worden waren. In Deutschland beläuft sich das Spendenaufkommen für MSF auf mehr als 20 Millionen Euro. „Das ist mehr als das Spendenaufkommen von 17,5 Millionen Euro für das gesamte Jahr 2003“, sagte die Geschäftsführerin der deutschen MSF-Sektion, Ulrike von Pilar.
„Vergessene Krisenregionen“
80 internationale und hundert lokale Mitarbeiter der Hilfsorganisation sind zur Zeit im Flutwellengebiet im Einsatz. Salignon sagte, MSF werde sich künftig auf die Region um Banda Aceh im Norden Indonesiens und auf die Ost- und Südküste Sri Lankas konzentrieren.
„Ärzte ohne Grenzen“ wolle nicht weiter an die Großzügigkeit der Spender appellieren, da man nicht garantieren könne, daß das Geld zweckgebunden für die Flutopfer eingesetzt werde. Der Generaldirektor verwies darauf, daß seine Organisation Spenden für andere „vergessene Krisenregionen“ wie im Sudan oder im Kongo weiter benötige. Er wolle auf keinen Fall das „Solidaritätsgefühl“ mit den Flutopfern verletzen.
Nichtregierungsorganisationen schnell und effizient
Der frühere stellvertretende Direktor von „Ärzte ohne Grenzen“ und Präsident der Hilfsorganisation „Action contre la faim“ (“Aktion gegen den Hunger“), Jean-Christophe Rufin, warnte davor, nach der Flutwellenkatastrophe die humanitäre Arbeit den Vereinten Nationen überlassen zu wollen.
Die Nichtregierungsorganisationen wie „Médecins sans frontières“ seien immer noch die schnellsten und effizientesten Helfer bei Krisen dieses Ausmaßes. Die vom französischen Präsidenten Chirac geforderte Gründung einer „humanitären schnellen Eingreiftruppe“ der Vereinten Nationen würde vor allem zu noch mehr Bürokratie führen.