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Seebeben in Südostasien Nachbeben erschüttern indonesische Inseln

31.03.2005 ·  Mindestens drei Nachbeben mit einer Stärke von bis zu 6,1 auf der Richterskala haben die Menschen auf der indonesischen Insel Nias am Donnerstag erneut in Angst und Schrecken versetzt. Die Suche nach Überlebenden geht weiter.

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Heftige Nachbeben haben die Menschen auf der indonesischen Insel Nias am Donnerstag erneut in Angst und Schrecken versetzt. Mindestens drei Beben bis zur Stärke von 6,1 auf der Richterskala ließen die Erde seit kurz vor Mitternacht (Ortszeit) erzittern, wie das Meteorologische Zentrum in Jakarta mitteilte.

Die Lage auf den betroffenen Inseln ist nach Einschätzung eines australischen Rettungsteams schlimmer als erwartet. Auf der Insel Nias seien viele Gebäude eingestürzt, sagte der australische Außenminister Alexander Downer. Auch das wichtigste Krankenhaus in der Inselhauptstadt Gunungsistoli sei so schwer beschädigt, daß es die Hunderten von Verletzten nicht behandeln könne.

Weiter 2000 Tote befürchtet

Zwei Tage nach dem schweren Seebeben vor Sumatra ist die Zahl der Toten weiter gestiegen. Die Vereinten Nationen bestätigten bisher offiziell 518 Todesfälle. Hilfskräfte suchten am Mittwoch verzweifelt in den Trümmern nach Überlebenden. Schlechtes Wetter, fehlendes Gerät und mangelnde Koordination behindern die Rettungsarbeiten. Wie viele tatsächlich umgekommen sind, ist nach wie vor ungewiß. Indonesiens Vizepräsident Jusuf Kalla hatte am Dienstag von bis zu 2000 Toten gesprochen.

Auch auf den Banyak-Inseln in der Nähe des Epizentrums des Bebens wurden vermutlich zahlreiche Personen in den Tod gerissen, sagte ein indonesischer Regierungssprecher am Mittwoch. Bis zu 300 Bewohner könnten dort ums Leben gekommen sein. Die Banyak-Inseln, auf denen etwa 4000 Menschen leben, befinden sich nördlich von Nias. Zunächst galt Nias als am stärksten betroffen, wo bislang 330 Tote geborgen wurden. Dort konzentrierte sich auch der internationale Hilfseinsatz. Nach unbestätigten Berichten wurde auf der Insel bereits ein Vorratslager geplündert. In Moscheen werden die Leichen aufgebahrt. Verletzte wurden auf einem Fußballfeld behandelt, andere mit Hubschraubern ausgeflogen.

Trotz Regens: Tausende verbrachten Nacht draußen

Auf Nias säumen Tote, die in schwarze Plastiksäcke gewickelt sind, die Straßen. Auch 100 Bewohner der benachbarten Insel Simeulue sind ums Leben gekommen. Hilfsorganisationen gehen davon aus, daß die Zahl der Toten noch deutlich steigen wird. Nach Informationen des indonesischen Roten Kreuzes ist zu befürchten, daß allein auf Nias mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen sind. Viele Gebiete sind seit den minutenlangen Erdstößen der Stärke 8,7 am Montag abend von der Außenwelt abgeschnitten. Das indonesische Militär brachte Hilfsgüter und Rettungskräfte mit Hubschraubern und Kriegsschiffen in die betroffenen Gebiete. Ein Rot-Kreuz-Team mit Ärzten und Sanitätern flog nach Nias. Derweil brach am Mittwoch auch ein Notfallteam aus Japan in Richtung Nias auf. Auch die Vereinigten Staaten und Australien haben Hilfseinsätze angeboten.

In Gunungsitoli, der größten Stadt der Insel, suchten Helfer am Mittwoch nach einer weiteren Nacht mit Regen und Nachbeben in den Trümmern der Häuser nach Überlebenden. „Das größte Problem ist nun die Logistik", sagte der Gouverneur der Provinz Nord-Sumatra, Rizal Nurdin. Wie nach dem schweren Seebeben im Dezember fehle es an logistischen Hilfen wie etwa Treibstoff. Aus Furcht davor, daß Nachbeben die verbliebenen Gebäude zum Einsturz bringen könnten, verbrachten Tausende Menschen die Nacht trotz des Regens im Freien.

Bisher keine Hinweise über vermißte Deutsche

Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesaußenminister Joschka Fischer bekundeten ihr Beileid. Fischer bot Indonesien „praktische Hilfe“ an. Dem Auswärtigen Amt war zunächst nichts über deutsche Opfer bekannt. Dagegen meldete das französische Außenministerium drei Urlauberinnen auf der Insel Nias, die als Surferparadies gilt, als vermißt. Reiseveranstalter erwarten nach dem Beben keinen weiteren Einbruch der Buchungszahlen. Die asiatischen Länder seien eher Winterziele für Urlauber, hieß es.

Das Epizentrum des Bebens mit einer Stärke von 8,7 auf der Richterskala lag nahe der Insel Nias westlich von Sumatra. Es war eines der acht stärksten weltweit seit 1900. Das schwere Beben vom 26. Dezember hatte eine Stärke von 9,0 und löste gewaltige Flutwellen aus, die über die Küsten der Region hereinbrachen. Mehr als 174.000 Menschen kamen ums Leben, 106.000 werden bis heute vermißt. Es wird davon ausgegangen, daß sie ebenfalls ums Leben gekommen sind.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP, AP, Reuters, dpa
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