03.02.2005 · Der Horror auf Sumatra nimmt keine Ende. In einem Dorf in der vom Tsunami verwüsteten Provinz Aceh wurden fast 900 Leichen entdeckt. Hinzu kommen weitere Leichenfunde in einer Nachbarprovinz.
Knapp sechs Wochen nach der verheerenden Flutwelle in Südostasien sind auf der am schlimmsten betroffenen Insel Sumatra mehr als 1000 weitere Leichen entdeckt worden. Unter den Trümmern des Dorfes Loknga in der Provinz Aceh seien 897 Tote gefunden worden und in einer Nachbarprovinz noch einmal 128, teilten die indonesischen Behörden am Donnerstag mit. Die vorläufige Gesamtzahl der Toten in dem Land stieg damit auf 111.171.
Allerdings werden weiterhin fast 128.000 Menschen vermißt, wie es in der Erklärung des Koordinationsbüros für Katastrophenschutz ferner hieß. Diese können erst in einem Jahr für tot erklärt werden. Die Opferbilanz für alle vom Tsunami betroffenen elf Länder am Indischen Ozean wird zurzeit offiziell mit 160.000 bis 180.000 angegeben, könnte jedoch auf über 300.000 steigen.
Armee geht gegen Rebellen vor
Unterdessen startete die indonesische Armee offenbar einen neuen Vorstoß gegen die Rebellen auf Sumatra. Nach Augenzeugenberichten drangen Soldaten in ein Lager am Rande von Banda Aceh ein und schlugen Tsunami-Flüchtlinge sowie örtliche Helfer zusammen. Dann seien die Bewohner gezwungen worden, einen gefangengenommenen mutmaßlichen Rebellenführer zu identifizieren. Ein Armeesprecher erklärte, man wisse nichts von diesem Vorfall.
Die amerikanische Marine zog ein weiteres Kriegsschiff aus dem Gewässern vor Sumatra ab. Der Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ mit 5300 Mann an Bord lief am Donnerstag in Richtung Singapur aus. Die Vereinigten Staaten hatten nach der Flutkatastrophe vom 26. Dezember 15.000 Soldaten in die Region geschickt, um bei den Rettungs- und Wiederaufbauarbeiten zu helfen. Diese bislang größte Stationierung von Truppen im Ausland zu humanitären Zwecken hatte in der Region zum Teil Besorgnis ausgelöst. Zurzeit verbleiben dort noch etwa 5000 amerikanische Soldaten.