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Absatzkick - Die Frauenfußball-Kolumne Ritterschlag durch die Satiriker

 ·  Der Frauenfußball holt auch im Bereich des Nonsens auf: Zur WM gibt es immer neue Merchandising-Produkte. Nach den Barbie-Puppen sollten aber weder Spielerinnen-Quartette, noch Titanic-Sammelbilder manch zartes Frauenfußball-Gemüt allzu sehr schockieren.

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„16,2 Fairness-Punkte sticht!“ Werden wir solche Worte in den kommenden Wochen auf den Schulhöfen hören? Ein Verlag hat jedenfalls ein Quartett herausgebracht mit den Spielerinnen der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft. Kinder können also im Wettbieten von Torerfolgen oder Spieleinsätzen ihrem Kartenspieleifer nachgehen. Man darf gespannt sein, ob die zwei Roten Karten von Lira Bajramaj besser oder schlechter sind als eine „Null“ in der Sünderkartei der meisten anderen Frauen. Da dürften Schüler ihre ganz eigenen Vorstellungen von Bestleistungen haben ...

Die Frauenfußball-Weltmeisterschaft hat nun also im Bereich des Nonsens gleichgezogen, den bislang nur eine Männer-Weltmeisterschaft erschlossen hat. Kinder bekommen nun also Karten in die Hand mit Spielernamen, die ihnen ähnlich wenig vertraut sein dürften wie früheren Generationen die PS-Schleudern aus deutscher, französischer oder italienischer Produktion. Ist ja aber auch egal, ob auf der Karte Audi Quattro mit 235 km/h Spitzengeschwindigkeit und „3,4 Sekunden von 0 auf 100“ steht oder eben 258 Bundesliga-Torerfolge von Inka Grings oder sieben Meistertitel von Birgit Prinz. Hauptsache, die besten Fußballspielerinnen deutscher Provenienz werden wenigstens ein wenig bekannter, wo sie doch den Sommer nach den Träumen des DFB „rocken“ sollen.

Bei diesem Bemühen helfen nun auch die Klebebildchen-Götter aus Italien. Erstmals wird es für eine Frauenfußball-WM ein Panini-Sammelalbum geben mit Spielerinnen aller 16 Nationen. Und da müssen wir ja fairerweise zugeben, dass die meisten Akteurinnen aus Äquatorial-Guinea oder Nordkorea uns mindestens genauso vertraut sind wie die männlichen Auswahlspieler von WM-Teilnehmern wie Honduras oder Slowenien. Also werden wir ganz gewiss auch diesen Kommerz-Wahnsinn mitmachen, wo wir ja so traurig waren, dass die Barbie-Puppen von Silvia Neid und Birgit Prinz nur Unikate für Promotion-Zwecke waren und gar nicht im Einzelhandel zu erwerben sind.

Der Ritterschlage durch die Satiriker

Wirklich Freude kommt aber erst auf, seit wir wissen, dass sich nun auch die Satiriker dem Frauenfußball widmen. Das ist wirklich mal ein Ritterschlag auf dem Weg zu Anerkennung und Emanzipation. Die Titanic will ihre eigenen Sammelbildchen herausbringen, die bei Männer-Fußball-Weltmeisterschaften mittlerweile schon Kultstatus besitzen wegen ihrer genialen Persiflage auf weinerliche Stars, Chancentode oder Fliegenfänger.

Wir nehmen mal an, dass sich die Satiriker aus Frankfurt im Frauenfußball weniger sport- und charakterbezogen betätigen werden. Vermutlich werden sie also eher auf alte Klischees bauen und das satirische Mittel des Chauvinismus nutzen. Wir erwarten uns also Sexismus, Forderungen nach Trikottausch und Verweise auf Probleme mit der Abseitsregel. Jene Fußballfrauen, die schon leichter Ironie im Umgang mit ihrem Sport seit geraumer Zeit höchst sensibel und gar hysterysch begegnen, sollten es als Kompliment verstehen und den Verzicht auf Empörung lieber schon im Vorfeld üben.

Absatzkick - Die Frauenfußball-Kolumne: Daniel Meuren beleuchtet in seiner Kolumne bis zur ersten Weltmeisterschaft auf deutschem Boden jeden Freitag den weiblichen Kick im Land. Der Autor hat gemeinsam mit Rainer Hennies das Standardwerk „Frauenfußball - Der lange Weg zur Anerkennung” verfasst.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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