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Schenken „Hello Mister! Thank you, Mister!“

25.12.2007 ·  Nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef leiden im Irak etwa zwei Millionen Kinder und Jugendliche wegen der anhaltenden Gewalt an Krankheiten und Unterernährung, viele mussten die Schule abbrechen. Die Begegnung mit den Kindern von Bagdad gehört für die amerikanischen Soldaten zu den Lichtblicken ihres Einsatzes.

Von Matthias Rüb, Bagdad
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Kaum sind die sandfarbenen Fahrzeuge der amerikanischen und irakischen Truppen irgendwo in Bagdad - mitten in einem Wohnviertel, in einer Geschäftsstraße oder auf einer Straßenkreuzung - zum Stehen und die schwer bewaffneten, dazu mit Helm und schusssicherer Weste ausgerüsteten Soldaten zum Vorschein gekommen, da kommen sie schon in Scharen herbeigelaufen: die Kinder von Bagdad. Die Jungen sind immer die schnellsten, die Mädchen sind oft zögerlicher. Ihre Kleidung und zumal das Schuhwerk verraten die bittere Armut. Wahrscheinlich kann inzwischen jedes Kind von Bagdad „Hello Mister!“ und viele können auch „Thank you, Mister!“ sagen.

Denn wenn die amerikanischen Soldaten kommen, gibt es etwas: Süßigkeiten, Plüschtiere, Buntstifte, Plastikspielzeug. Wenn Fußbälle zum Geschenksortiment gehören, gibt es unter den Jungen kein Halten mehr - und für die, die zu kurz kommen, gibt es später kein Halten beim bitteren Weinen. Natürlich reichen die Geschenke in den Kartons, die aus den Kofferräumen der Humvee-Jeeps hervorkommen, nie für alle herbeigelaufenen Kinder aus. Und nie halten sich die Jungen an die gutgemeinte, aber letztlich naive Aufforderung der Soldaten, sie möchten sich die Fußbälle doch bitte teilen, wenn auch diesmal wieder nicht für jeden einer dabei sei.

Die Schulen sind wieder geöffnet

Welches Bild wird sich den Kindern von Bagdad von den amerikanischen Soldaten mit ihrer umständlichen und eigentlich auch furchteinflößenden Ausrüstung einprägen, die aus ihren Hosentaschen fortwährend Lollipops und Bonbons und aus ihren bullig-bedrohlichen Fahrzeugen allerlei Spielsachen und Kuscheltiere hervorzaubern? Viele Jungen verspüren einen unwiderstehlichen Drang, die offenbar faszinierenden Sturmgewehre der Amerikaner einmal anzufassen. Mancher Soldat lässt es zu, andere schütteln lieber Hände oder klatschen mit ihren kleinen Bewunderern die Handflächen nach Art der Sportler zu einem „High Five“ zusammen.

In fast allen Stadtteilen Bagdads sind dank der verbesserten Sicherheitslage in der Hauptstadt die Schulen wieder geöffnet. Die meisten Eltern schicken ihre Kinder wieder ohne Begleitung auf den Schulweg. Beim Schulbesuch scheinen die Mädchen mehr Eifer zu zeigen, denn man sieht zur Schulzeit mehr Jungen in den Straßen herumtollen oder radfahren als Mädchen. Aber vielleicht sind die auch zu Hause und helfen ihren Müttern bei der Hausarbeit. Viele aber sieht man auch, wenn es Mittag und die Schule zu Ende ist, im weißen Kopftuch und im dunklen langen Kleid und in kleinen Gruppen, von der Schule nach Hause kommen.

Flucht und Vertreibung

Unicef hat ermittelt, dass in diesem Jahr 220.000 Schüler wegen Flucht und Vertreibung den Schulbesuch abgebrochen haben; im Vorjahr waren es gar 760.000. Nur gut ein Viertel der 17 Jahre alten Oberschüler trat im Sommer zu den Schlussexamen an, und von diesen haben nur 40 Prozent bestanden. „Die Kinder im Irak bezahlen einen viel zu hohen Preis“, schreibt der Unicef-Sondergesandte für den Irak, Robert Wright, in dem Bericht. Darin wird die Staatengemeinschaft unter anderem dazu aufgefordert, den Bedürfnissen von Familien und Kindern im Irak mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Süßigkeiten und Plüschtiere und Fußbälle bringen gewiss Licht in den oft trüben Alltag der Kinder von Bagdad. Und ihr Lachen, ihr „Hello Mister!“ und ihr „Thank you, Mister!“ bringen gewiss Licht in den noch immer gefährlichen Alltag der amerikanischen Soldaten. Besser wäre es, wenn die einen nicht schon mit so wenig zufrieden sein müssten - und wenn die anderen daheim bei ihren eigenen Kindern sein könnten.

(Siehe auch: Alle Folgen der „Beobachtungen aus Bagdad”)

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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