12.03.2009 · Eine unübersehbare Flut an Kinderbibeln überschwemmt den Markt. Warum nun dieses Buch? Weil Monika Osberghaus in „Paradies und Löwengrube“ die stärksten Geschichten auswählt. Und weil sie sehr lebendig und kindgerecht erzählt.
Von Cordula GerndtWasser wird zu Blut, Millionen Frösche bevölkern Haus und Hof, Sandkörner verwandeln sich in Stechmücken, ein Hagelsturm jagt übers Land, Heuschrecken fressen die Felder kahl, drei Tage lang ist es stockfinster, am Ende läuft gar ein Todesengel durch die Straßen - bevor der Pharao die Israeliter in ihre Heimat ziehen lässt, schickt Gott den Ägyptern zehn fürchterliche Plagen.
Dieses Buch kennt sie alle. Es macht um das Drama keinen Bogen, klammert die „schlimmen Stellen“ nicht aus, erzählt die aufregendsten Stoffe aus dem Alten Testament: von der Vertreibung aus dem Paradies, der großen Racheflut, Kains Mord an seinem Bruder, dem Verkauf Josefs in die Fremde, dem Auszug aus Ägypten, dem Kampf Davids gegen Goliath, von Daniel in der Löwengrube. Die bekannten Stoffe werden hier temperamentvoll und in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit geschildert.
Eine Sprache, die beim Zuhören innere Bilder wachruft
Monika Osberghaus hat für ihre Nacherzählung eine lebendige und unmittelbare Sprache gewählt, die sich gut vorlesen lässt und beim Zuhören eine Menge innerer Bilder wachruft. Eine Sprache, die der Kraft der alten Geschichten und dem Verständnis der Kinder gleichermaßen gerecht zu werden sucht. Das ist gelungen. Nur manchmal schießt sie über das Ziel hinaus: „Das ist doch Quatsch!“, sagt die Schlange, als Eva ihr vom verbotenen Baum im Paradiesgarten berichtet. Und Josef „kriegt richtig Ärger“, als er seinen Brüdern „brühwarm“ seine Träume erzählt. Ganz so salopp hätte es nicht werden müssen, um alltagssprachlich zu überzeugen.
Zwölf Geschichten in zwölf Kapiteln sind in dem Band zu finden, jede mit einer Vignette zu Beginn und einer ganzseitigen Illustration versehen. Katja Zwirnmanns Bilder sind intensiv in den Farben, leuchtend-dekorativ, konturenstark, wirken allerdings insgesamt eher statisch und bilden damit einen Kontrapunkt zur Dynamik der Handlung.
Eine unübersehbare Flut an Kinderbibeln überschwemmt den Markt. Warum nun dieses Buch? Weil es die stärksten Geschichten auswählt. Weil es sehr lebendig und kindgerecht erzählt. Weil es mit knapp einhundert Seiten überschaubar ist und gleichzeitig eine schöne Bandbreite der Stoffe anbietet. Und nicht zuletzt, weil es Menschen braucht, die auf die Schultern der Vorfahren klettern und die überlieferten Geschichten aus eigener Perspektive neu erzählen.