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Gunnel Linde: „Hilfe! Ich bin ein Werwolf“ Zähne fletschen, Ohren anlegen

12.03.2009 ·  Beim nächtlichen Äpfelklauen wird der liebe Junge Ulf von einem bösen alten Mann, der früher Zahnartist war und vielleicht jetzt Werwolf ist, gebissen. Jetzt steckt in ihm ein schlimmes Monster. Ob er wirklich ein Werwolf ist, weiß nur Gunnel Linde.

Von Eva-Maria Magel
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Manchmal ist alles absolut das Letzte. Mit dieser Meinung steht Ulf nicht allein da. Ansonsten aber ist er ein ziemlich seltenes Exemplar: ein Junge, der im Garten seines Elternhauses allein in einem Schuppen wohnt, wo er gerne und freiwillig Klavier übt und Diabelli sogar noch besser kann, wenn ihm dabei niemand zuhört. Außerdem ist Ulf immer lieb, sogar, wenn er Äpfel klaut.

Das ändert sich schlagartig in Gunnel Lindes Buch „Hilfe! Ich bin ein Werwolf“. Ulf wird von einem bösen alten Mann, der früher Zahnartist war und vielleicht jetzt Werwolf ist, beim nächtlichen Äpfelklauen gebissen. Deshalb glaubt er, selbst ein Werwolf zu sein. Wieso sonst sollte der stets zögerliche Ulf, den seine Klassenkameraden „Wackelpudding“ nennen, plötzlich zuhauen, wenn er gehänselt wird, dem sadistischen Turnlehrer den Marsch blasen und sogar das Kätzchen seiner Schwester Ylva entführen?

Das Tier in mir

Die Schwedin Linde, Jahrgang 1924, hat die Geschichte von Ulf schon 1972 geschrieben. Der Gerstenberg Verlag, der auch andere Linde-Klassiker, in frischem Ton übersetzt von Birgitta Kicherer, in neuer Ausstattung präsentiert, hat Ulf K. als Zeichner verpflichtet. Dessen schwarzweiße Zeichnungen in ihrer Mischung aus Retro-Stil und Comic geben Ulfs Werwolf-Abenteuern einen zeitgenössischen, beiläufigen Charme, der auch auf die Geschichte ausstrahlt. Der fehlt es zuweilen am Kontext - weiß ein deutsches Kind, warum es in Schweden, zumindest in dieser Geschichte, für Ulfs besten Freund Jakko nicht einfach ist, ein finnisches Kind zu sein? Dass Lindes Erzählung nicht aus dem Zeitalter der Handy-Kindheit stammt, schadet dagegen keineswegs. Denn so ist der Alltag etwas langsamer und weniger kompliziert - Ulfs Abenteuer sind schließlich kompliziert genug und haben so mehr Raum.

Linde, von der auch der Klassiker „Joppe“ stammt, gelingt mit Ulfs Werwolf-Phantasie, die so weit reicht, dass er die Zähne fletscht und die Ohren anlegt, ein einprägsames Bild dafür, wie ein für seine Bravheit geschätztes Kind seiner Wut, der Lust am Destruktiven und dem Toben gegen die Ungerechtigkeiten der Welt Luft machen kann. Ulf hat Angst vor dem Tier in ihm, er denkt viel und gründlich nach - und genießt seine Ausbrüche doch. Ist er wirklich ein Werwolf? Quatsch, denkt man ganz am Ende - und doch bleibt ein kleiner Rest Zweifel zurück, wenn Jakko zu knurren beginnt. Das muss man mögen. Ulf aber mag man ganz bestimmt.

Gunnel Linde: „Hilfe! Ich bin ein Werwolf“. Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2009. 157 S., geb., 12,90 €. Ab 10 J.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1970, Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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