28.02.2009 · Schnee, Schnee und nochmals Schnee: Das Zeichentalent von Nadia Budde ist hier im ureigenen Element und macht Linard Bardills Geschichten zu Abenteuern, die man nicht vergisst.
Von Julia VossDas ist mal ein Kinderbuch, in dem die Probleme direkt aus dem Leben gegriffen sind: Wer jetzt nämlich Freunde hat, die am Wochenende Ski fahren gehen, ein Vergnügen, an dem man selbst nicht teilnehmen kann, weil sich die Arbeit stapelt - wer also solche Freunde hat, den beschleicht vielleicht auch heimlich die Sorge. Heftige Schneefälle, Lawinengefahr, verschüttete Straßen und gesperrte Wege wurden aus Bayern und Österreich gemeldet, und ebendamit muss sich auch Ami Sabi herumschlagen. Ami Sabi, die bärtige Hauptfigur aus dem gleichnamigen Kinderbuch, weiß: „Wenn es nicht aufhört zu schneien, donnern bald schon Lawinen ins Tal und schütten alles zu.“ Was tun?
Seine Schutzbefohlenen sind die Tiere, deren Freund Ami Sabi ist, weshalb er sich auf den Weg macht zu Caprun, dem Wetterstein. Der soll richten, was zu richten ist. Weil hier aber natürlich nicht verraten werden soll, wie es der Held unserer Geschichte schafft, noch einmal das Unheil vom Tal abzuwenden, sei nur so viel gesagt: Die Schwierigkeiten vervielfachen sich zuerst mit lawinenhafter Geschwindigkeit. Liebe, Eifersucht und ein gefährlicher Dritter schalten sich ein, und Gott sei Dank gibt es den Steinbock Camutscha und den Bären. So viel.
Sofort ins Herz geschlossen
Da es für Pfoten und Krallen noch immer keine geeigneten Skibindungen gibt, wird im Buch nicht Ski gefahren, in der Wirklichkeit aber schon. Eine Unternehmensgruppe hatte den Autor Linard Bardill, gebürtiger Schweizer, Kinderbuch- und Drehbuchautor, darum gebeten, sich ein neues Skischulkonzept zu überlegen. Die Kinder sollten gleichermaßen an Natur und Sport herangeführt werden, eine Aufgabe, die Bardill seiner Buchfigur Ami Sabi anvertraute.
Und deshalb gibt es seit November 2008 an der Talstation in Laax nun tatsächlich ein Schneewunderland für Kinder, wo Linard Bardill Geschichten vorträgt, Ami Sabi die Tiere der Region vorstellt und seine Helfer Skifahren lehren.
Der Grund aber, warum man nicht anders können wird, als diese Schneewunderwelt sofort ins Herz zu schließen, sind die Bilder von Nadia Budde. Für ihr berühmtestes Buch „Eins, zwei, drei, Tier“ wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, und sie zählt längst zu Deutschlands beliebtesten Bilderbuchautoren. Der Stil der 1967 geborenen Budde, die an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und am Royal College of Arts in London studierte, ist unverkennbar; ihre Vorliebe für einfache, monochrome Hintergründe hätte auf keine geeignetere Szenerie treffen können als die großen weißen Flächen der schweizerischen Schneelandschaften.
Da freut sich auch der Fuchs
Von Bild zu Bild flockt sich der Schnee in weißen Tupfen, er türmt sich auf dem Kopf von Ami Sabi zu einer kleinen Krone oder zu einem Häubchen auf dem langen geflochtenen Haar der Moosfrau Tinflaida. Das andere große Weiß in Nadia Buddes Zeichenwelt sind die Augäpfel ihrer Figuren. Gleich den Schneeflocken kugelrund, markiert nur ein kleiner schwarzer Punkt in diesen lidlosen, aufgerissenen Augen, was die Figur gerade bewegt, wohin der Blick gelenkt wird. Statt Haaren trägt Ami Sabi ein Fuchsfell auf dem Kopf, aus dem gleich auch noch einmal zwei Augen herausstarren und seine sorgenden, prüfenden, fröhlichen oder erleichterten Blicke verdoppeln.
Wir können uns an diesem schneereichen Wochenende nur in dieses wunderschöne Buch hineinwünschen und uns der Unterstützung durch den Wetterstein Caprun versichern.