13.07.2009 · Forderung: Jeder Schüler einmal in einer Gedenkstätte
cpm. RASDORF. Jeder Schüler in Deutschland soll mindestens einmal während seiner Schulzeit jeweils eine Gedenkstätte besuchen, in der an das Unrecht erinnert wird, das vom nationalsozialistischen System und vom SED-Regime ausgegangen ist. Das haben die Fraktionsvorsitzenden im Hessischen und im Thüringer Landtag, Christean Wagner und Mike Mohring, während einer Wanderung entlang der einstigen innerdeutschen Grenze gefordert.
Die Politiker hatten mit weiteren politischen Weggefährten die Gedenkstätte Point Alpha beim hessischen Rasdorf besucht und waren dem Grenzverlauf zu Fuß etwa zehn Kilometer gefolgt. Unter dem Eindruck von Überwachungs- und Tötungsanlagen, von Stacheldraht und Selbstschussanlagen sagten die Politiker: "Das Unrecht und das Leid der deutschen Diktaturen darf nicht in Vergessenheit geraten." Die beiden Fraktionsvorsitzenden forderten, in den Lehrplänen entsprechenden Raum für die Befassung mit der deutschen Geschichte zu schaffen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass vor allem ostdeutsche Schüler sehr wenig über den SED-Staat und das dort begangene Unrecht wüssten. Vielfach wird von Großeltern und Eltern, insbesondere in bestimmten Milieus, ein verklärendes Bild von der DDR vermittelt, das die Jugendlichen unter sich fortentwickelten, indes die Schule das Thema vielfach vollkommen ausklammere und nicht als Korrektiv wirke. In Thüringen wurden die Mittel, die das Kultusministerium für Fahrten zu Grenzlandmuseen zur Verfügung stellt, regelmäßig nicht ausgeschöpft.
Für Mohring sind Grenzlandmuseen ideale Orte, um das SED-Unrecht greifbar zu machen: "Wir werden auch in Zukunft daran festhalten, das DDR-Unrecht zu dokumentieren und transparent zu machen. Das beginnt bei der Weiterführung des Gesetzes zur Überprüfung von Landtagsabgeordneten auf ihre frühere Stasi-Tätigkeit, das wir auch in der kommenden Legislaturperiode fortführen werden, und enthält eben auch die intensive Förderung von Grenzlandmuseen." Mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl in Thüringen sagte Wagner, die Neokommunisten der Linkspartei wollten einen Teil der Geschichte unter den Teppich kehren. Deshalb sei alles zu tun, damit die Stasi-Mitarbeiter von gestern nicht die Staatssekretäre von morgen werden.