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Geschichtsfälschung Originalton DDR

02.11.2009 ·  Im Dorf Mecklenburg fälscht eine Ausstellung bis heute die Geschichte. Andererseits bietet die Schau des Agrarmuseums vielleicht die letzte Gelegenheit, die DDR im Original zu erleben.

Von Frank Pergande, Dorf Mecklenburg
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Von hier hat das Land seinen Namen. Mecklenburg - das heißt so viel wie große Burg. Eine große Burg unterhielten hier die Slawen, die seit der Völkerwanderung in Ostelbien siedelten. Wiligrad nannten sie in ihrer Sprache die große Burg, 1322 zerstört. Fünfhundert Jahre später wurde der Burgwall mit Eichen bepflanzt. Er ist heute der Friedhof des Dorfes. Etwas abseits ist ein Findling zu entdecken mit der Inschrift „Burg Mecklenburg“.

Nicht suchen hingegen muss, wer das Denkmal für die Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone sehen will. Es erhebt sich direkt an der Bundesstraße zwischen Wismar und Schwerin und besteht aus zwei Bronzeplastiken. Eine zeigt Bauer und Bäuerin, schreitend, sturmerprobt, kräftig, den Blick in die Zukunft gerichtet. Dahinter gibt es ein gewaltiges Relief „Vom Ich zum Wir“ - das war die Losung, unter der die Bauern in die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) eintraten oder eingetreten wurden.

Skandal im Agrarmuseum

Zum 30. Jahrestag der Bodenreform 1975 sollte das Denkmal eingeweiht werden. Aber wegen „materiell-technischer Probleme“, wie man sich in der DDR ausdrückte, verging noch ein Jahr. Dann aber war der Platz zwischen den Plastiken Aufmärschen aller Art vorbehalten. Hier wurde man Pionier, begann das Jugendweihejahr. Die Fläche ist verschwunden, sie wurde zu einem Parkplatz umgebaut. Die Plastiken stehen noch da. Der Parkplatz gehört zum Agrarmuseum Dorf Mecklenburg, das einen besonderen Beitrag leistet, wenn derzeit an den Fall der Mauer vor 20 Jahren erinnert wird: Es zeigt die DDR-Ausstellung. Nur ein winziges Schild am Eingang weist darauf hin, dass sie 2009/2010 neu konzipiert werden soll.

Ein Ex-Häftling der ehemaligen Stasi-Untersuchungsanstalt Berlin-Hohenschönhausen ist für sieben Tage in einer der Gefängniszellen zurückgekehrt. Sein Aufenthalt wird per Webcam ins Internet übertragen. Mit der Aktion will er auf die Opfer der SED-Diktatur aufmerksam machen.

Seit 1978 gibt es das Museum, gegründet als „Traditionsstätte der sozialistischen Landwirtschaft“, und so lange besteht auch schon die Ausstellung. In der Reihe „verdienstvoller Persönlichkeiten“ gleich am Anfang des Rundgangs ist der Mann erwähnt, der das Museum durchgesetzt hat: Emil Tack. Sein Verdienst war es - jedenfalls der Ausstellung nach -, Mitglied der SED-Kreisleitung Wismar zu sein und Direktor des Volkseigenen Gutes Groß Stieten. Neben seinem Porträt ist das von Joachim Wieland zu sehen: LPG-Vorsitzender, mehrfach Delegierter von SED-Parteitagen und Sekretär der Bezirksleitung der SED Rostock.

Gutswirtschaft wird so erklärt: „Die Feudalherren raubten vor Jahrhunderten den Bauern durch Gewalt, Mord und Rechtsbruch das Land, bildeten daraus Rittergüter und unterdrückten die Bauern.“ Erst die Bodenreform beendete in dieser Logik die Unterdrückung. „Junkerland in Bauernhand“ - so hieß die Losung der, Zitat aus dem Museum, „antifaschistisch-demokratischen Umwälzung“. Das Lob der Bodenreform klingt so: Sie „wurde mit einer in der deutschen Geschichte bis dahin beispiellosen siegreichen revolutionären Massenaktion, in der Landarbeiter und Bauern durch klassenbewusste Industriearbeiter und die neuen Staatsorgane wirkungsvoll unterstützt wurden, in die Tat umgesetzt. Sie war ihrem Charakter nach eine antiimperialistisch-demokratische Agrarrevolution.“ Ein paar Schritte weiter kommt der „Übergang zur genossenschaftlichen Produktion“ bis 1961, aus Sicht der Ausstellung eine große Erfolgsgeschichte.

Dorf Mecklenburg ist beteiligt an einem Förderprogramm der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, bei dem es um die Neugestaltung von kleinen Museen geht. Der Antrag für Dorf Mecklenburg wird in Berlin besonders gelobt. Dennoch: Dass bis heute im Agrarmuseum die Geschichte gefälscht wird, ist ein Skandal. Andererseits: Hier ist die letzte Gelegenheit, die DDR im Original zu erleben. Vermutlich nur noch bis zur Eröffnung der Saison 2010.

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