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20 Jahre Mauerfall „Mauerspecht“ Sarkozy - nur eine PR-Legende?

09.11.2009 ·  Als Mauerspecht in Berlin will Nicolas Sarkozy den 9. November 1989 begangen haben. Auf Facebook präsentiert der französische Staatspräsident auch ein Foto, das ihn damals an der Berliner Mauer zeigt - doch Zeitzeugen hegen Zweifel an der Authentizität.

Von Michaela Wiegel, Paris
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Als Mauerspecht in Berlin, mit Spitzhacke und Freiheitsdrang: so will Nicolas Sarkozy als 34 Jahre alter Abgeordneter den 9. November 1989 begangen haben. Auf Facebook präsentiert der französische Staatspräsident auch ein Foto, das ihn zu nächtlicher Stunde an einem mit Graffiti beschmierten Stück der Berliner Mauer zeigt.

In seinem persönlich gehaltenen Beitrag beschreibt Nicolas Sarkozy, der am Montag abend an der Seite der Bundeskanzlerin den 20. Jahrestag des Mauerfalls begeht, seine Wendeerlebnisse. Die Kommunikation über Facebook hat sich Sarkozy einrichten lassen, um jüngere Franzosen anzusprechen.

Wusste Sarkozy schon mehr als Schabowski?

„Schon am Morgen des 9. November interessieren wir uns für die Informationen aus Berlin, die eine Wende in der geteilten Hauptstadt Deutschlands ankündigen. Wir entscheiden, zusammen mit Alain Juppé, Paris zu verlassen, um an dem Ereignis teilzuhaben, das sich abzeichnet“, schreibt Sarkozy.

Das klingt, als habe Sarkozy schon Stunden vor der Pressekonferenz Schabowskis vorhergesehen, was passieren würde. Sarkozy vertraut den Facebook-Nutzern weiter an, dass er sofort nach seiner Ankunft in Berlin-West zum Brandenburger Tor gelaufen sei. Mit einer Spitzhacke habe er kleine Steinbrocken aus der Mauer geschlagen. „Um uns herum scharrten sich Familien, die auf den Beton einschlugen. Einige erzählten uns von ihren Gefühlen, ihren neuen Plänen und den Emotionen nach Jahrzehnten der Teilung“, schreibt der Präsident.

Im Erinnerungsreigen, der in Paris an diesem Montag auf dem Place de la Concorde in eine große Lichter- und Filmaufführung mit Direktschaltung nach Berlin gipfeln wird, will sich Sarkozy als Mauerspecht gewürdigt sehen, der die historische Reichweite des Wandels in Berlin schneller als die meisten französischen Politiker erfasst hatte.

Zweifel bei Zeitzeugen

Doch seine Version ist in Paris auf Skepsis gestoßen. Zeitzeugen zweifeln am Wahrheitsgehalt von Sarkozys Ausführungen. „Am Morgen des 9. November konnte niemand in Paris wissen, dass die Mauer fallen würde“, schreibt Alain Aufray in der Zeitung „Libération“.

Auch der frühere Premierminister Alain Juppé hat den „Augenzeugenbericht“ Sarkozys nicht bestätigen wollen. Er hat die Reise nach Berlin nicht genau datieren können. Im französischen Auslandsfernsehsender TV5 sagte Juppé kürzlich, er könne sich daran erinnern, kurz nach dem Mauerfall nach Berlin gereist zu sein. „Das war vielleicht am 11. November, frühestens am 10. November“, sagte Juppé. In der Tat habe Nicolas Sarkozy der Gruppe von Abgeordneten angehört, die damals aus Neugierde nach West-Berlin gefahren seien.

Der frühere Wirtschaftsminister Alain Madelin hat ebenfalls bestätigt, mit Juppé nach Berlin gereist zu sein, „aber erst nach dem 9. November“. Er wolle aber „den Präsidentenworten nicht widersprechen“.

Sarkozys Facebook-Ausführungen zeugen von der Bedeutung, die der Präsident auch rückblickend Deutschland inzwischen zuschreibt. Das war nicht immer so: noch im Wahlkampf 2007 hatte Sarkozy der Schriftstellerin Yasmina Reza anvertraut, dass er sich in Berlin „terrorisiert fühle“.

In der Finanzkrise Deutschland wiederentdeckt

Zu Beginn seiner Amtszeit träumte Sarkozy von einem engeren britisch-französischen Verhältnis - bis er mitten in der Finanzkrise Deutschland wieder entdeckte. Seither hat er auch seine Liebe zu Berlin entdeckt, wie er recht überschwänglich bei einer Kundgebung zu den Europawahlen im Mai in der deutschen Hauptstadt gestand.

Wo aber war Nicolas Sarkozy am 9. November 1989? In Paris glaubt man zu wissen, dass der junge gaullistische Abgeordnete damals in die Wahlheimat des General de Gaulles, nach Colombey-les-Deux-Eglises gepilgert war. In dem lothringischen Städtchen wurde des 19. Todestages des Republikgründers gedacht.

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Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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