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Eröffnung der Hannover Messe Die Unternehmer nehmen sich in die Pflicht

20.04.2008 ·  Unternehmer als gesellschaftliches Vorbild - dazu bekennt sich BDI-Präsident Jürgen Thumann zur Eröffnung der Hannover Messe. Die wirtschaftsnahe Politik der großen Koalition habe zum Aufschwung beigetragen. Bundeskanzlerin Merkel lobte wiederum die Industrie als Stabilitätsanker der Weltwirtschaft.

Von Georg Giersberg
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Deutschland kann auch weiterhin zu den Gewinnern der Globalisierung gehören. Davon zeigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich der Eröffnung der Hannover Messe (21. bis 25. April) am Sonntag Abend überzeugt. Die internationale Finanzkrise habe zwar die Ängste der Menschen vor der Globalisierung verstärkt, „aber die Industrie hat sich als Stabilitätsanker der Weltwirtschaft erwiesen“, lobte Frau Merkel das produzierende Gewerbe und verwies darauf, dass Deutschland in vielen Bereichen der Elektrotechnik und des Maschinenbaus technisch zur Weltspitze gehöre. Merkel rief die Finanzmärkte auf, ihre internationale Krise für Reformen zu nutzen, die zu mehr Transparenz und zu einem besseren Liquiditätsmanagement führten. Die Finanzkrise müsse bewältigt werden, weil die Industrie die Finanzmärkte als Kreditgeber brauche und weil man vermeiden müsse, dass die Krise zu einem Vertrauensverlust in das System der Sozialen Marktwirtschaft führe.

Davor warnte auch der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann. Er bekannte sich wie Frau Merkel zur Verantwortung und der Vorbildfunktion der Unternehmer. „Das Verhalten von Unternehmern entscheidet mit darüber, ob die Menschen die Soziale Marktwirtschaft, die in diesem Jahr 60 Jahre alt wird, auch zukünftig bejahen“, sagte Thumann. „Als Unternehmer weiß ich allzu gut: Meine unternehmerische Freiheit bedeutet auch Verantwortung für das Unternehmen, für meine Mitarbeiter, für deren Familien und für die Gesellschaft.“ Dieser Verantwortung habe sich die Wirtschaft auch in großen gesellschaftlichen Diskussionen zu stellen. „Gerade den Klimawandel nimmt die Industrie sehr ernst“, hob Thumann hervor. Um weiterhin an der Spitze des technischen Fortschritts zu bleiben, müsse Deutschland noch mehr in die technische Ausbildung junger Menschen investieren, waren sich Thumann Merkel einig. „Es wäre fatal, wenn wir unsere industrielle Kraft nicht weiterentwickeln könnten, weil uns aufgrund der demografischen Entwicklung der technikbegeisterte Nachwuchs fehlt“, sagte Frau Merkel.

„Was aus einem Hauptschüler geworden ist, wissen wir nicht“

Sie beklagte in diesem Zusammenhang, dass die Gesellschaft über die beruflichen Werdegänge und Beweggründe junger Menschen zu wenig wisse. „Wir wissen, wo jeder Storch auf der Welt geblieben ist, aber was aus einem Hauptschüler geworden ist, wissen wir nicht.“ Auf der größten Industriemesse der Welt stellen bis zum 25. April mehr als 5000 Unternehmen aus gut 60 Ländern ihre Produkte vor. Schwerpunkte der Messe sind die Energietechnik und die Automationstechnik. Auf diesem Feld wird gezeigt, wie die Fabrik der Zukunft aussieht. Daneben informieren mehr als 100 Universitäten und zahlreiche private Institute und Unternehmen über ihre Forschungsarbeiten. Ein zusätzlicher Schwerpunkt ist die Ausbildung. Unter der Überschrift „Tectoyou“ (Technik für Dich) versucht die Messe in Kooperation mit den Verbänden und Unternehmen, Jugendliche für Technik und für eine technische Ausbildung zu begeistern.

Die konjunkturelle Stimmung in den ausstellenden Branchen Maschinenbau und Elektrotechnik ist sehr gut. Die beiden Branchenverbände, der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) wie auch der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) gehen für 2008 von dem fünften Aufschwungjahr in Folge aus. Beide Branchen, die jeweils fast eine Million Beschäftigte und knapp 200 Milliarden Euro Umsatz repräsentieren, berichten schon zu Beginn der Messe über volle Auftragsbücher und den Ausbau der Kapazitäten. Der VDMA wird nach Informationen dieser Zeitung sogar mehr Neueinstellungen als die bisher geplanten 10 000 vornehmen, weil dieses Ziel schon im ersten Quartal erreicht worden sei. Die Wachstumsprognose von 5 Prozent mehr Umsatz hält der Verband aufrecht.

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Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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