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Zur Ordnung Tims Tricktrack

20.04.2009 ·  Was immer der nach dem amerikanischen Finanzminister benannte Geithner-Plan für die Sanierung des amerikanischen Bankwesens leisten wird: Ins Lehrbuch der Spieltheorie gehört er auf jeden Fall. In diesem Plan spielen alle. Der Staat spielt seine Rolle über die Bande der Verfassung.

Von Hans D. Barbier
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Was immer der nach dem amerikanischen Finanzminister benannte Geithner-Plan für die Sanierung des amerikanischen Bankwesens leisten wird: Ins Lehrbuch der Spieltheorie gehört er auf jeden Fall. In diesem Plan spielen alle. Der Staat spielt seine Rolle über die Bande der Verfassung. Die zu rettenden Banken spielen Versteck. Die zur Rettung bereiten Fonds spielen mit dem Ertrag der Zeit. Der Geithner-Plan ist eine Strategie mit einigen offenen Enden. Das sollten diejenigen bedenken, die bereit sind, sich ihn zum Vorbild zu nehmen.

Ordnungspolitisch von zweifelhaftem Wert ist die Indienstnahme der Federal Reserve und der Federal Deposit Insurance Corporation durch die Regierung. Das ist der Versuch der Regierung Obama, den Rettungsplan ohne die Zustimmung des Kongresses zu finanzieren. Ob das verfassungsrechtlich gelingt oder nicht: Die Aktion „Immobilien für jedermann“ der Regierung Bush sollte die wirtschaftlichen Risiken der Inanspruchnahme der Fed doch eigentlich im Zeitraum des kollektiven Gedächtnisses nicht nur der Amerikaner zur Genüge gezeigt haben. Ohne die Indienstnahme der Geldpolitik durch den Präsidenten wäre jene Blase nicht entstanden, die die nun sattsam erlittene Finanzkrise verursacht hat, welche mit der realwirtschaftlich unbegründeten Verbilligung von Hypotheken begann und jetzt beim Risiko einer Weltrezession angekommen ist. Schon seine Finanzierung also sollte dem Geithner-Plan ein gerütteltes Maß an politisch und wirtschaftlich begründetem Misstrauen entgegenbringen.

Mogelpackungen der Banken wierden aufgedeckt

Es ist aber auch keineswegs ausgemacht, dass der Plan aus der Sicht der Banken, für die er gedacht ist, als attraktiv zu gelten hat. Es ist für die Banken nicht ohne Risiko, ihre „toxischen Aktiva“ - also ihre faulen Forderungen - einem der Agenten des Geithner'schen Rettungsplans zum Kauf anzubieten. Denn so ganz von den Marktkräften kann sich auch ein Plan nicht abkoppeln, dessen Ratio der Begründung und dessen Grundgerüst der Finanzierung auf „das Politische“ setzen. Was Aktiva, die als toxisch gelten, am Markt wert wären, zeigt sich erst, wenn sie wirklich an den Markt gebracht werden. Das wiederum kann dazu führen, dass die Anforderungen an die Kapitalunterlegung gerade dadurch steigen, dass eine Bank sich mit ihren toxischen Aktiva dem Markttest unterzieht und dadurch ihre zuvor durch Nichtstun kaschierte Schwäche offenbart.

Der Verkauf der toxischen Aktiva funktioniert nicht im gewünschten Maße, wenn es keine Käufer gibt, die bereit sind, höhere Risiken einzugehen, um größere Chancen wahrzunehmen. Und solche Käufer muss es nicht nur geben, sie müssen sich auch bietend offenbaren, um gefährdete Banken dazu zu ermuntern, ihre toxischen Aktiva auf den Markt zu bringen und gerade dadurch das Risiko einzugehen, ins Visier der Kapitalmarktaufsicht zu geraten. Der Geithner-Plan braucht als Käufer solche Investoren. Und da kommen dann die in Europa immer mit Misstrauen beäugten Hedge-Fonds ins Spiel.

Gewonnen hat, wer am besten hin und her schiebt

Es ist bis heute nicht leicht, die Marktleistungen selbst erwiesenermaßen seriöser, aber eben auch wagemutiger Hedge-Fonds zu schildern, ohne in den Verdacht zu geraten, dem Kasinokapitalismus das Wort zu reden. Und es wird - jedenfalls in Europa - dem Ansehen der Hedge-Fonds nicht förderlich sein, wenn Tim Geithner seinen Präsidenten davon überzeugen kann, es sei dem Rettungsplan dienlich, staatsfinanzierte Hedge-Fonds zu installieren. Die mögen - gerade wegen ihrer Finanzierung durch den Staat - eine Zeitlang den erwünschten Effekt haben, toxische Aktiva aus den Bankbilanzen abzuziehen. Aber sie werden, wiederum wegen der Staatsfinanzierung, nicht so scharf kalkulierend arbeiten, wie es die „normalen“ Hedge-Fonds tun.

Von der Finanzierung bis zur Marktstrategie arbeitet der Geithner-Plan nach dem Schema des Tricktrack: Gewonnen hat, wer am besten hin und her schiebt.

Der Autor ist Vorsitzender der Ludwig-Erhard- Stiftung.

Quelle: F.A.Z.
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