03.04.2009 · Die gute Nachricht zuerst. Bei 50 Millionen ist Schluss. Nein, nein, nein, wir meinen ausnahmsweise mal nicht das Gehalt des abgetretenen Dresdner-Bank-Vorstands. Der würde so einen Betrag wohl auch eher als Anzahlung verstehen. Wir meinen die Abwrackprämie.
Von Holger AppelDie gute Nachricht zuerst. Bei 50 Millionen ist Schluss. Nein, nein, nein, wir meinen ausnahmsweise mal nicht das Gehalt des abgetretenen Dresdner-Bank-Vorstands. Der würde so einen Betrag wohl auch eher als Anzahlung verstehen. Wir meinen die Abwrackprämie. Nach 50 Millionen Verschrottungen ist der gesamte deutsche Fahrzeugbestand abgewrackt. Und da sich die von Staatshand verteilte Prämie via Mehrwertsteuer selbst finanziert, wie manche wider besseres Wissen vorrechnen, braucht sich der Finanzminister nicht mal Sorgen um unsere Steuermilliarden zu machen. Nun sind schon 1,2 Millionen Anträge bei dem zuständigen Amt eingegangen, und die Regierung muss besänftigend auf das Volk einwirken und versichern, es gibt Geld ohne Ende. Jedenfalls fast. Der nächste Ansturm ist schon programmiert, sollten die 2500 Euro reduziert werden. Im neuen Jahr werden dann die Fabriken angehalten und der ganze Vorzieheffekt im heimischen Schrebergarten abgearbeitet. Kurzarbeit null, möglichst nach dem Daimler-Modell, also zu vollen Bezügen, natürlich wieder staatlich gestützt, wir haben es ja. Danach Steuererhöhung für die Besserverdiener, also alle ab 50 000 Euro Jahresbruttoeinkommen. Klasse.
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Apropos Daimler. So ausgeklügelt scheint deren Beschäftigungsprogramm doch nicht zu sein. Jedenfalls schwant dem Vorstand nun, dass null Arbeit und volles Gehalt auf Dauer nicht recht zusammenpassen. Im Schatten der Abwrackprämie, die in Stuttgart ebensowenig ankommt wie bei Audi, BMW und Porsche, geht der Stern langsam unter. Wer diese Woche deren Ausführungen zugehört hat, dem wird angst und bange. Selbst wenn die Herren etwas dick aufgetragen haben sollten, muss man Sorgen haben, dass sich demnächst Daimler-Mitarbeiter in das wieder bedrohlich groß werdende Heer der Arbeitslosen einreihen. Der Börse ist das interessanterweise egal. Aufschwung die ganze Woche, geradezu Hausse am Donnerstag, getragen durch die Autowerte.
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Andererseits, echte Existenzsorgen müssen Daimler, BMW oder sonst wer natürlich nicht haben. Die G-20 verordnen mit 1000 Milliarden Dollar per Londoner Dekret Zügel für den Finanzmarkt und Galopp für die Wirtschaft. Und falls hierzulande doch einer pleitegeht, kann er bei Opel andocken. Die will schließlich jeder retten, nur der Kunde nicht, also, ausgenommen der abgewrackte. Und die amerikanische Muttergesellschaft GM, die will auch nicht. Aber auf solche Kleinigkeiten kann der deutsche Steuerzahler keine Rücksicht nehmen, vor allem dann nicht, wenn er durch Frank-Walter Steinmeier vertreten wird. Aber auch der Kanzlerin ist ein Blitz ins Kostüm gefahren. Liebe Opelaner, das wird schon. Falls die 3 Milliarden Euro Stütze nicht reichen, packen wir gerne noch was drauf. Blöd wäre nur, Opel ginge nach der Bundestagswahl bankrott. Dann ist die Spendierfreude nicht mehr so sicher. Also Gas geben am Abgrund, Insolvenz im Eiltempo. Das ging natürlich mit GM-Chef Rick Wagoner besser, der hatte jahrelange Erfahrung mit ruinöser Unternehmensführung. Aber den hat leider der amerikanische Präsident gefeuert.
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Was Obama kann, kann Merkel schon lange. Mit dem kleinen Unterschied, dass Hartmut Mehdorn die Heimreise antreten musste, obwohl er gute Ergebnisse abgeliefert hat. Irgendwie soll die Stimmung aus der Bahn geraten sein, hat man in Berlin (ab)gehört. Und wenn Amerika und Deutschland in diesen Tagen was machen, will Frankreich nicht abseits stehen. Deswegen ist es konsequent, dass Thierry Peugeot der Beziehung zu Christian Streiff „ein Ende gesetzt“ hat, wie er in für Franzosen untypischer Art kaltherzig formuliert. Da hat wohl die Hütte gebrannt bei Peugeot-Citron. Monsieur, falls ihr Unterschlupf sucht, hier in Deutschland gibt es Opel . . .
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Gerade kommen wir übrigens aus Warschau zurück, eine sehenswerte Stadt. Die Polen versuchen die Krisenbewältigung mit Ausgabendisziplin, im Großen wie im Kleinen. Als beim abendlichen Mahl das vorab vereinbarte Budget des ein weiteres Bier ordernden Gastgebers erschöpft ist, beugt sich der Kellner dezent zu ihm herunter und spricht: We already closed the money. Der Mann sollte in der Bundesregierung anfangen.
Frank-Holger Appel Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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