06.06.2009 · Von Ökonomen lernen? Das klingt heutzutage, wo das Ansehen der Ökonomen im Staube liegt, einigermaßen abwegig. Ist es aber nicht. Ein paar Erkenntnisse sind schon hilfreich.
Von Gerald BraunbergerVon Ökonomen lernen? Das klingt heutzutage, wo das Ansehen der Ökonomen im Staube liegt, einigermaßen abwegig. Ist es aber nicht. Ein paar Erkenntnisse sind schon hilfreich.
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Die Ökonomik kann die vergangenen 20 Jahre erklären, aber wenn sie sich auf Prognosen einlässt, wird daraus Ideologie." Das sagte der britische Nobelpreisträger Arthur Lewis. Ob als V, L, W, Wurzelzeichen oder vielleicht sogar Notenschlüssel - wie sich die Konjunktur entwickeln wird, ist unter den Fachleuten umstritten. In den vergangenen Wochen ist an der Börse der Eindruck entstanden, die Wirtschaft könne sich schneller erholen als bisher erwartet. Nun warnt Josef Ackermann, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, vor der Illusion einer raschen Überwindung der Krise. Und die Prognose eines Rückgangs des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr um 6,2 Prozent durch die traditionell sehr vorsichtige Deutsche Bundesbank klingt auch nicht gut. Aber Lewis hatte schon recht: Prognosen sollten nicht das Kerngeschäft der Ökonomen darstellen, und vor allem langfristige Ausblicke darf man nicht allzu ernst nehmen.
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Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen." So sprach der Nobelpreisträger Milton Friedman. Warum soll man sich um Inflation kümmern, wenn die aktuelle Rate bei null Prozent liegt? Langfristig wird die Inflationsrate jedoch nicht unwesentlich durch die Geldversorgung bestimmt, und da gilt es aufzupassen. Aber auch hier ist das Bild nicht eindeutig: Die aufgeblähten Bilanzsummen der Notenbanken belegen die Großzügigkeit, mit der die Geldpolitik den Banken in dieser Krise Geld bereitstellt. Aber breit definierte Geldmengenaggregate, die im Wesentlichen Bankeinlagen von Privathaushalten und Unternehmen umfassen, wachsen überhaupt nicht mehr schnell, weil sich die Banken mit der Kreditvergabe an Privatpersonen und Unternehmen zurückhalten. Noch haben die Notenbanken die Lage unter Kontrolle, aber sie müssen darauf achten, dass ihnen diese Kontrolle nicht im Laufe der Zeit entgleitet.
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Unterschätze niemals die Macht eines schönen Fehlers." Dieser Satz stammt von dem Nobelpreisträger Paul Samuelson. Aus der Sicht unmittelbar Betroffener dürfte die staatliche Unterstützung von Industrie- und Handelsunternehmen "schön" daherkommen. Aber ein Fehler ist und bleibt es aus der Sicht der zahlenden Allgemeinheit trotzdem, und leider ein mächtiger, weil er zur Wiederholung neigt. Opel, Arcandor, Porsche . . . wohin soll es führen, und wo soll es enden? Man weiß gar nicht, über wen man sich mehr aufregen soll: über Politiker, die mit Blick auf die nahenden Wahlen öffentlichkeitswirksam Partikularinteressen befriedigen in der Hoffnung, die Allgemeinheit werde nicht merken, dass sie die Rechnung zahlt - oder über Unternehmer und Manager, die in guten Zeiten den Staat empört auf Distanz halten wollen, in schlechten Zeiten aber hemmungslos den Staat zu Hilfe rufen. Es ist kein Zufall, dass sich sowohl im Werk von Adam Smith, dem Stammvater der Marktwirtschaft, und im Werk von Walter Eucken, dem Stammvater des deutschen Ordoliberalismus, äußerst kritische Äußerungen gegenüber Unternehmen finden, die Macht besitzen und sich ihrer bedienen. Besonders lesenswert bleiben Passagen, in denen Eucken die verheerenden Folgen einer Kumpanei von Staat und Großunternehmen beschreibt.
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Ohne Werturteile schlägt man nicht einmal einen Nagel in die Wand." Diese Weisheit wird dem führenden Vertreter der deutschen Historischen Schule, Gustav Schmoller, in einem Methodenstreit vor rund 100 Jahren zugeschrieben. Schon in den fünfziger Jahren wandten sich namhafte junge deutsche Ökonomen von der Ordnungsökonomik ab, weil sie ihnen zu ideologisch und zu untheoretisch erschien. Nur: Ist formale Ökonomik zwingend frei von Werturteilen? Wer ein makroökonomisches Modell baut, in dem alle Märkte perfekt funktionieren und sich die Menschen stets rational verhalten, wird keinerlei Notwendigkeit für Staatseingriffe sehen. Bloß: Das Ergebnis war von vornherein im Modell drin. Und das Umgekehrte kann man auch einfach modellieren. Jeder, wie er es braucht.
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Warum sind alle Ökonomen verrückt?" Diese hochinteressante Frage richtete der Ökonom John Maynard Keynes in einem ziemlich ratlosen Brief an seine Frau Lydia. Leider ist uns Lydias Antwort nicht bekannt. Als Gattin eines Ökonomen wäre ihr sicherlich das eine oder andere eingefallen.
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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