26.06.2009 · Blitz, Donner, Überschwemmungen. Vor ein paar Nächten ist unsere Heizung angesprungen, am Wochenende schwitzen wir bei 28 Grad. In Südafrika sitzen die Zuschauer bei der Generalprobe für die nächstes Jahr stattfindende Fußball-WM schlotternd auf den Tribünen.
Von Holger AppelBlitz, Donner, Überschwemmungen. Vor ein paar Nächten ist unsere Heizung angesprungen, am Wochenende schwitzen wir bei 28 Grad. In Südafrika sitzen die Zuschauer bei der Generalprobe für die nächstes Jahr stattfindende Fußball-WM schlotternd auf den Tribünen. Langsam reift in uns die Überzeugung, dass wir es nicht nur mit einer Weltwirtschaftskrise zu tun haben, sondern auch mit einer Weltwetterkrise. Bevor wir uns in den Sommerurlaub absetzen dürfen, müssen wir wohl im doppelten Wortsinne noch einige stürmische Tage durchstehen - und zu allem Überfluss auch noch jeden Abend nach dem Heute-Journal diese saublöde Werbung der fusionierten Commerzdresdnerbank über uns ergehen lassen. Die kennen Sie, oder?
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Zwei Herren in mausgrauem Anzug, einer mit einem grünen Schildchen und einer mit einem gelben am Revers, halten einen Schirm in den Regen und sagen: "Das Wetter." Wow, die Werbeabteilung sollte einen Kreativpreis erhalten. Oder soll die Szene etwa schallende Selbstironie sein, weil Banken bekanntlich Regenschirme bei Sonne verteilen und dieselben bei Regen wieder einsammeln?
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Mit solchem Geschäftsgebaren jedenfalls stünde die Commerzbank nicht allein da, auch wenn das von Genossen und Sparbüchsen immer wieder behauptet wird. Wir kennen da eine moralfreie hessische Volksbank . . . aber lassen wir das. Die Banken haben es schwer genug. Nur schlappe 440 Milliarden Euro hat ihnen die Europäische Zentralbank diese Woche zum Zinssatz von 1 Prozent in die Bilanzen gekippt. Das Institut unseres Vertrauens hat prompt reagiert und unseren Dispokredit auf 11,2 Prozent verbilligt. Mit solch mickrigen Margen kann man Unternehmen oder Lieschen Müller wahrlich nicht aus der Kreditklemme helfen. Wenigstens kommt die Bezahlung der Banker langsam wieder in Ordnung. Mit den paar hunderttausend Euro Jahresgehalt kommt die Finanzelite nicht über die Runden. Während allerorten Nullrunden verkündet werden und Betriebe vor die Hunde gehen, bekommen diejenigen, die uns den Schlamassel eingebrockt haben, 50 Prozent Gehaltserhöhung. Auf das Festgehalt, logischerweise. Denn durch die variable Vergütung haben bekanntlich die Politiker einen Strich gemacht. Das Fachpersonal will bei Laune gehalten werden. Es gäbe deren Arbeitsplätze gar nicht mehr, hätten ihnen die Staaten nicht mit des Bürgers Steuergeld den Hintern gerettet, denken Sie mit Ihrer Krämerseele jetzt? Schönen Gruß an die Citibank und andere Imagebeförderer, ihr habt Glück, dass das vor euch liegende Qualitätsblatt den Markt liebt, sonst müssten wir jetzt doll schimpfen.
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Andererseits regt sich auch niemand auf, wenn der Ausnahmekicker Cristiano Ronaldo die läppische Ablösesumme von 1 Milliarde Euro in seinen neuen Fußballvertrag schreiben lässt. Was könnte man mit dem Geld alles machen! Wir haben nicht genau nachgerechnet, aber für shoppen einmal quer durch den Quelle-Katalog sollte es genügen. Wir verstehen ohnehin nicht, warum ein derartiges Gezerre wegen der bei 100 Milliarden Euro Neuverschuldung doch eher zu vernachlässigenden 50 Millionen Euro für den Fürther Versandhändler ausgebrochen ist. Da wird doch nicht etwa plötzlich betriebswirtschaftlich kalkuliert? Horst Seehofer auf das Titelbild und Geld überweisen, fertig. Wie bei Opel. Die erobern nun mit unserem Steuergeld den Zukunftsmarkt Russland, eben jenen also, auf dem der lupenrein demokratische Ministerpräsident in die Preise von Würsten eingreift und das Möbelhaus Ikea wegen andauernder Korruption die Investition gestoppt hat. Egal, Geiz ist geil war gestern und gilt erst recht nicht in Berlin. Schließlich haben wir uns darauf eingestellt, bei Mutter Staat einzukaufen. Auto, Waschmaschine, Feinripp - alles gibt es künftig in Steinmerkels Deutschland Shop.
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Gut, wenn wir alle retten, können wir leider die Rentenbeiträge auf absehbare Zeit nicht senken, müssen die Mehrwertsteuer erhöhen, den Besserverdienern noch etwas mehr abknöpfen, einen Zuschlag auf den Solidaritätszuschlag erheben und die Krankenkassenbeiträge anheben. Das schlägt womöglich dem gemeinen Leistungsträger ein wenig auf die Stimmung. Aber man kann eben nicht auf jede Randgruppe Rücksicht nehmen.
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Leider fehlt uns die Zeit, das an dieser Stelle auszudiskutieren, denn wir müssen rasch zur Bank. Gerade hat die freundliche Dame vom Finanzamt angerufen. Wir sollen ein paar tausend Euro Steuer nachzahlen. Machen wir doch gerne. Ist schließlich für einen guten Zweck.
Frank-Holger Appel Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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