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Auf einen Espresso Ereignisreicher Sommer

14.08.2009 ·  Allein in den vergangenen Tagen gab es Meldungen über eine erfreuliche Belebung der Konjunktur, den Fall des Hauses Oppenheim, eine Einigung der Streithähne Schaeffler/Conti, Diskussionen um Banker-Boni und vor allem über viele, viele Quartalsberichte von Unternehmen.

Von Gerald Braunberger
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Diese Sommerferien sind aus journalistischer Sicht wirklich keine Saure-Gurken-Zeit. Allein in den vergangenen Tagen gab es Meldungen über eine erfreuliche Belebung der Konjunktur, den Fall des Hauses Oppenheim, eine Einigung der Streithähne Schaeffler/Conti, Diskussionen um Banker-Boni und vor allem über viele, viele Quartalsberichte von Unternehmen. Auch in den Ferien ist immer irgendwo irgendetwas los.

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Quelle geht es schlecht. Das ist nicht neu, aber der nun angekündigte Personalabbau sowie die Unsicherheit über die langfristige Finanzierung des Versandunternehmens haben die Dramatik der Lage wieder in Erinnerung gerufen. Quelle zählt zu den ehernen Namen der deutschen Wirtschaftsgeschichte der Nachkriegszeit, aber vielleicht besteht gerade hierin ein Problem des Unternehmens. Wir jedenfalls verbinden mit dem Namen Quelle überhaupt nichts Modernes, sondern Erinnerungen an die Kindheit, als die Ankunft des bunten Katalogs für die Generation der Eltern und der Großeltern ein bedeutsames Ereignis darstellte.

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Viel älter als Quelle ist das Bankhaus Oppenheim, das schon seit längerer Zeit eher schlechte als gute Nachrichten produzierte. Der neue Herr im Hause heißt wohl Josef Ackermann, selbst wenn sich die Deutsche Bank mit einer Minderheitsbeteiligung (erst einmal) bescheiden wird. Niemand wird ernsthaft glauben, dass Ackermann die bisherige Leitung von Oppenheim einfach so weitermachen lässt wie früher. Das Investmentbanking von Oppenheim steht wohl schon zum Verkauf, denn damit könnte die Deutsche Bank, die bereits eine der größten Investmentbanken der Welt ist, nichts anfangen. Ackermann dürfte sich vor allem für die Vermögensverwaltung von Oppenheim interessieren, die zahlreiche gut betuchte Kunden betreut. Die Deutsche Bank wiederum besitzt in der Vermögensverwaltung Nachholbedarf.

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Zu den Interessenten für das Investmentbanking für Oppenheim wird an vorderer Stelle die italienische Mediobanca genannt neben üblichen Verdächtigen wie BNP Paribas und Barclays. Die Mediobanca ist eine Bank mit einem legendären Ruf, die in der Finanzkrise das Kunststück fertigbrachte, kaum einmal erwähnt zu werden. Mediobanca ist die führende italienische Investmentbank, die wegen ihrer engen geschäftlichen Verflechtungen lange als eine Art Spinne im Netz des italienischen Kapitalismus galt. Im Laufe der Zeit hat sie wohl etwas an Einfluss verloren, aber unbedeutend ist sie noch lange nicht. Sollte sie bei Oppenheim zum Zug kommen, wäre dies ein Beleg dafür, dass die Bank auf dem deutschen Markt nicht in der zweiten Reihe zu spielen gedenkt. Und so mancher Platzhirsch müsste sich vermutlich warm anziehen.

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Nicolas Sarkozy, in Südfrankreich urlaubender Staatspräsident, weiß das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. So absolvierte er für seine Fitness eine Stunde auf seinem Rennrad. Ernährungswissenschaftlich eher fragwürdig hielt er unterwegs an, um ein paar Pizzas einzukaufen. Selbst in seinem Urlaub lässt Sarkozy kein Dossier einstauben. So hat er für das Monatsende die französischen Topbanker in den Elysée-Palast einbestellt, wo er sie daran erinnern will, dass die Banken nicht zu zögerlich mit der Vergabe von Krediten sein sollen. Vielleicht stimmt den gelegentlich etwas griesgrämigen Präsidenten ja die Tatsache froh, dass die französische Wirtschaft - ebenso wie die deutsche - im zweiten Quartal überraschend um 0,3 Prozent gewachsen ist. Dafür liegt der führende französische Aktienindex CAC-40 mit gut 3500 Punkten weit hinter dem Dax. Das war nicht immer so.

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Konjunkturindikatoren gibt es viele, und sie funktionieren mehr oder weniger gut. Manchmal funktionieren sie auch gar nicht. Entworfen wurden sie üblicherweise von schlauen Ökonomen. Ein gar nicht schlechter, wenn auch bislang sehr unwissenschaftlicher Indikator ist der Getränkekonsum von Geschäftsleuten und besonders von Investmentbankern in Szenelokalen der großen Finanzzentren. Dort registrieren Wirte seit einiger Zeit wieder eine regere Nachfrage für Spitzenweine und renommierte Champagnermarken. Vielleicht begießen die Investmentbanker dort aber auch nur ihren Erfolg, unter jedweden Bedingungen an die erstrebten Boni zu gelangen. Den Champagnerhäusern um Reims und Epernay wird es recht sein, denn als Folge der Finanzkrise haben sich dort außergewöhnlich hohe Lagerbestände gebildet. Santé!

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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