24.04.2009 · Haben Sie schon mal eine Garantie abgegeben oder eine Bürgschaft übernommen? So, so, Sie sind beim Ausfall des Schuldners in Anspruch genommen worden und haben kräftig gezahlt. Tja, Sie sind eben kein Bundesfinanzminister.
Von Holger AppelHaben Sie schon mal eine Garantie abgegeben oder eine Bürgschaft übernommen? So, so, Sie sind beim Ausfall des Schuldners in Anspruch genommen worden und haben kräftig gezahlt. Tja, Sie sind eben kein Bundesfinanzminister. Der kann nämlich den Banken schrottreife Wertvernichtungspapiere abkaufen, in einer Bad Bank abladen und darüber einen Garantieschirm spannen, ohne dass der Steuerzahler belastet wird, wie er am Dienstag verkündet. Dann muss doch noch jemand nachgedacht haben. So habe er das weder gerechnet noch gesagt oder gemeint, räumt der Finanzminister am nächsten Tag eventuelle Missverständnisse beiseite. Natürlich wird der Steuerzahler für die Schrottpapiere der Banken in Haftung genommen. Uff, da sind wir aber beruhigt.
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Sollte das quasi unbedeutende Loch von 853 Milliarden Euro doch noch den einen oder anderen Unmut auslösen, wäre es womöglich lindernd hilfreich, Dr. David Antonio Contreas anzuschreiben. Der wohnt in Miranda-San Antonio, De Los Altos, Venezuela, und schreibt uns höchst geheim: "Verehrter Herr, ich möchte unter Ihrer Verwaltung 9,800,000,00 Dollar vertraulich investieren. Bitte antworten Sie mir umgehend unter meiner privaten Mail-Adresse: david.antonio@rocketmail.com." Die Absendermail lautet david_anotonio@virgilio.it, und wir ahnen, so vertrauensvoll ist unser neuer Freund womöglich doch nicht. Irgendwie scheint die Finanzkrise auch die Betrüger wieder aus den Löchern zu locken.
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Nur damit kein Missverständnis aufkommt: Der Absender .it deutet natürlich nicht darauf hin, dass in Italien nur Betrüger hausen. Fiat, zum Beispiel, ist ein honoriges Unternehmen. Und es würde sogar Opel übernehmen, solange es, wie der Chef Marchionne sagt, dafür keinen Cent bezahlen muss. Das trifft sich gut, denn die Mutter General Motors will den Laden inzwischen sowieso verschenken. Mit Fiat war Opel zwar schon mal liiert, und die Ehe wurde nach kurzer Zeit im Ärger geschieden. Aber was soll's. Probieren sie es eben noch einmal. Liz Taylor war schließlich achtmal verheiratet, mit einem Mann sogar zweimal. Das nennen wir wegweisend.
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Überhaupt ist an der Partnerbörse einiges los. Sal. Oppenheim hat den Verkauf der BHF-Bank gestoppt, weil die vermeintlich Schlange stehenden Interessenten doch nicht so richtig interessiert waren. Der neue Arcandor-Chef findet die Strategie des alten Arcandor-Chefs blöd, marschiert in die genau entgegengesetzte Richtung und reicht die Trennung von seinen Luxustempeln ein. Porsche scheint das Geld für die Übernahme von VW auszugehen, weshalb jetzt angeblich VW Porsche übernehmen möchte, was aus Zuffenhausen Zoffenhausen machen könnte. Der alte Strippenzieher Ferdinand Piëch grinst sich im Hintergrund bestimmt einen, wie immer. So eine Aktion könnte auch Schaeffler hinbekommen, die Continental kaufen wollten, jetzt aber vielleicht von Continental übernommen werden. Ja, die Wirtschaft, die ist lustig.
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Damit Ihnen nicht die Laune vergeht, ersparen wir Ihnen das Horrorszenario der Wirtschaftsinstitute mit ihrer miesepetrigen Minus-6-Prozent-Prognose. Lieber wollen wir Sie, die Sie in Zeiten wie diesen Ihre Partnerschaft besonderen Belastungen ausgesetzt sehen, auf das Handbuch für die gute Ehefrau aus "Housekeeping Monthly" vom 13. Mai 1955 aufmerksam machen. Das bringt wieder Ordnung ins gestresste Managerleben. "Halten Sie das Abendessen bereit, wenn er nach Hause kommt. Die meisten Männer sind hungrig, wenn sie heimkommen, und die Aussicht auf eine warme Mahlzeit gehört zu einem herzlichen Empfang. Machen Sie sich schick. Gönnen Sie sich 15 Minuten Pause, sodass Sie erfrischt sind, wenn er ankommt. Legen Sie Make-up nach, knüpfen Sie ein Band ins Haar, sodass Sie adrett aussehen. Er war ja schließlich mit einer Menge erschöpfter Leute zusammen. Seien Sie fröhlich, er braucht vielleicht ein wenig Aufmunterung nach einem ermüdenden Tag. Beklagen Sie sich nicht, wenn er spät heimkommt oder selbst wenn er die ganze Nacht wegbleibt. Nehmen Sie dies als kleineres Übel, verglichen mit dem, was er vermutlich tagsüber durchgemacht hat. Eine gute Ehefrau weiß stets, wo ihr Platz ist. Letztendlich wird es Sie unglaublich zufriedenstellen, für sein Wohlergehen zu sorgen."
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Oh, da reißt uns das Telefon aus den Träumen. Die Gattin ruft an. Der Rasenmäher steht bereit, und Getränke müssen auch noch eingekauft werden. Dabei waren wir gerade so richtig hungrig geworden.
Frank-Holger Appel Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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