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Auf einen Espresso Die in der Krise baden

 ·  Mal wieder in unserem Kaufhaus gewesen. Mit Kinderwäsche, Biergläsern und Lippenstift nach Hause gegangen. Reicht das, um den Laden zu retten?

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Mal wieder in unserem Kaufhaus gewesen. Mit Kinderwäsche, Biergläsern und Lippenstift nach Hause gegangen. Reicht das, um den Laden zu retten? Missen möchte man das Konzept, zu reellen Preisen alles aus einer Hand zu bekommen, eigentlich nicht. Aber warum werden die eigenen Besuche in dem bodenständigen Haus seltener? Könnte daran liegen, dass die Verkäufer, sofern vorhanden, den Namen nicht verdienen und vom Sortiment nicht mehr verstehen als der des Lesens einigermaßen mächtige Kunde. Ausnahmen bestätigen die Regel. Meist aber sucht und liest und rätselt man sich durch die Regale, um an der Kasse noch geduldig dem Aushandeln der Pausen zuzuhören. Wir hoffen trotzdem, dass das Warenhaus überlebt - unter welchem Namen auch immer, solange der Staat draußen bleibt.

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Die staatliche Abstinenz bei Karstadt und Co wird leider nicht durchzuhalten sein, wenn die Politik bei Opel zu allen marktwirtschaftlichen Schandtaten bereit ist. Der Wunsch der Opelaner ist ihr offenkundig Befehl. Deren Favorit für den Einstieg ist der österreich-kanadische Zulieferer Magna. Hessens CDU-Ministerpräsident Roland Koch nickt dazu schon wohlwollend mit dem Kopf, Magna komme "den Wünschen der Arbeitnehmer am nächsten". Das ist wenigstens ehrlich und führt das ganze Gerede, es gehe um ein tragfähiges unternehmerisches Konzept, ad absurdum. Geld bekommt der "Investor", der zumindest über den Wahltag die meisten Jobs rettet. Klar, wenn man schon mit Steuermilliarden zockt, soll es sich wenigstens erst mal in Wählerstimmen auszahlen.

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Dass sich von rechts bis links Regierungen so ins Zeug legen für Unternehmen, die lange vor der Rezession ins Schleudern geraten sind, zeugt von einem eklatanten Vertrauensverlust der Politik in das deutsche Wirtschaftssystem und seine Fähigkeiten, Ideen, Unternehmen und Arbeitsplätze hervorzubringen. Immer wieder behaupten führende Politiker öffentlich, rette man dieses oder jenes Unternehmen nicht, seien Arbeitsplätze unwiederbringlich verloren. Waren die Erfahrungen mit 60 Jahren Sozialer Marktwirtschaft wirklich so schlecht?

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Unwidersprochen behauptet der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, die Vorgänge bei Opel, Schaeffler, Conti seien Verstöße gegen die Soziale Marktwirtschaft. Seit wann ist das Unvermögen, Produkte herzustellen, die der Kunde will, oder ein fehlgeschlagener Übernahmeversuch ein Verstoß gegen Marktprinzipien? Aber wer sollte auch gegenhalten gegen den CSU-Chef in einer Talk-Runde, in der unter Wortführung der Linken Sahra Wagenknecht alle Beteiligen genüsslich in der Krise baden und den allgemeinen Verfall der Menschlichkeit im kalten Kapitalsystem beklagen? Das Geld, das dieses System dank derjenigen, die statt zu reden lieber unternehmerische Risiken eingehen, immer noch erwirtschaftet, wird aber natürlich von allen Kritikern gerne genommen und verteilt.

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Im Schlagwortkatalog solcher Runden darf die im besorgten Tonfall vorgetragene Frage nicht fehlen, ob das "deutsche Geschäftsmodell" noch zeitgemäß sei. Kann Deutschland weiter so stark vom Export leben? Gern folgt der Vorwurf, die deutsche "Überschussökonomie" habe sich auf Kosten anderer ungerechtfertigt bereichert. Also Grenzen zu, jeder stellt nur her, was er verbraucht? Das wäre ein Programm, aus dieser Rezession einen Absturz in die dreißiger Jahre zu machen. Arbeitsteilung in freien Märkten mag unbequem und krisenanfällig sein. Eine vergleichbar wohlstandsstiftende Alternative hat bisher niemand zu bieten. Man sollte nicht kaputtreden, was man vielleicht noch braucht.

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Die IG Metall schafft hier einen besonders kühnen Spagat. Als Interessenvertretung der exportstärksten deutschen Branche setzt sie alle Hebel in Bewegung, um Opel mit Staatshilfe zu retten - und damit die Überschussproduktion auf den Automärkten anzuheizen. Zugleich sammelt sie Unterschriften gegen den "Systeminfarkt" der Weltwirtschaft und deren große Ungleichgewichte. Was denn nun?

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Eigentlich sollte der Espresso heute mal ausfallen. Schließlich ist Krise, sechs Prozent Minus im laufenden Jahr, da kann doch diese Rubrik nicht einfach weitermachen wie bisher, so bis zur letzten Zeile. Wir üben schon mal, mit weniger auszukommen...

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Jahrgang 1959, verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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