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Auf einen Espresso Die Bäume schlagen aus

10.04.2009 ·  In Deutschland stellen viele Männer das Auto in ihrer Prioritätenrangliste vor den Fußball und die Frauen. Da mag die Abwrackprämie mit Blick auf die nahende Bundestagswahl verlockend sein. Ökonomisch ist und bleibt sie eine fragwürdige Idee. Die Bundesregierung scheint das nicht zu kümmern.

Von Gerald Braunberger
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Liebe Bundesregierung, bleiben Sie konsequent! In einem Land, in dem viele Männer das Auto in ihrer Prioritätenrangliste vor den Fußball und die Frauen stellen, mag die Abwrackprämie mit Blick auf die nahende Bundestagswahl verlockend sein. Ökonomisch ist und bleibt sie eine fragwürdige Idee, aber wen interessiert das? Doch wenn Sie schon auf dem falschen Pfad wandeln und nicht vorhandenes Geld zum Fenster hinauswerfen wollen, hätten wir einen Vorschlag. Irgendwo auf unserem Dachboden befindet sich eine uralte Spielzeugeisenbahn. Wir plädieren daher für eine Spielzeugeisenbahn-Abwrackprämie. Für einen staatlichen Zuschuss von 2500 Euro (aber auch nur dann) wären wir bereit, dafür eine nagelneue Märklin-Bahn zu kaufen. So würde einem in Not befindlichen deutschen Traditionsunternehmen geholfen und nicht Autoherstellern in Rumänien, Italien und Südkorea. (Auf dem Dachboden eines Freundes befindet sich übrigens eine uralte Carrera-Spielzeugautobahn . . . also, wenn man in Berlin konsequent wäre . . .)

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Andere Länder, andere Sitten. In Frankreich gefallen sich Gewerkschafter wieder einmal darin, Manager in ihren Büros einzusperren. Vor Jahren durfte ein Vorstandsvorsitzender einer Pariser Immobilienbank eine Woche lang das Bankgebäude nicht verlassen. Die fürsorglichen Gewerkschafter besorgten ein Feldbett, und seine Frau konnte ihm Bettwäsche, eine Zahnbürste und frische Kleidung bringen. Wenn der arme Mann in die Kantine wollte, wurde er von Gewerkschaftern eskortiert. Natürlich wäre das strafbar, aber kein französischer Manager käme auf die Idee, deswegen Strafanzeige zu stellen. In keinem großen Industrieland sind die Gewerkschaften in der Privatwirtschaft so schwach wie in Frankreich; der Organisationsgrad beträgt um 5 Prozent. Das erstaunt wenig. Die Freiheitsberaubung von Managern ist ein Zeichen von Schwäche und Dummheit, nicht von Stärke oder Verantwortungsbewusstsein.

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Udo Lattek hat geweint. Wir auch - aber nicht wegen Bayern München. Ein wohlmeinender Kollege hatte den dringenden Rat gegeben, aus einer Position amerikanischer Bankaktien auszusteigen. Gesagt, getan. Danach ist der Kurs an einem Tag um 35 Prozent gestiegen. Es ist doch wirklich nicht zu fassen . . .

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Dabei wird den Banken noch Schlimmes bevorstehen - jedenfalls, wenn man außer manchen Finanzanalysten auch der frühchristlichen Literatur Glauben schenken darf, die hier, passend zu Ostern, in Gestalt des Hirten von Hermas zitiert sei: „Ich sah aber auch einen anderen Ort, . . . ganz finster, das war der Ort der Strafe . . . weiter standen Männer und Frauen bis an die Knie in einem See, der groß und mit Eiter und Blut und aufkochendem Schlamm gefüllt war. Das waren die, welche auf Zins liehen und Zinseszins forderten.“

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Wirtschaft heißt Zukunft und nicht Vergangenheit. Diese unbarmherzige Wahrheit zeigt aktuell der Insolvenzantrag von Karmann. In den Medien wurde die Nachricht üblicherweise bebildert mit, na womit schon? Natürlich mit einem Bild des legendären Karmann Ghia, der von 1955 bis 1974 gebaut wurde und mit dem sich der Name Karmann eher verbindet als mit jedem anderen Fahrzeug. Autos mit einer derart starken Individualität und zu erschwinglichem Preis fehlen heute auf den Straßen.

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Die Sonne scheint, die Bäume schlagen aus, die Vögel zwitschern, und viele Menschen fühlen sich durch den Frühling beschwingt. Wenn die überfällige Sanierung und Konsolidierung des deutschen Bankensystems jetzt nicht gelingt - wann dann? Der Bund hat den Aktionären der Hypo Real Estate ein in Anbetracht der Umstände großzügiges Abfindungsangebot gemacht, und die Commerzbank verhandelt mit Brüssel über den Verkauf von Teilen des Konzerns als Ausgleich für die Staatshilfen. Das ist doch schon einmal etwas. Wenn jetzt noch in die Neuordnung der Landesbanken Bewegung käme . . . Aber darauf wagt man eigentlich nicht mehr zu hoffen. Zu viel sollte man selbst von einem schönen Frühling nicht erwarten.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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