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Auf einen Espresso Allerorten Abschiede

03.07.2009 ·  Wenn in späteren Büchern über die deutsche Wirtschaftsgeschichte unserer Zeit Bedarf für ein Bild bestehen sollte, das die Absurdität politischen Handelns besonders eindrücklich belegt, haben wir einen Favoriten: Horst Seehofer mit dem Quelle-Katalog in der Hand.

Von Gerald Braunberger
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Wenn in späteren Büchern über die deutsche Wirtschaftsgeschichte unserer Zeit Bedarf für ein Bild bestehen sollte, das die Absurdität politischen Handelns besonders eindrücklich belegt, haben wir einen Favoriten: Horst Seehofer mit dem Quelle-Katalog in der Hand. Man kann sein Räsonnement leicht nachvollziehen: Der Quelle-Katalog hat immer noch eine hohe Auflage, Quelle ist eine bekannte Marke vor allem unter den Älteren, die Älteren bilden eine Stammwählerschaft der Union – folglich muss es für einen CSU-Ministerpräsidenten vorteilhaft sein, Unterstützung für Quelle zu zeigen. Dass die Bevölkerung angesichts der wachsenden Staatsverschuldung gegenüber dem Retten angeschlagener Unternehmen auf Kosten der Staatskasse skeptisch wird, hat die SPD anlässlich der Europawahl erfahren. Vielleicht erfährt ja auch noch Seehofer, dass platter Populismus gerade in Krisenzeiten nicht immer ankommt.

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Ein kleines Stück Luftfahrtgeschichte endete am vergangenen Mittwoch, als zum letzten Mal ein Airbus A300 der Deutschen Lufthansa in Frankfurt landete. Der A300 war das erste Modell, das Airbus Mitte der siebziger Jahre auf den Markt brachte, und die Lufthansa gehörte zu den ersten Kunden, die das Flugzeug orderte. Seinerzeit war das Konzept eines „Widebodies“, also eines Flugzeugs mit zwei Gängen für Kurz- und Mittelstrecken, ziemlich revolutionär. Denn der Airbus war der erste „Widebody“ mit nur zwei Turbinen; die anderen Flugzeuge dieser Größenordnung besaßen zwei oder drei. Der A300 wird schon lange nicht mehr gebaut und auch nur noch von wenigen bedeutenden Airlines geflogen. Die kleine Lufthansa-Flotte dürfte vermutlich über Leasing-Firmen in den Besitz von Fluggesellschaften aus Schwellen- oder Entwicklungsländern gelangen.

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Beim Flugzeugbau wollen wir noch einen Moment verweilen. Boeing will den amerikanischen Zulieferer Vought übernehmen. Hinter dieser für sich nicht spektakulären Meldung steht indessen eine sehr grundsätzliche Frage, die derzeit die Branche bewegt: Sind die vielfältigen Hindernisse, die den Erstflug der B787 („Dreamliner“) bis heute verzögern, vor allem das Ergebnis einer übertriebenen Strategie des Ausgliederns von Entwicklung und Produktion an Zulieferer („Outsourcing“)? Der Fremdanteil an der B787 beträgt rund 70 Prozent. Die Gründe für das Outsourcing sind offensichtlich. Es ist effizienter, Arbeiten an die besten Spezialisten zu delegieren, die auch einen erheblichen Teil der Entwicklungskosten übernehmen. Diese Strategie erweist sich jedoch als schädlich, wenn Boeing die Kontrolle über den gesamten Entwicklungs- und Produktionsprozess verliert. Mal sehen, ob der Konkurrent Airbus bei der Entwicklung und Herstellung des Dreamliner-Rivalen A350 irgendwelche Lehren zieht.

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Die beabsichtigte Reform des Parketthandels an der Frankfurter Wertpapierbörse darf über eines nicht hinwegtäuschen: Im Zeitalter der Computerbörse braucht niemand mehr einen Parketthandel – mit Ausnahme vielleicht des Börsenfernsehens, dessen Reporter dadurch, dass sie vor der großen Dax-Tafel abgebildet werden, den Eindruck erwecken, sie befänden sich am Puls des Börsengeschehens. Das ist eine vom Fernsehen gepflegte Illusion. Die wichtigen Entscheidungen, die Kurse machen, werden in den Finanzhäusern getroffen und dort von Mitarbeitern an Computern exekutiert. Der Parketthandel an der Börse ist in unserer Zeit etwa so zeitgemäß wie der gedruckte Quelle-Katalog im Zeitalter des Internets.

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Ist es Zeit für einen Abschied von der Hausse am Aktienmarkt? Tatsache ist, dass der Dax gegenüber seinem Zwischenhoch vor wenigen Wochen rund 10 Prozent verloren hat. Die Optimisten verweisen auf die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung, auf den Nachholbedarf von Investoren, die den Aufschwung seit März verpasst haben sowie auf einen Mangel an attraktiven Alternativen. Die Pessimisten sehen einen Bedarf für eine ausgedehnte Konsolidierung, auch wenn die wenigsten einen Einbruch erwarten. Vielleicht steht die Börse zur Abwechslung einmal vor ein paar ruhigen Monaten.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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