31.12.2009 · Liebe Deutsche Presse-Agentur: Wir bedanken uns herzlich nicht nur für deine gute Arbeit in diesem Jahr, sondern auch für den Spaß, den uns deine nicht ganz so gute bereitet hat: Die schönsten dpa-Berichtigungen 2009
Von Jörg ThomannFehler passieren jedem Journalisten. Je nach Medium erfahren sie unterschiedliche Aufmerksamkeit. Verhaspelt man sich im Radio oder im Fernsehen, dann heißt es, es versende sich – es sei denn, man leistet sich als Sprecher der Hauptnachrichten einen peinlichen Wortdreher: Der wird dann noch Jahrzehnte später in lustigen Sendungen abgespielt. In der Zeitung ärgern Tippfehler zwar die Leser, anderntags korrigiert werden in der Regel aber nur inhaltliche Schnitzer. Im Internet lassen sich Fehler in Sekundenschnelle beseitigen. Nicht so einfach haben es die Nachrichtenagenturen. Sie beliefern mit ihren Texten viele andere Medien und versuchen dabei, so schnell wie möglich zu sein; ist der Fehler dann erst einmal in der Welt und droht von den Kunden übernommen zu werden, bleibt ihnen nur, rasch eine Korrekturmeldung hinterherzuschicken (Bild für Bild: Die schönsten dpa-Berichtigungen 2009).
Am mutigsten agiert dabei der Marktführer, die Deutsche Presse-Agentur. Wo die Konkurrenz eher verschämt mitteilt, in der neuen Fassung der Meldung sei ein Wort gestrichen oder eines korrigiert worden, bekennt sich die dpa offen zu den eigenen Patzern, indem sie sie noch einmal zitiert: „Berichtigung: Broschüre statt Brosche im 1. Absatz“, ist so eine Korrekturmeldung dann überschrieben. Dies hat oft den Nebeneffekt, dass man auf den Fehler überhaupt erst aufmerksam gemacht wird – was uns die Gelegenheit verschafft hat, die hübschesten dpa-Berichtigungen dieses Jahres zu sammeln.
Tiefere Wahrheiten
2009 hat die Agenturjournalisten vor besondere Herausforderungen gestellt. Die Wirtschaftskrise brachte vor allem Zahlen mit sich, ungewohnt hohe Zahlen, weshalb die Verwechslung von Millionen und Milliarden zu den häufigsten Fehlern zählt. Im Krisenjahr dürfte mancher nicht einmal stutzig geworden sein, wenn der Gewinn eines großen deutschen Unternehmens im dritten Quartal mit 226 Euro ausgewiesen wird, weil die dpa die Millionen dahinter unterschlagen hat. Eine tiefere Wahrheit mag man herauslesen, wenn in der Agenturmeldung nicht der Verlauf der iranischen Wahl, sondern deren Verkauf kritisiert wird. Eher überraschend hingegen ist die Erkenntnis, dass von Washington bis nach München nur ein Buchstabe führt, wenn statt „Obamania“ von „Obamaia“ die Rede ist – was uns sogleich an die Uschi denken lässt.
Der zweite große Stolperstein neben der Finanzkrise war die Schweinegrippe, die uns die Agentur in allen nur denkbaren Varianten präsentierte: Scheinegrippe. Schweingrippe. Schweinegruppe. Sowie, besonders apart: Schweingerippe. Als ähnlich kompliziert erwies sich, warum auch immer, der Name eines deutschen Fernsehmoderators, der einmal als Johannes B. Jerner auftauchte, aber auch – und hier liegt wohl wieder eine tiefere Wahrheit verborgen – als Johannes B. Kenner.
Liebe Deutsche Presse-Agentur: Wir bedanken uns herzlich nicht nur für deine gute Arbeit in diesem Jahr, sondern auch für den Spaß, den uns deine nicht ganz so gute bereitet hat. Und wünschen uns für 2010 vor allem eines: dass du auch weiterhin deine schonungslos offenen Berichtigungsmeldungen verschickst.
Bild für Bild: Die schönsten dpa-Berichtigungen 2009
Jörg Thomann Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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