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Umfrage zu Köhler-Rücktritt FAZ.NET-Leser würden Lammert wählen

02.06.2010 ·  Arbeitsministerin Ursula von der Leyen gilt als Favoritin für das Amt der Bundespräsidentin - unsere Leser sehen das allerdings anders: Sie würden Bundestagspräsident Lammert bevorzugen, wie eine FAZ.NET-Umfrage zeigt. In einem sind sie sich jedoch einig: Köhlers Rücktritt war unnötig.

Von Oliver Georgi
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Bei der Suche nach einem Nachfolger für den zurückgetretenen Horst Köhler scheint derzeit vieles auf die Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zuzulaufen. Sie sei die klare Favoritin der Kanzlerin, heißt es aus Berlin, lediglich die FDP müsse der Personalie noch zustimmen.

Bei den FAZ.NET-Lesern ist von der Leyen hingegen nicht die erste Wahl: Bei einer Umfrage, an der sich über 9000 Leser beteiligten, stimmten knapp die meisten (23 Prozent) für Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der ebenfalls noch als Kandidat gehandelt wird. Auf dem zweiten Platz: der frühere grüne Außenminister Joschka Fischer, den 22 Prozent gerne im höchsten Staatsamt sehen würden. Ebenfalls noch vor von der Leyen landete der einstige SPD-Finanzminister Peer Steinbrück, der vielen Lesern wegen seiner umsichtigen Politik während der Finanzkrise offenbar noch in guter Erinnerung ist. Erst dahinter rangiert die Arbeitsministerin - nur 15 Prozent würden mit ihr gern die erste Frau im höchsten Staatsamt sehen. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der schon 2004 für das Amt im Gespräch war, könnten sich 12 Prozent der Leser als Bundespräsident vorstellen. Auf dem letzten Platz landete der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der in der Umfrage lediglich sechs Prozent der Stimmen erreichte.

Ein sehr viel eindeutigere Meinung haben die FAZ.NET-Leser in einer anderen Frage - der Bewertung des Abgangs von Horst Köhler, der am Montag völlig überraschend den sofortigen Rücktritt von seinem Amt verkündet hatte, weil die Kritik an seinen Bundeswehr-Äußerungen „jeder Rechtfertigung entbehrt“ hätten, wie er sagte. „Ist Horst Köhlers Rücktritt angemessen?“, hatten wir in einer weiteren Abstimmung gefragt, und die Antwort der über 15.000 Teilnehmer fiel glasklar aus: Über 45 Prozent halten Köhlers Schritt für unbegründet und sind der Meinung, ein Bundespräsident müsse in seinem Amt auch hart geäußerte Kritik aushalten. Auch Köhlers Äußerungen selbst sind für viele Leser kein Grund, das Amt derart fluchtartig zu verlassen: 21 Prozent der Befragten halten sie zwar für fragwürdig, glauben aber nicht, dass sie einen Rücktritt rechtfertigen. Nur knapp über fünf Prozent - und damit die absolute Minderheit der Leser - halten Köhlers Äußerungen für so skandalös, dass er für sie als Bundespräsident ohnehin nicht mehr tragbar gewesen wäre.

Große Mehrheit versteht Köhlers Schritt nicht

Insgesamt sind damit über 70 Prozent der Befragten der Meinung, Köhlers Reaktion sei entweder unangemessen oder er selbst durch seine Bundeswehr-Äußerungen nicht mehr tragbar gewesen. Doch trotz dieser eindeutigen Stimmungslage gibt es durchaus auch noch Zustimmung für den abgetretenen Bundespräsidenten: 27 Prozent der Leser äußern Verständnis für Köhlers Handeln und konstatieren, die Kritik an seinen Bundeswehr-Äußerungen sei über jedes erträgliche Maß hinausgegangen. Deshalb beweise Köhler mit seinem Rücktritt wahre Größe.

Die Kommentatoren der großen Zeitungen sahen dies übrigens nicht so - viele sahen in dieser Begründung Köhlers lediglich ein vorgeschobenes Argument und verwiesen auf viel tiefsitzendere Probleme des Bundespräsidenten, die sich schon seit längerem abgebahnt hätten. Dünnhäutig sei Köhler und wenig kritikfähig, so die einhellige Meinung. Entsprechend harsch fielen die Reaktionen aus: von „Fahnenflucht“ (“Mitteldeutsche Zeitung“) war ebenso die Rede wie von einem „beschämenden Abgang“ (“Die Welt“). Andere sprachen von Köhler als dem „Absteiger des Jahres“ (“Leipziger Volkszeitung“) - und fast alle Leitartikler sahen in Köhlers überstürztem Abgang einen „respektlosen“ Schritt (“Thüringer Volkszeitung“), der der Würde des Amts nicht angemessen sei.

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Jahrgang 1977, Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

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