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Kochs Kampf für Wulff Andenpakt, letzter Akt

01.07.2010 ·  Vor dem dritten Wahlgang der Kür des Bundespräsidenten hielt Roland Koch eine emotionale Rede für seinen Andenpaktbruder Christian Wulff - der Kontrast zu dem als lustlos beschriebenen Appell der Kanzlerin soll auffallend gewesen sein.

Von Thomas Holl, Berlin
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Auf dieses „Hessenfest“ hatte sich Roland Koch gefreut. Das jährliche Sommerfest in der Hessischen Landesvertretung in den Ministergärten in Berlin wollte der Ende August aus dem Amt scheidende Ministerpräsident nutzen, um sich von vielen politischen Akteuren persönlich zu verabschieden. Doch die Zitterpartie um die Wahl Christian Wulffs zum Bundespräsidenten machte den Plan, einen lauen Sommerabend mit hessischen Spezialitäten wie Grüne Soße, Licher Pils und Ahle Worscht zu genießen, zunichte. Koch, mit ihm sein Nachfolger Volker Bouffier und viele andere Festgäste saßen in der Bundesversammlung im Reichstag fest.

Unter den Wartenden machten Berichte über eine Rede Kochs die Runde, mit der er vor dem dritten Wahlgang in der Unions-Fraktion motivierend und kämpferisch die Wahlmänner- und Frauen, aufgerufen habe, Wulff endlich nicht nur mit einfacher, sondern als Zeichen der wiedergefundenen Geschlossenheit mit absoluter Mehrheit zu wählen. „Koch hat Angela Merkel gezeigt, wie's geht“, erzählten Teilnehmer. Analytisch im Stile eines Juristen habe er seinen Parteifreunden zunächst die Folgen eines Scheiterns Wulffs vor Augen geführt, um dann ungewohnt emotional für seinen Andenpaktbruder als neues Staatsoberhaupt zu werben.

Demonstrative Übung in Koalitionsharmonie

Die Rede und der auf sie folgende donnernde Applaus sollen nicht alle in den ersten Reihen entzückt haben. Denn der Kontrast zu dem als lustlos und wenig mitreißend beschriebenen Appell der Kanzlerin sei auffallend gewesen. Gegen 22 Uhr, nach geglückter Präsidentenwahl und anschließender Dankesrede Wulffs kam es dann vor der großen Partybühne des Hessenfestes noch zu einem spontan inszenierten Auftritt der maßgeblich Beteiligten.

Umringt von Dutzenden Fotografen prosteten sich Angela Merkel, Guido Westerwelle, sein Lebenspartner Michael Mronz, Familienministerin Kristina Schröder, der hessische Bundesminister Michael Boddenberg, das Ehepaar Koch, der hessische FDP-Vorsitzende Jörg-Uwe Hahn und Regierungssprecher Dirk Metz mit Riesling aus dem Staatsweingut Kloster Eberbach zu. Nach dieser demonstrativen Übung in Koalitionsharmonie angesichts von bis zu 40 schwarz-gelben Stimmen für Joachim Gauck hielt Koch, der seinen dunklen Wahlanzug gegen sommerlich legere Kleidung gewechselt hatte, noch eine launige Festansprache. Das Umschwenken mancher schwarz-gelber Wahlleute von Gauck auf Wulff deutete er positiv: Der Tag habe - anders als von vielen Journalisten vorab kritisiert - gezeigt, wie „lebendig Demokratie ist“.

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