Home
http://www.faz.net/-gef-13zsk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Thüringen SPD-Basis will Schwarz-Rot stoppen

10.10.2009 ·  Es hätte ein SPD-internes Treffen werden sollen, aber es endete im öffentlichen Tumult: Das Ringen um mögliche Koalitionspartner der Sozialdemokraten in Thüringen offenbarte große Differenzen zwischen Landesvorsitz und Basis.

Von Claus Peter Müller, Erfurt
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (11)

Voller Emotionalität bis nah an die Grenze der Handgreiflichkeit haben die Thüringer Sozialdemokraten am Samstag im Erfurter Com-Center über ihren künftigen Kurs gestritten. Unter denen, die gekommen waren, herrschte Wut, dass der Landesvorstand der SPD unter Führung des Landesvorsitzenden Christoph Matschie mit achtzehn zu sechs Stimmen für Koalitionsgespräche mit der CDU und nicht mit der Linkspartei gestimmt hatte. So sehr hatten sich zahlreiche Sozialdemokraten „den Wechsel“ gewünscht.

Harald Klatt, prominenter Sozialdemokrat aus Erfurt, entglitten die Gesichtszüge. Alle seine Ortsvereine wollten Rot-Rot-Grün. „Der Wechsel“ sei an Kraft-, Mut- und Ideenlosigkeit gescheitert. „Dass wir mit den Schwarzen ins Bett gehen, ist der Tod. Und das für Nadelstreifenanzüge und Dienstwagen“, rief Klatt. Er forderte, dass vor wichtigen Entscheidungen zunächst die Basis gefragt werde. Wenn das der Landesvorstand nicht wolle, solle er zurücktreten. Der Landrat des Unstrut-Hainich-Kreises, Harald Zanker, sprach von einem „Säuberungsparteitag“, mit dem sich Matschies Mannschaft vor der Landtagswahl die Macht gesichert habe. Geras Oberbürgermeister Norbert Vornehm warnte, nach einer großen Koalition werde die SPD in fünf Jahren mit der Fünf-Prozent-Hürde kämpfen.

Keine Niederlage für Matschie

Matschie, aber auch der möglicherweise künftige Wirtschaftsminister Matthias Machnig oder der frühere SPD-Vorsitzende Gerd Schuchardt bekamen Ablehnung zu spüren. Schuchardt beschrieb die „Diskussion“ als gruselig. Er warnte: „Verursacht keinen Supergau, indem ihr die demokratisch gewählten Gremien verächtlich macht.“ Matschie und Machnig berichteten aus den Sondierungsgesprächen. Die SPD aber habe bis zur Grenze der Selbstaufgabe mit Linkspartei und Grünen um eine Koalition gerungen, sagte Matschie. Dann gingen seine Worte in einem höhnischen Murren unter.

Der Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein bat den Landesvorstand, nochmals in sich zu gehen. Dennoch war der gestrige Tag für Matschie keine Niederlage. In den Diskussionen, die sich in Kleingruppen am Rande des Treffens entsponnen, offenbarten sich abseits der Debatte im Plenum zahlreiche Befürworter des Matschie-Kurses. Auf dem Parteitag am 25. Oktober, der über die Koalition mit der CDU entscheiden soll, habe er eine Mehrheit, sagten seine Unterstützer.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1960, politischer Korrespondent für Nordhessen und Thüringen mit Sitz in Kassel.

Jüngste Beiträge