24.08.2009 · Nach der Schweigevereinbarung: Der thüringische Ministerpräsident Althaus (CDU) spricht nicht mehr öffentlich über den Skiunfall und seinen Umgang damit. Umfragen belegen unterdessen eine schwindende Zustimmung zu Schwarz-Gelb in Thüringen.
Von Claus Peter Müller, ErfurtDer thüringische Ministerpräsident Althaus (CDU) thematisiert den Skiunfall und seinen Umgang mit diesem Thema nicht mehr im Wahlkampf. Er hält sich damit an die Schweigevereinbarung, die er mit dem Witwer der bei dem Unfall getöteten Beata Christandl getroffen hat. Der Anwalt der Familie Christandl hatte am Wochenende in einem Schreiben mitgeteilt, dass die Verhandlungen zwischen ihm und Althaus' Anwalt, in denen es um die zivilrechtliche Auseinandersetzung geht, „nunmehr rasch und einvernehmlich abgeschlossen werden können“.
Zudem habe es „zwischenzeitig“ Gespräche gegeben, in denen „die Unstimmigkeiten über die zuletzt erfolgten Berichte ausgeräumt und die Einigkeit darüber bekräftigt wurde, dass über den weiteren Verlauf der Verhandlungen Stillschweigen bewahrt wird“. Zuvor hatte der Anwalt im Namen seiner Mandanten geäußert, da der Tod Frau Christandls eine zutiefst private Angelegenheit der Familie sei, würden die jüngsten Berichte über den tragischen Skiunfall von der Familie nicht nur als Vertrauensbruch, sondern auch als unangebracht und pietätlos gewertet.
Matschie: „Kaltschnäuzig“
Althaus hatte zuvor in Interviews unter anderem gesagt, er schließe Frau Christandl in sein tägliches Gebet ein. Er habe sich nach dem Unfall von neuem in seine Frau verliebt. Die Liebe und Nähe seiner Frau seien für ihn das wichtigste. Er habe Vergebung erfahren. Auf die Frage, durch wen er diese erfahren habe, nannte Althaus auch seine Frau und seine Kinder. Der Spitzenkandidat der SPD im Thüringer Landtagswahlkampf, Christoph Matschie, nannte Althaus' Umgang mit dem Thema „kaltschnäuzig“, und der Spitzenkandidat der Linkspartei, Bodo Ramelow, warnte vor der Berlusconisierung der Politik in Thüringen.
Nun äußert sich Althaus zwar nicht mehr über den Unfall, erscheint aber zunehmend gereizt. Im Gespräch mit Journalisten beteuerte er mehrfach: „Ich sage nichts zu dem, was Anwälte gesagt haben. Ich habe drei Mal gesagt, dass ich nichts sage. Ich sage es noch ein viertes Mal.“ Er habe das Thema nicht instrumentalisiert, sondern auf Fragen der Journalisten geantwortet. Das sei seine Pflicht. Er war am Neujahrstag mit der abwärts fahrenden Beata Christandl kollidiert, als er in deren Skipiste einbog und bergauf fuhr. Die Frau starb unmittelbar darauf an ihren Verletzungen. Ein Gericht in Österreich verurteilte Althaus wegen fahrlässiger Tötung. Er gilt als vorbestraft.
Keine Mehrheit für Schwarz-Gelb?
Indes hat die CDU, die seit 1999 in Thüringen allein regiert, nach den jüngsten Umfragen nicht einmal mehr die Chance auf eine Koalition mit der FDP. Althaus wies Aufforderungen aus seiner Partei, die Bereitschaft der SPD zu thematisieren, ein Bündnis mit der Linkspartei einzugehen, dem Vernehmen nach zurück. Sowohl 1999 als auch 2004 hatte diese Warnung der CDU zum Wahlsieg verholfen. Althaus soll auf den Hinweis, vor dem rot-roten Bündnis zu warnen, jeden „Aktionismus“ zurückgewiesen haben. Althaus wird in der CDU als beratungsresistent beschrieben.
In einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hatte er jüngst gesagt, unabhängig vom Ausgang der Wahl in Thüringen sei sein Platz in Erfurt. Es gab aber auch schon vor langer Zeit Überlegungen, dass der Rückzug Althaus' aus der ersten Reihe ein Preis sein könnte, den die SPD als Gegenleistung für eine große Koalition fordern könnte. An einer großen Koalition in Thüringen könnte die SPD im Bund und in Nordrhein-Westfalen ein Interesse haben, bis die Bundestagswahl und im kommenden Jahr die Landtagswahl im größten Bundesland vorüber sind.
Dann könnte die SPD in Thüringen das Bündnis mit der CDU unter einem Vorwand lösen und eines mit der Linkspartei und den Grünen eingehen, wenn diese in den Landtag kommen sollten. Inhaltlich liegen die drei linken Parteien auf einer Linie. Sie wollen längeres gemeinsames Lernen, mehr direkte Demokratie, eine stärkere Rolle des Staates in der Familienpolitik und die Energiewende. Am Montagabend treten die Spitzenkandidaten der Parteien zum Fernsehduell im Mitteldeutschen Rundfunk an.
Kleiner aber bezeichnender Ausschnitt des Artikels... "Althaus"
Alfons Crocusé (ALCR)
- 24.08.2009, 14:58 Uhr
Landes- und Bundespolitik
Peter Kronenberger (Peter-Kronenberger)
- 24.08.2009, 15:17 Uhr
Althaus: " Ich sage nichts " = die richtige Antwort: abtreten ....
Dieter Liepold (abraze)
- 24.08.2009, 15:50 Uhr
Hoffentlich betet der scheinheilige
heinz peter (pitiplatsch)
- 24.08.2009, 16:05 Uhr
@ Alfons Crocusé (ALCR)
Frank Möcking (Franktdf)
- 24.08.2009, 16:20 Uhr
Claus Peter Müller Jahrgang 1960, politischer Korrespondent für Nordhessen und Thüringen mit Sitz in Kassel.
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