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Müller gegen Lafontaine Meine Erfolge, Deine Erfolge

24.07.2009 ·  Er oder ich: Fünf Wochen vor der Landtagswahl im Saarland haben sich Ministerpräsident Peter Müller und sein Herausforderer Oskar Lafontaine das erste Mal zu einem Rededuell getroffen. Sieger gab es keinen, nur leichte Vorteile: für Oskar Lafontaine.

Von Oliver Georgi
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So sehr Peter Müller ihn eigentlich ignorieren wollte: Am Ende hat er sich dann doch noch auf eine direkte Konfrontation mit Oskar Lafontaine eingelassen - und das, obwohl sein Team längst entschieden hatte, ihn im Wahlkampf besser gar nicht mehr zu erwähnen. Vielleicht aber hat sich Müller auch an die Cowboy-Filme aus seiner Jugend erinnert, als er die Einladung für ein Streitgespräch mit Lafontaine zusagte - und an eine alte Western-Weisheit: Der Film steht und fällt mit dem Showdown.

Er oder ich: Das ist die Wahl, vor die Müller und Lafontaine auch die Saarländer stellen wollen, die am 30. August einen neuen Landtag wählen. Den SPD-Spitzenkandidaten Heiko Maas hat man deshalb gar nicht erst eingeladen - sehr zu dessen Missfallen, wie es heißt. Doch so eindeutig wie die Weltsicht endet das Duell an diesem Mittwochabend in der Saarbrücker Industrie- und Handelskammer nicht, allenfalls unentschieden. Ausgerechnet Ministerpräsident Peter Müller (CDU), der seine absolute Mehrheit am 30. August wohl verlieren wird, wirkt über weite Strecken angespannt, Oskar Lafontaine hingegen, im offenen Hemd und herausfordernd gut gelaunt, gibt sich gelassener, wirkt teils souveräner. So populistisch er mitunter auftritt: Für dieses Mal hat er die Rolle des ehemaligen Ministerpräsidenten angenommen, der die Erfolge, die Müller für sich beansprucht, allein auf sein Konto bucht.

Lafontaine beansprucht Erfolge für sich

Das Starterzentrum an der Universität des Saarlandes, die Ansiedlung neuer Unternehmen generell, auch der Ausbau der Infrastruktur: All das, sagt Lafontaine, sei doch nur durch seine, Lafontaines, Vorarbeit möglich geworden. Entsprechend gut gelaunt wirft er Müller vor, wichtige Projekte in den Sand gesetzt zu haben, etwa den Bau eines geplanten Großkraftwerks. Auch, dass die Landesregierung das Ende der Kohleförderung im Saarland eingeleitet hat, hält Lafontaine für unverantwortlich: „Ich habe noch nie verstanden, dass ein Ministerpräsident sich an die Spitze der Bergbaugegner setzt.“

Müller setzt dagegen: Wegen der schweren Grubenbeben sei ein Bergbau ohne Gefahr für Leib und Leben nicht mehr zu gewährleisten. Stattdessen müsse das Land künftig auf andere Industriezweige setzen, vor allem auf die Automobilindustrie, die er zum Kern der Landesidentität machen will. Auch sonst verweist Müller auf wirtschafts- und industriepolitische Erfolge - etwa auf den Passagierrekord am Saarbrücker Flughafen oder die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen, die in seiner Regierungszeit deutlich ausgebaut worden sei. Zudem habe es unter Lafontaine deutlich mehr Arbeitslose im Land gegeben als heute. Das sitzt. Dennoch wirkt Müller im Vergleich mehr unter Druck, fällt dem Kontrahenten des öfteren ins Wort.

„Ich bleibe Ministerpräsident“

Bildungspolitik, Arbeitslosenzahlen, Standortpolitik: Über 90 Minuten schlagen sich Müller und Lafontaine Statistiken, Erfolge und Misserfolge um die Ohren. Immer wieder lehnt sich Lafontaine entspannt zurück, wenn Müller spricht - das Bemühen, ministrabel zu wirken und vor allem gelassener als vor kurzem bei einem ZDF-Interview auf dem Saarbrücker Marktplatz, als er den ZDF-Moderator Peter Frey mehrfach ungehalten anblaffte, ist ihm deutlich anzumerken.

(K)ein Rededuell wie ein Western-Showdown also. Lediglich gegen Ende, als es dann doch noch um mögliche Koalitionen geht und Müller vehement für Schwarz-Gelb plädiert, aber weder eine große Koalition noch eine Zusammenarbeit mit den Grünen ausschließt, erreicht die Runde fast Schrödersche Dimensionen: „Ich bin Ministerpräsident und ich bleibe Ministerpräsident. Aus“, verkündet Müller. Auch Gerhard Schröder hat so etwas Ähnliches schon einmal gesagt. Wie die Sache ausging, ist bekannt.

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Jahrgang 1977, Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

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