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Im Gespräch: Reinhard Klimmt „Lafontaine kann uns die SPD nicht stehlen“

 ·  Seit Monaten wirbt Oskar Lafontaine im Saarland um SPD-Anhänger, jetzt reagiert sein Freund Reinhard Klimmt und startet eine Unterschriftenaktion, bei der sich 80 frühere Weggefährten von Lafontaine distanzieren. Im Gespräch mit Oliver Georgi erklärt Klimmt den Grund - und warum seine Freundschaft zu Lafontaine jetzt nicht mehr zählt.

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Lange hat er Oskar Lafontaines Abwerbebemühungen zugesehen, jetzt geht der frühere saarländische Ministerpräsident und Lafontaine-Freund Reinhard Klimmt in die Offensive: Mit einer Unterschriftenaktion, die unter anderem alle früheren SPD-Minister unter Lafontaine zeichnen wollen und die er kurz vor der Landtagswahl am 30. August per Zeitungsanzeige veröffentlichen will, soll seine Partei bei der Landtagswahl vor dem drohenden Stimmenverlust an die Linkspartei bewahrt werden. Im Gespräch erläutert der 66-Jährige seine Beweggründe - und warum seine Freundschaft zu Lafontaine jetzt nicht mehr zählt.

Herr Klimmt, Sie haben einen Aufruf zur saarländischen Landtagswahl zugunsten der SPD initiiert, in dem sich zahlreiche ehemalige Weggefährten Oskar Lafontaines finden. Hat Lafontaine Sie so geärgert, dass Ihnen jetzt der Kragen geplatzt ist?
Nein. Der Appell ist ja keiner gegen Oskar Lafontaine, sondern einer für Heiko Maas. Ich habe diesen Appell initiiert, um deutlich zu machen, dass die übergroße Mehrheit der Sozialdemokraten, die in der Vergangenheit viele Erfolge vorzuweisen haben, Heiko Maas unterstützt und niemand anderen. Um Lafontaine geht es mir gar nicht.

Das wird Ihnen kaum jemand glauben -  immerhin tourt Lafontaine seit Monaten durch das Saarland und reklamiert SPD-Erfolge für die Linkspartei…
Nein, mir geht es nicht um Persönliches. Ich will zeigen, dass die SPD im Saarland in ihren Grundstrukturen und in ihrer übergroßen Mehrheit zusammengeblieben und eine intakte Partei ist.

Lafontaine hat seit Monaten Schlagzeilen gemacht, indem er teils prominente SPD-Sympathisanten für die Linkspartei abwarb. Ist das nun der Gegenschlag; ein Coup, mit dem Lafontaine womöglich nicht rechnet?
Nicht unbedingt ein Gegenschlag. Aber ich wurde von vielen gefragt, was ich zum Landtagswahlkampf der SPD beitragen will, und dieser Aufruf ist das Ergebnis. Er ist sozusagen eine notarielle Beglaubigung, dass die SPD im Saarland geschlossen ist.

In dem Aufruf heißt es, Sie, die Unterzeichner, seien es gewesen, die der SPD an der Saar über Jahre ein Gesicht gegeben hätten. Haben Sie Angst, dass Lafontaine Ihnen die SPD stiehlt?
Das kann er gar nicht, auch wenn er immer wieder so tut. Sicher hat Lafontaine zu unseren Erfolgen beigetragen, er war unser Spitzenmann. Aber er war es nicht alleine, wir haben das alle zusammen gestemmt. Auch wenn er manchmal den Eindruck vermittelt, er habe das Saarland im Alleingang gerettet.

Ärgert es Sie, dass Lafontaine die Erfolge der SPD für die Linkspartei reklamiert?
Nein, weil das nur reine Wahlkampftaktik ist. Deshalb muss er jetzt auch unseren Aufruf hinnehmen. Gerade er lässt ja keine Gelegenheit aus, uns schlecht zu machen und hat die SPD schon bei etlichen Gelegenheiten regelrecht gequält.

Sie nennen sich nach wie vor einen Freund Lafontaines - haben Sie ihn vorher informiert?
Nein, unser Verhältnis liegt sozusagen auf Eis. Die SPD steht gerade in einer existentiellen Auseinandersetzung um das Saarland - das ist keine Phase, in der man solche Freundschaften pflegen kann. Wir sind nun mal in zwei verschiedenen Parteien und damit politische Gegner.

Wie viele Unterstützer haben Sie schon zusammen?
Bis jetzt circa 80.  Ein Teil, der bei einer Auftaktveranstaltung da war, hat schon unterschrieben, die anderen haben fest zugesagt und werden noch unterschreiben.

…darunter alle ehemaligen SPD-Minister unter Lafontaine, etwa der frühere Innenminister Friedel Läpple oder der frühere Finanzminister Hans Kasper, und viele Bürgermeister und Oberbürgermeister..
Ja, darauf bin ich besonders stolz. Wir wollen dadurch auch zeigen, dass die Liste der SPD-Leute, die Lafontaine angeblich zur Linkspartei hinübergezogen hat, bei weitem nicht so groß ist, wie immer gesagt wird. In dieser schwierigen Situation ist die SPD geschlossen, das ist das Signal.

Wie viel Überzeugungsarbeit haben Sie leisten müssen?
Keine so große, weil der Appell zugunsten von Heiko Maas ist und keinerlei Spitze gegen Lafontaine enthält. Der kommt darin überhaupt nicht vor. Das erleichtert es jenen, die sich immer noch eng mit Lafontaine verbunden fühlen, den Aufruf zu unterschreiben.

Trotzdem kann es Ihnen gut passieren, dass die SPD nach der Wahl mit Lafontaine koalieren muss - wird das jetzt schwieriger?
Nein, mit mir muss er ja nicht koalieren, das würde er auch wahrscheinlich nicht mehr machen. Aber Lafontaine wird nach der Wahl mit Sicherheit in Berlin bleiben.

Werden Sie im Schlusswahlkampf eine aktive Rolle übernehmen?
Ich werde eine Reihe von Veranstaltungen machen. Den Rest sollen diejenigen übernehmen, die bei der Wahl antreten.

Sie sind früher oft mit Oskar Lafontaine zum Pilze sammeln in den Wald gegangen. Werden Sie das irgendwann wieder machen?
Das weiß ich nicht (lacht). Aber ich hätte nichts dagegen.

Das Gespräch führte Oliver Georgi.

„Aufruf zur Landtagswahl“

In dem „Aufruf zur Landtagswahl“, den Reinhard Klimmt organisiert hat, distanzieren sich 80 frühere Weggefährten Lafontaines indirekt von dem früheren SPD-Ministerpräsidenten und heutigen Vorsitzenden der Linkspartei. In ihm fordern die ehemaligen SPD-Politiker - darunter alle ehemaligen Minister und viele frühere Staatssekretäre in den Landeskabinetten Lafontaines - dazu auf, den SPD-Spitzenkandidaten Heiko Maas zu wählen. Der Aufruf soll Ende August in regionalen Medien erscheinen. Nach Angaben von Klimmt wurde er unter anderem von den früheren SPD-Landesministern Friedel Läpple, Jo Leinen, Christiane Krajewski, Hans Kasper, Arno Walter und Brunhilde Peter unterschrieben.

Wörtlich heißt es in dem Papier:

„Wir haben über viele Jahre der SPD ein Gesicht gegeben. Wir setzen uns dafür ein, dass Heiko Maas Ministerpräsident wird. Heiko Maas hat unser Vertrauen, das Vertrauen der Sozialdemokraten, das Vertrauen der linken Mitte in unserem Land.“

In den vergangenen Monaten hatte der von 1985 bis 1998 in Saarbrücken regierende Lafontaine, der zur Landtagswahl als Spitzenkandidat der Linkspartei antritt, immer wieder den Eindruck erweckt, dass er auf die offene und heimliche Unterstützung einer Mehrheit in der saarländischen SPD für seine Politik und seine Person zählen könne. Als Bestätigung dafür begrüßten Lafontaine und seine Partei mehrfach auf Pressekonferenzen mehr oder minder im Saarland bekannte Sozialdemokraten als neue Mitglieder der Linkspartei.

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