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Hubert Ulrich Am Ziel

11.10.2009 ·  Schon immer hat Hubert Ulrich an vielen Strippen gezogen, jetzt ist er am Ziel: Der Vorsitzende der saarländischen Grünen führt seine Partei in die erste jamaikanische Landesregierung. Dass er dies durchsetzen konnte, hat mit seiner ideologischen Schrankenlosigkeit zu tun, vor allem aber mit ausgeprägtem Machtinstinkt.

Von Oliver Georgi
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Dass die saarländischen Grünen seit diesem Sonntag nicht mehr nur Königsmacher sind, sondern zum ersten Mal seit langer Zeit wieder an einer Landesregierung teilhaben werden, haben sie vor allem einem Mann zu verdanken: Hubert Ulrich, ihrem Vorsitzenden, der der Partei endlich zur ersehnten Macht verholfen hat. Schon bei den Landtagswahlen 1994 und 2004 hatte Ulrich, der 51 Jahre alte gelernte Wirtschaftsingenieur, einen erfolglosen Anlauf in die Regierung gestartet. Dass er nun beim dritten Mal erfolgreich ist, stärkt die ohnehin schon machtvolle Position in seiner Partei noch weiter, deren Richtung er seit 1991 als Vorsitzender bestimmt. Seither trimmte er die Grünen auf Realpolitik - nicht immer freilich blieb er dabei unumstritten. Einige, zumal aus dem linken Flügel, haben immer wieder kritisiert, Ulrich agiere rein machtpolitisch und bediene zu wenig die originär grüne Klaviatur. Auch deshalb hatte Ulrich in manchen Kreisen schnell den Spitznamen „Banalo“ weg.

Zugleich aber gilt es als eine von Ulrichs größten Stärken, keine ideologischen Denkbarrieren zu haben. Ulrich, der Flügellose, der von 2002 bis 2004 für die Grünen im Bundestag saß, verhandelte stets mit links wie mit rechts, und beides ohne Vorbehalte. So bildet er das Scharnier für die widerstrebenden Flügel seiner Partei, die sowohl aus Mitgliedern der gutsituierten saarländischen Mittelschicht besteht, die die CDU als Partner schon immer für vorstellbar hielten, als auch aus einem weitverzweigten studentischen Milieu, das tief im Fundi-Milieu verwurzelt ist. Dass der „Banalo“ Ulrich diese unterschiedlichen Teile seit Jahren zusammenhält, dankt ihm seine Basis, indem sie gewöhnlich geschlossen hinter ihm steht.

Auch deshalb ist Ulrich für die saarländischen Grünen das, was sein Lieblingsgegner Lafontaine der Linkspartei ist: die zentrale Leitfigur. Dem konnten auch kleinere Skandale nichts anhaben - auch nicht die „Dienstwagenaffäre“, wegen der Ulrich 1999 von allen politischen Ämtern zurücktrat. Der Vorwurf: Er habe Autos mit seinem Abgeordnetenrabatt erstanden und sie dann zum Listenpreis weiterverkauft. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren nach zwei Jahren ein. Auch angebliche Manipulationen an den Grünen-Mitgliederzahlen unter anderem in Saarlouis, wo Ulrich Kreisvorsitzender ist, machten 2007 Schlagzeilen. Erst nachdem die Bundespartei eingriff, versprach Ulrich, die Zahl der „Scheinmitglieder“ deutlich zu senken. Ein weiteres Beispiel für den gewieften Strippenzieher Ulrich. Auch nach der Landtagswahl sagte Ulrich in jedes Mikrofon, er habe noch keine Präferenz für ein Jamaika- oder ein rot-rot-grünes Bündnis - im Hintergrund aber warb er in der Partei heftig für sein heimliches Wunschbündnis mit CDU und FDP. Seit 1994 schloss er auf kommunaler Ebene - etwa in der Landeshauptstadt Saarbrücken - immer wieder schwarz-grüne Bündnisse und galt in dieser Hinsicht im Saarland als Vordenker. Ab sofort, da die saarländischen Grünen zum ersten Mal Teil einer „jamaikanischen“ Landesregierung werden, gilt das auch für den Bund.

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Jahrgang 1977, Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

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