26.11.2008 · Als langjähriges und aktives SPD-Mitglied bin ich aus der SPD ausgetreten, als einige Genossen (Lafontaine, Momper und andere) eine für mich nicht mehr erträgliche Auffassung zur Wiedervereinigung zeigten.
Als langjähriges und aktives SPD-Mitglied bin ich aus der SPD ausgetreten, als einige Genossen (Lafontaine, Momper und andere) eine für mich nicht mehr erträgliche Auffassung zur Wiedervereinigung zeigten. Seitdem warte ich darauf, dass die SPD zu einer Politik zurückfindet, die an so unterschiedliche Personen wie Brandt und Wehner anknüpft.
Diese Hoffnung muss ich seit dem Ypsilanti-Dramolett wohl endgültig begraben. Da werden Andersdenkende in einer stalinistischen Terminologie als "Abweichler" bezeichnet und aus den eigenen Reihen der Bestechung verdächtigt. Parteimitglieder der "Duldungspartner" reden von Schweinen. Eine Stimmung wie im Hofbräuhaus ist offenbar in der Hessen-SPD ausgebrochen. Wenn ich schon nicht von den Verantwortlichen an der Spitze der Hessen-SPD erwarten kann, dass sie sich sprachlich und mental zügeln, ja zumindest ihre Parteimitglieder vor im Nazi-Jargon angesiedelten Beleidigungen (Rathenau-Invektive) schützen, so erwarte ich doch von der SPD-Führung in Berlin ein klimatisch klärendes Wort.
Wo ist der Kanzlerkandidat? Hält er sich aus Feigheit oder Taktik gegenüber seinen Genossen zurück? Wo bleibt Herr Müntefering? Wer auf die "Seele" der Partei in solchen Momenten nicht als Meinungsgeber reagiert, verrät die beste Tradition der SPD, die einstmals das Ermächtigungsgesetz ablehnte und so als einzig legitimierte Nachkriegspartei auftreten konnte. Ich erwarte, dass endlich diejenigen Genossen, die sich tatsächlich parteischädigend verhalten haben - Ypsilanti und Entourage sowie Kurt Beck -, verantwortlich gemacht werden.
Dr. iur. Dr. phil. Rolf Berger, Königswinter