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Kommentar zur Hessenwahl Lieber heute als morgen

11.01.2009 ·  Das Verhalten der SPD-Führung um Andrea Ypsilanti hat nicht nur für Verdruss gesorgt, sondern auch für neues Interesse an der Landespolitik. Selten wurde der Souverän so klar über die wahren Absichten der Kandidaten informiert wie vor dieser Wahl.

Von Matthias Alexander
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Wie eingefroren sind die Zahlen, die die Meinungsforschungsinstitute zur bevorstehenden Hessenwahl liefern. Keine Bewegung seit Anfang Dezember, nirgends. Das Kalkül von Ministerpräsident Roland Koch (CDU), mit einem betont gelassenen, fast präsidialen Wahlkampf zum Ziel zu kommen, scheint aufzugehen.

Es ist nicht damit zu rechnen, dass sich die Situation in der heißen Wahlkampfphase der nächsten Tage ändern wird. Die Meinungsforscher, zu deren obersten Tugenden die Vorsicht gehört, weisen allerdings pflichtgemäß auf die Unsicherheitsfaktoren ihrer Projektionen hin. Das geringe Interesse an Landespolitik und die hohe Unsicherheit vieler Bürger, wen sie wählen sollen, wenn sie überhaupt zur Wahl gehen, lassen die Demoskopen von klaren Prognosen absehen.

Machtwort des Souveräns

Gegen große Überraschungen spricht jedoch die Intensität, mit der das Publikum die Ereignisse des vergangenen Jahres verfolgt hat. Das Verhalten der SPD-Führung um Andrea Ypsilanti hat nicht nur für Verdruss gesorgt, sondern auch für neues Interesse an der Landespolitik. Und vor allem für eine Klärung der Verhältnisse. Selten ist der Souverän hierzulande so gut informiert über die wahren Absichten der Kandidaten an die Urne getreten wie am 18. Januar.

Im bürgerlichen Lager wirkt die Erinnerung an Ypsilanti und die Folgen weiterhin wie ein Stimulans. Der Wahlkampf dient CDU und FDP nur dazu, kleinere Mobilisierungsreserven zu heben. Für die SPD wird dagegen die Antwort auf die Frage, ob sie ihre Kernwählerschaft doch noch einmal motivieren kann, den Unterschied zwischen schwerer Niederlage und Debakel ausmachen.

Das treibt vor allem den Spitzenkandidaten der SPD an, der sich rastlos bemüht, seinen Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Gleichzeitig weiß er, dass der Wahlkampf mit hoher Wahrscheinlichkeit nur ein Warmlaufen für die anschließenden innerparteilichen Machtkämpfe ist. Es gilt also auch für ihn, Fehler zu vermeiden und Kräfte zu schonen.

Kein Wunder, dass allseits der Wunsch herrscht, lieber heute als morgen zu wählen. Womöglich wird man eines Tages die Klugheit des hessischen Souveräns preisen. Dass er den übermotivierten Parteien im Jahr 2008 verdientermaßen eine Denkpause verordnet hat und 2009 ein klares Machtwort gesprochen hat.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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