14.12.2008 · Im Wahlkampf kann Roland Koch mit seiner Selbstdarstellung als Wirtschaftsfachmann und Macher punkten, während Thorsten Schäfer-Gümbel seine Rolle noch nicht gefunden hat. Der wachsame Wähler wird genau hinhören und die Politiker an ihren Worten messen.
Von Matthias AlexanderWährend draußen Handwerker Roland Koch noch das Dach wetterfest macht, führt drinnen die schwäbische Hausfrau Angela Merkel schon ihr sparsames Regiment. Die Rollenbilder, die sich die beiden Spitzenkräfte der Union dieser Tage auf Parteitagen in Stuttgart und Hofheim zugeschrieben haben, sagen viel aus über das Selbstverständnis der CDU in Zeiten des globalen Finanzorkans. Zupackend, schützend und mit Blick für das Machbare will sie sich präsentieren.
Dass sie dabei auch etwas bieder wirkt, ist einkalkuliert. Koch weiß ganz genau, dass das Wahlvolk von einem Krisenmanager Kompetenz und Erfahrung erwartet. Das Image des brillanten, aber kühlen Technokraten, das ihm bisher zum Nachteil gereichte, könnte sich nun als Trumpf erweisen. Koch setzt im Wahlkampf jedenfalls ganz auf diese Karte, andere Themen streifte er in seiner Rede auf dem Nominierungsparteitag der CDU nur kurz.
Wenig Hoffnung auf einen mittelhessischen Obama
Sein Widersacher Thorsten Schäfer-Gümbel geht den umgekehrten Weg. Die Wirtschaftskrise war für ihn auf dem Alsfelder Parteitag nur ein Thema unter vielen. Ökologie, Soziales, Bildung – die hessische SPD, die innerlich in diesem für sie schrecklichen Jahr schon stark genug durchgeschüttelt wurde, muss vorerst auf programmatische Kontinuität setzen, wenn sie die Orientierung nicht völlig verlieren will.
Anders als Koch hat Schäfer-Gümbel in dieser Gemengelage seine Rolle noch nicht gefunden. Der Wunsch der geschundenen Partei nach einem politischen Heilsbringer spiegelt sich in den Kennedy-Anspielungen, die im Namenskürzel „TSG“ mitschwingen. Dass die Hoffnung auf einen mittelhessischen Obama ironisch gebrochen sind, spricht immerhin für die Rückkehr der SPD zu einer realistischeren Selbstwahrnehmung.
Die Frage ist allerdings, ob dem Wähler derzeit nach subtiler Ironie ist. Mit der Hellhörigkeit, die er sich in den vergangenen Monaten angewöhnt hat, wird der hessische Souverän die wichtigen Botschaften heraushören. Und die lauten im Fall von Schäfer-Gümbel, dass die SPD als Juniorpartner einer großen Koalition unter Koch nicht zur Verfügung steht, für eine Neuauflage des rot-rot-grünen Experiments dagegen schon. Alles also wie vor zwölf Monaten. Nur dass es jetzt alle wissen.
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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