16.01.2009 · Elefanten im Kramladen: „3 Tage vor der Wahl“ im Hessischen Rundfunk scheinen die Verhältnisse unter den Spitzenkandidaten einigermaßen klar. Die Luft ist raus. Ab und an fallen sich die politischen Kontrahenten ins Wort, doch es ist kein Vergleich zu dem Wahlkampf vor einem Jahr.
Von Michael HanfeldWenn man die beiden nebeneinander stehen sieht, Roland Koch und Thorsten Schäfer-Gümbel, muss man unwillkürlich an die „Muppet Show“ denken. Wie die - etwas verjüngten - alten Herren Statler und Waldorf wirken die Wahlkämpfer im Studio des Hessischen Rundfunks, in dem am Donnerstagmorgen die „Elefantenrunde“ zur Hessenwahl aufgezeichnet wird.
Dem Linkspartisten Willi van Ooyen, der schon vor Beginn der Sendung schwitzt, wird derweil noch einmal, zweimal, dreimal die Nase gepudert. „Mach mal irgendwas“, hört man aus der Regie. „Heute machen wir Ernst“, sagt einer aus der Fünferrunde, zu der noch der Grüne Tarek Al-Wazir und Jörg-Uwe Hahn von der FDP gehören. Doch wirklich ernst wird es in den kommenden neunzig Minuten für niemanden. Die Luft ist raus, die Verhältnisse scheinen einigermaßen klar. Und wir sehen die „Elefanten“ nicht im Porzellan-, sondern im Kramladen, wie sie sich durch die politische Agenda dieser Tage wursteln.
Niemandem zu Leibe rücken
„Sie können miteinander diskutieren, Sie müssen nicht auf unsere Fragen warten, aber wir haben welche“, sagt der Chefredakteur des HR-Fernsehens, Alois Theisen, vor Beginn der Aufzeichnung. Die Herren erscheinen allesamt gut gelaunt, und das wird sich nicht ändern, denn Theisen und seine Kollegin Ute Wellstein haben zwar jede Menge Fragen, aber sie haben nicht vor, jemandem wirklich zu Leibe zu rücken. Den härtesten Schlagabtausch liefern sich noch Theisen und van Ooyen.
Als der Chefredakteur nach der Bildungspolitik der Linken fragt und die Abkürzung SED (für „Sozialistische Einheitsschule in Deutschland“) bemüht, stöhnt van Ooyen, dass ein „Reaktionär“ wie sein Gegenüber wohl nicht aus seiner Haut herauskönne. So plump die Anmerkung des Journalisten erscheint, so bedächtig bleiben seine und die Fragen seiner Kollegin. Ab und an fallen sich die politischen Kontrahenten ins Wort, doch es ist kein Vergleich zu dem Wahlkampf vor einem Jahr.
„Wer fühlt sich als Sieger?“
Um Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft geht es, dann um die Bildungspolitik und wird endlich etwas schärfer, wobei sich auch hier alle stromlinienförmig und lernfähig zeigen, wollen sie doch die schulische Vielfalt erhalten und - bis auf die Linkspartei - niemandem eine Schule für alle aufzwingen. Ins Schlingern kommt allenfalls Jörg-Uwe Hahn bei der Frage, wie sich denn die FDP als mögliche Regierungspartei im Bundesrat verhält, wenn es dort um das Konjunkturpaket zwei der Bundesregierung geht, das die FDP ja ablehnt. Man werde nicht blockieren, sagt Hahn, alles Weitere bleibt so unklar wie die Koalitionsaussage der SPD. Die letzten neun Monate, das merkt man, wollen die Matadore schnell vergessen, der Name Andrea Ypsilanti fällt gerade zwei, drei Mal. Sie scheint auch für die hessische SPD schon Geschichte zu sein.
„Wer fühlt sich als Sieger?“, will einer der schreibenden Kollegen, die zugesehen haben, nach dem Abspann wissen. Ein Riesenlacher fährt durch die Runde, von Statler-Koch bis Waldorf-Gümbel. Platzhalter, nicht Sieger haben wir gesehen, aber sie werden ermittelt an diesem Sonntag. „Hessische Verhältnisse“, auch darin sind sich alle einig, darf es nicht mehr geben.
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