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Sonntag, 19. Februar 2012
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Hessen-Wahl Genug Gründe für 100 Prozent

17.01.2009 ·  Vier von zehn Wahlberechtigten in Hessen wissen noch nicht, wem sie am Sonntag ihre Stimme geben sollen. Eine merkwürdige Indifferenz, denn an Entscheidungsgründen war das zurückliegende Jahr so gespickt, dass die Wahlbeteiligung nicht weit unter 100 Prozent liegen dürfte.

Von Werner D’Inka
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Eigentlich hat Thorsten Schäfer-Gümbel Humor. Schmallippig reagiert der SPD-Spitzenkandidat nur, wenn er auf Andrea Ypsilanti angesprochen wird. „Wir machen doch hier keinen Klamauk“, blaffte er neulich einen Moderator an, der gar nicht aufhören wollte zu fragen, ob Ypsilanti, immerhin auf Platz zwei der Landesliste, theoretisch Platz hätte in einem von Schäfer-Gümbel geführten Kabinett.

Oft kam es freilich nicht vor, dass in diesem Wahlkampf die Fetzen flogen. Weil Schäfer-Gümbel – anders als Ypsilanti – die Wahl nicht zu einem Ringen zwischen Gut und Böse auflädt und weil Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wie ein Boxer, der sich seiner Überlegenheit sicher fühlt, den Nahkampf meidet, fehlt die Schärfe des Vorjahres. Aus unterschiedlichen Gründen wollen beide das Jahr 2008 ohnehin am liebsten vergessen machen. Koch, weil ihm eine Konkurrentin, die er nicht für ebenbürtig hält, zeitweilig das Heft des Handelns entwunden hatte. Und Schäfer-Gümbel, weil ihm dieselbe Dame ein Päckchen auflud, von dem er hofft, dass es mit der Zeit nur leichter werden kann.

Mehrheit der Wähler begrüßte Chance zur Neuwahl

Und die Wähler? Der „hessischen Verhältnisse“ überdrüssig, hieß die große Mehrheit die Auflösung des Landtages und die Chance zur Neuwahl gut. Wenn es stimmt, was die Demoskopen sagen, sind allerdings vier von zehn Wahlberechtigten noch unentschlossen. Eine merkwürdige Indifferenz, denn an Unterhaltungswert und an Entscheidungsgründen war das zurückliegende Jahr so gespickt, dass die Wahlbeteiligung eigentlich nicht weit unter 100 Prozent liegen dürfte.

Nebenbei: Noch einer wünscht vermutlich, das Jahr 2008 hätte es nie gegeben. Kurt Beck war noch SPD-Vorsitzender, als er auf einer Kundgebung in Wiesbaden den Leuten Tränen in die Augen trieb mit der Empörung über eine CDU, die mit ihrer „Kampagne gegen einen Linksblock aus SPD, Grünen und Kommunisten“ alle Sozialdemokraten verhöhne, die in Bautzen und in anderen Stasi-Verliesen gelitten hätten. Es dauerte nicht lange, und Beck plauderte öffentlich über die Wahl Ypsilantis zur Ministerpräsidentin mit den Stimmen der Linken. Für beide ging der Schuss nach hinten los.

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