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Der Finanzminister Schäubles Lächeln

23.10.2009 ·  Er soll gelächelt haben, als ihm die entsprechenden Agenturmeldungen vorgetragen wurden, und dann ungefähr gesagt haben: Mal sehen, was Nachmittag und Abend noch alles an Gerüchten bringen werden. Peter Carstens über den künftigen Finanzminister Wolfgang Schäuble.

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Als Wolfgang Schäuble am Freitagmorgen im Innenministerium mit seinen Mitarbeitern die Terminlisten für die kommende Woche durchging, gab es noch drei theoretische Varianten. Erstens: Der Minister wird entlassen. Das schien nach dem erfolgreichen Verlauf der Verhandlungen in der Arbeitsgruppe Innen und Recht ziemlich unwahrscheinlich. Umso wahrscheinlicher die zweite Möglichkeit: Schäuble bleibt Innenminister. Und die dritte? Schäuble wird Finanzminister. Er soll gelächelt haben, als ihm die entsprechenden Agenturmeldungen vorgetragen wurden, und dann ungefähr gesagt haben: Mal sehen, was Nachmittag und Abend noch alles an Gerüchten bringen werden.

Vielleicht wusste er da schon aus nächtlichen Gesprächen, dass dies für die Kanzlerin diesmal eine realistische Option sein könnte. Schäuble hat nämlich mehrfach die bittere Erfahrung dessen gemacht, der immer wieder für Ämter genannt wird – beispielsweise als Regierender Bürgermeister von Berlin, als Bundestagspräsident, als Bundespräsident, als EU-Kommissar – es dann aber doch nicht wird. Er war in diesen Dingen misstrauisch geworden, wohl auch gegenüber der Bundeskanzlerin Merkel, die ihn einstmals als Generalsekretärin der CDU abgelöst hatte, als der damalige CDU-Vorsitzende Schäuble in den Strudel der Parteispendenaffäre geriet und im Jahre 2000 sein Amt an sie abgeben musste.

An den Rollstuhl gefesselt

Es schien, als sei dieser Sturz das Ende einer langen politischen Karriere, die 1972 mit dem Einzug in den Deutschen Bundestag begonnen hatte. Schäuble war im Kabinett des Bundeskanzlers Kohl zunächst Minister für besondere Aufgaben, dann von 1989 an Innenminister. Als solcher handelte er maßgeblich den Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR aus. Beim Attentat eines Geistesgestörten wurde er im Wahlkampf 1990 schwer verletzt.

Schäuble, von mehreren Pistolenkugeln getroffen, blieb fortan an den Rollstuhl gefesselt. Er übernahm den Fraktionsvorsitz der CDU/CSU, den er 2000 aber ebenfalls verlor. In der Oppositionszeit befasste sich der Jurist aus dem Badischen vor allem mit außenpolitischen Fragen. Bei der Regierungsbildung für die große Koalition wurde er 2005 wieder Innenminister. Dieses Amt hat er seither souverän ausgefüllt, die Herausforderung durch den Terrorismus stets vor Augen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit bestand denn auch darin, die Sicherheitsbehörden des Landes gegen diese Bedrohung zu ertüchtigen.

In der öffentlichen Wahrnehmung wurde sein Engagement gelegentlich auf diese Sicherheitsbelange verengt. Respekt zollten ihm aber selbst seine Gegner für sein Bemühen um die Integrationspolitik. Die von ihm organisierte „Deutsche Islamkonferenz“ gehört zu den Marksteinen seiner zweiten Amtszeit ebenso wie das Bemühen, den Zusammenhalt in der demokratischen Gesellschaft zu fördern.

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