28.09.2009 · Christlich, konservativ, liberal: Die traditionell dreischichtige Wählerschaft der CSU spaltet sich und stellt sie vor allem vor die Frage: Wie geht man mit der FDP um? Seehofer steht vor einem Rätsel.
Von Georg Paul HeftyIm bayerischen Himmel ist es wie im biblischen, den Westerwelle so gern mit der größeren Freude über einen einzigen Bekehrten als über hundert Gerechte zitiert: Es herrscht mehr Freude über eine 14,7-Prozent-Partei als über eine mit 42,6 Prozent. Dabei ist die Freude der frisch gestärkten Freien Demokraten verständlich, nicht aber die verbreitete Häme über die CSU, deren gegenwärtige und frühere Führungsleute sehr wohl wissen, dass sie krachend verloren haben, man muss sich nur den geknickten Parteivorsitzenden Seehofer anschauen.
Doch keine andere Partei kommt in ihrem Wahlgebiet auf die besagten mehr als 42 Prozent bei den Zweitstimmen, und keine andere Partei erringt in ihrem Gebiet ausnahmslos alle Direktmandate, einschließlich eines Erststimmenrekords von mehr als 68 Prozent. CDU oder SPD können von derlei nur träumen.
Auch wenn die Rechnung stimmt, dass die Verluste der Union unter die 34-Prozent-Marke diesmal auf die Verluste der CSU zurückgehen, so gilt umgekehrt, dass die CDU ohne die CSU noch schlechter abschneiden würde. Einstweilen gilt: Die CSU hebt den Unionsdurchschnitt.
Hauptnutznießer FDP
Die Gefahr für die CSU ist offensichtlich. Jetzt verlor sie 6,7 Prozent bei den Zweit- und sogar 6,9 Prozent bei den Erststimmen - in beiden Fällen offenkundig zugunsten der FDP, die davon jeweils mehr als fünf Punkte einheimsen konnte. Doch schon bei der Bundestagswahl 2005 hatte die CSU im selben Maße verloren: mehr als neun Prozent bei den Zweitstimmen, fast vier Prozent bei den Erststimmen.
Auch damals war die FDP der Hauptnutznießer. Dies heißt nichts anderes, als dass die traditionell dreischichtige Wählerschaft der CSU (Strauß: christlich, konservativ, liberal) sich spaltet: Die Liberalen ohne christliche Prägung gehen zur FDP - bei der Kommunalwahl, bei der Landtags- und bei der Bundestagswahl.
Das stellt die CSU, die mit ihrer Sozialpolitik die Arbeiterschaft an sich bindet, wie die bayerischen Autostädte zeigen, mit neuer Aktualität vor die uralte Frage: Wie geht man mit der FDP um? Strauß hat sie bekämpft, scheute vor einer Änderung des Wahl- wie auch des Parteiensystems nicht zurück. Seehofer hingegen musste nach der Landtagswahl eine Koalition mit ihr eingehen - und hat trotzdem oder deswegen sie jetzt klein zu halten versucht. Wenn er es falsch gemacht hat, wie wäre es richtig gewesen - und warum lief es 2005 dennoch falsch?
Georg Paul Hefty Jahrgang 1947, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Zeitgeschehen“.
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