28.10.2009 · Im Bundesfinanzministerium gibt es zum Amtsantritt des neuen Hausherrn Wolfgang Schäuble (CDU) die erste dicke Überraschung. Die engen Mitarbeiter seines Vorgängers Peer Steinbrück (SPD) dürfen vorerst weitermachen.
Von Manfred SchäfersIm Bundesfinanzministerium gibt es zum Amtsantritt des neuen Hausherren Wolfgang Schäuble (CDU) die erste dicke Überraschung. Die engen Mitarbeiter seines Vorgänger Peer Steinbrück (SPD) dürfen vorerst weitermachen. Wie verlautete, sollen die beiden beamteten Staatssekretäre Jörg Asmussen (Finanzmärkte und Internationales) und Werner Gatzer (Haushalt) zunächst weitermachen. An diesem Donnerstag ist die Übergabe in der Wilhelmstraße. Dann dürften die Mitarbeiter über den Entschluss informiert werden.
Asmussen wie Gatzer haben schon anderen SPD-Ministern gedient. In beiden Fällen stellt Schäuble dem Vernehmen nach erst einmal die Kontinuität über die parteipolitische Ausrichtung. Das ist verständlich, die nächste internationale Konferenz zur Regulierung der Finanzmärkte kommt bestimmt. Asmussen ist, obwohl er für einen Staatssekretär mit 42 Jahre immer noch erstaunlich jung ist, gut vernetzt, im Inland wie im Ausland, in der Finanzwelt wie mit den Finanzministerien der Welt. Auch der nächste Haushalt kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Der Entwurf für das Jahr 2010 ist zu überarbeiten, parallel dazu ist die mittelfristige Finanzplanung dem Koalitionsvertrag und der Wirtschaftslage anzupassen. Da ist ein eingespieltes Team hilfreich.
Der neue Mann verzichtet nicht auf eigene Leute
Doch ist es nicht so, dass der neue Mann auf eigene Leute verzichtet. Er zieht nicht nur mit seinem Sekretariat, sondern auch seinem Büroleiter Bruno Kahl um, der ihn auf seinem wechselvollen politischen Leben treu begleitet. Auch Markus Kerber wechselt aus dem Innenministerium ins Haus der Zahlen, er ist dort für Grundsatzfragen zuständig gewesen. Neuer Pressesprecher wird Michael Offer, bisher arbeitete er an der Seite des haushaltspolitischen Sprechers der Unionsfraktion Steffen Kampeter, der wie Hartmut Koschyk als Parlamentarischer Staatssekretär Schäuble zur Seite stehen wird.
Dass Schäuble an Asmussen festhält überrascht, nachdem die FDP, aber auch einige aus der Unionsfraktion lange darauf hingearbeitet haben, den Vertrauten Steinbrücks zu stürzen. Der Grünen-Politiker Gerhard Schick zeigte sich schon empört. Über Wochen habe die FDP mit Guido Westerwelle an der Spitze den Rücktritt von Asmussen gefordert. Im Koalitionsvertrag habe die FDP keine Änderung der Finanzmarktpolitik erreicht. Nun bleibe auch personell alles beim Alten, wenn sich die Union mit der Idee durchsetze, Asmussen zu halten. Schick sprach vom Elchtest für die FDP.
Der politische Beamte mit dem SPD-Parteibuch profitiert offenbar von mächtigen Unterstützern. Im Kanzleramt steht er hoch im Kurs, spätestens seit er mit mit dem Wirtschaftsberater von Angela Merkel, Jens Weidmann, das Auffangnetz für die Banken geknüpft hat. Auch in der Bundesbank genießt er hohes Ansehen. Präsident Axel Weber schätzt seine schnelle Auffassungsgabe wie guten Verbindungen. Asmussen und Weber kennen sich schon lange. Einst studierte Asmussen bei Weber, dann schlug er seinem damaligen Chef Hans Eichel (SPD) seinen früheren Professor für das wichtige Amt in Frankfurt vor. Seit den Bonner Universitätszeiten kennt er auch Weidmann. Asmussen gehört zur Spezies der loyalen Beamten. Er hält seinem Chef den Rücken frei, wo er kann. Die Bankenkrise hat ihn nahezu rund um die Uhr beschäftigt. Für die Familie hatte der Vater eines jungen Kindes noch weniger Zeit als sonst.