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Linkspartei Für „Die Linke“ ist der Wahlkampf nie vorbei

27.09.2009 ·  Keine Häme gegen die SPD: Die Linkspartei stellt sich auf ihrer Wahlparty auf die neue Rolle als eine von zwei sozialdemokratischen Oppositionsparteien ein. Aber richtig ausflippen möchte das Publikum bei den Prognosen aus Brandenburg.

Von Mechthild Küpper
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Schon um halb sechs Uhr abends in der U-Bahn ist klar, dass die Linkspartei einen Sieg errungen hat. Ein Berliner „Linke“-Politiker nach dem anderen steigt in die U2 ein und an der Station „Eberswalder Straße“ wieder aus, umringt von so vielen Leuten, die dasselbe Ziel haben, dass es keinen Zweifel daran geben kann.

Ihre Wege führen in die „Kulturbrauerei“ in Prenzlauer Berg. Denn für richtig große Partys ist die Geschäftsstelle, das Karl-Liebknecht-Haus in Mitte, zu klein, zu verwinkelt und wohl auch zu muffig. Der Abschluss des Superwahljahrs 2009 wird daher in der „Kulturbrauerei“ gefeiert, die eine jugendlichere und frischere Ausstrahlung hat. Überall in der Stadt war zur Party eingeladen worden, sowohl Gregor Gysi als auch Oskar Lafontaine wurden angekündigt - für die Linkspartei ist der Wahlkampf nie vorbei.

„Eins plus eins ist viel, viel mehr!“

Doch zunächst ist es Bodo Ramelow, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag und Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Thüringen, der vor der Bühne im großen Zelt von Journalisten umringt wird. Er ist in Berlin, um am Montag sein Bundestagsmandat niederzulegen. Dann kommt die Prognose. Die Ergebnisse für die CDU und die SPD werden höhnisch bejubelt. Dann, bei dem Ergebnis der FDP, kommt ein lautes „Buh!“ - gefolgt von langem Applaus und lautem Stöhnen, das vor Zufriedenheit fast basstief klang: 13 Prozent für die Linkspartei! Über 80 Mandate für ihre Kandidaten - das gibt noch einmal Jubelschreie.

Der Fraktionschef der Linkspartei rechnet damit, dass ein gutes Ergebnis für seine Partei auch alle anderen Parteien verändern wird. Alle würden sozialer werden, außer vielleicht die FDP, sagte Gysi.

Caren Lay, die frühere Fraktionsgeschäftsführerin im Sächsischen Landtag, kann sich nun ziemlich sicher sein, bald Bundestagsabgeordnete zu sein. Wie es mit den Berliner Kandidaten aussieht, ist noch nicht zu sagen. Die Nachricht, dass in Schleswig-Holstein die Linkspartei im Landtag ist, wird erfreut aufgenommen. Aber richtig ausflippen möchte das Publikum bei den Prognosen aus Brandenburg: SPD 30, Linkspartei 30 - das ändert sich später zwar noch, aber die Leute, die zum Feiern in die „Kulturbrauerei“ gekommen sind, können sich kaum fassen: 30 - 30, unglaublich!

Ramelow erläutert, dass das gute Ergebnis in Brandenburg schon Tradition hat. Thüringen und Brandenburg seien oft gleichauf und stark. „Die Einheit wächst nach innen“, sagt er zu den drei Wahlergebnissen des Abends. Bei der Bundestagswahl 2005 habe die neue Partei einen „Kredit von den Wählern“ bekommen, „heute haben die Bürger uns eine Dividende gezahlt“. Und zum Fusionsprozess, den er für die PDS mit der WASG begleitete, sagt er: „Eins plus eins ist viel, viel mehr!“

Keine Häme gegen die SPD

Dietmar Bartsch, der Geschäftsführer der Linkspartei, der auch diesen Wahlkampf geleitet hat, kommt so früh auf die Bühne wie selten: Dieser Sonntag sei die einstweilige „Krönung“, sagt er. „Heute wird von Rügen bis zum Bodensee gefeiert!“ Die Linkspartei habe „die Ernte eingefahren“ für die konsequente Politik der vergangenen vier Jahre. Nun sitze die Partei in zwölf Landtagen, „im nächsten Jahr auch in Nordrhein-Westfalen!“, werde zwischen 80 und 90 Bundestagsabgeordnete stellen. „Dieser Erfolg hat viele Mütter und Väter“, sagt Bartsch, doch ausschlaggebend seien dafür die Inhalte. „Die große Koalition hat heute eine gigantische Wahlniederlage erlebt, wir einen dicken Erfolg.“

Anders als viele im Publikum, die sich am schlechten Abschneiden der Volksparteien weiden, verspricht Bartsch: „Häme gegen die SPD wird es von mir nicht geben.“ Klaus Ernst, der stellvertretende Parteivorsitzende, diktiert hingegen draußen vor dem Zelt den Journalisten in den Block: Die SPD werde „überflüssig“, wenn sie ihren Kurs nicht ändere. Ein westdeutscher Parteifreund ist erleichtert über den Wahlausgang: „Nun bleiben wir!“ Locker wie selten, im roten Hemd, biegt um halb sieben - es ist immer noch 21 Grad warm - der Parteivorsitzende Lothar Bisky um die Ecke und winkt. Die erst 2007 gegründete Partei sei „einen langen Weg gegangen“, sagt er später auf der Bühne, während Lafontaine und Gysi neben ihm stehen und freundlich dazu nicken. Doch es habe sich gelohnt.

Udo Wolf, der nächste Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, berichtet, er habe schon im Wahlkampf in Kreuzberg-Friedrichshain und Marzahn gemerkt, dass „Die Linke“ sehr freundlich und ohne Aggression aufgenommen worden sei. In Prenzlauer Berg, wo in vielen Wahllokalen die Grünen schon seit langem stärkste Partei werden, zeigte der ehemalige Berliner Vorsitzende von Partei und Fraktion, Stefan Liebich, vollen Einsatz: Noch am Samstagabend stand er Seite an Seite mit den Grünen an der Schönhauser Allee und verteilte tiefrote Äpfel, die seinen Namenszug trugen, Kondome, Kulis, Brillenputztücher und chemische „Knicklampen“: „Alles muss raus!“, rief der Konkurrent von Wolfgang Thierse, dem SPD-Direktkandidaten. Abends um elf waren die Grünen noch auf der Straße - Liebich hatte offenbar sein Vorwahlziel erreicht und alles Material unters Volk gebracht.

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