Wahl paradox: Von einem „guten Abend“ sprach der Kanzlerkandidat der SPD, obwohl seine Partei gerade das schlechteste Saar-Ergebnis seit 1955 erzielt hatte. In Thüringen blieb sie unter zwanzig Prozent. In Sachsen wäre die SPD mit ihren zehn Prozent beinahe noch von der FDP überholt worden.
Die SPD-Führungsleute aber behaupten, der Abwärtstrend ihrer Partei sei gebrochen. Gebrochen haben aber nur sie mit dem einstigen Tabu, nicht mit der Linkspartei zusammenzugehen. Im Saarland kann die SPD nur mit Lafontaines Hilfe den Ministerpräsidenten stellen, worauf dieser natürlich genüsslich hinweist. Nirgends ist die SPD auch nur annähernd stark genug geworden, um die im Bund angestrebte Ampelkoalition zu verwirklichen. Der Kanzlerkandidat hat keine Bündnisoption hinzugewonnen. Und das soll ein guter Wahlausgang gewesen sein?
Der Union ist es nicht in diesem Ausmaß vergönnt gewesen, sich über die Ergebnisse hinwegzutäuschen. Doch welche Schlüsse soll sie aus ihnen ziehen? Sollte das Abrutschen der CDU im Saarland und in Thüringen tatsächlich die Quittung dafür gewesen sein, dass die Kanzlerin den Deutschen nicht höhere Steuern und weniger Kündigungsschutz versprach?
Frau Merkel scheint das nicht zu glauben. Sie beherzigt weiter die Lektion, die ihr die Wähler vor vier Jahren erteilten. Die hieß: Wer zu reformfreudig und zu detailversessen in den Wahlkampf zieht, läuft das Risiko, schon vor dem Wahltag demontiert zu werden; diese Gefahr geht übrigens nicht nur von den gegnerischen Reihen aus. Es scheint, als könnten die Niederlagen von Althaus und Müller Frau Merkels eigene Erfahrungen nicht auslöschen. Einen Stilwechsel von der präsidialen Kanzlerin hin zur „Rampensau“ würde ihr ohnehin niemand mehr abnehmen. CDU und CSU haben in dieser Disziplin durchaus talentiertere Mitglieder.
Für die Union kam der Warnschuss zur rechten Zeit. Er weckt jene auf, die abermals schon glaubten, die Sache sei gelaufen. Die CSU hat Gelegenheit, sich zu besinnen, wer der Gegner ist. Aber auch die Wähler müssen nicht blind in die Wahlkabine gehen. Sie erhalten dieser Tage noch einmal Anschauungsmaterial darüber, wie weit Parteien zu gehen bereit sind, wenn die Opposition droht. Die SPD, ausgezehrt von der großen Koalition, scheint jetzt bei jeder Gelegenheit über den eigenen Schatten springen zu wollen, selbst wenn es der von Lafontaine ist.
Lektion, Schatten und ein effektives Wundenlecken
Clemens Klein (websimultan)
- 31.08.2009, 21:58 Uhr
Für die CDU/CSU läuft........
wolf haupricht (emilgilels)
- 31.08.2009, 23:08 Uhr
Es macht überhaupt keinen Sinn mehr noch für Schwarz-Gelb zu plädieren
Konstantin Schneider (bundesboy)
- 01.09.2009, 00:00 Uhr
Sollen 4 Jahre 'rechts gegen links' besser sein ? (Mit Bundesratblockade etc.)
Paul Rabe (heidelpaul)
- 01.09.2009, 10:00 Uhr
Die Lektion, die endlich zu beherzigen waere,
Rolf Joachim Siegen (rolfS2)
- 01.09.2009, 10:19 Uhr
